Neben der Spur

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Ihr habt euch sicherlich schon über den harten politischen Einschnitt zwischen all den Ruinen auf meiner Seite gewundert.

Die Missstände am Max-Planck-Institut in Tübingen, die durch einen Undercover-Mitarbeiter der SOKO-Tierschutz aufgedeckt und vor etwa einer Woche bei SternTV veröffentlicht wurden hat meinen Seelenfrieden schwer erschüttert. Zuerst war ich traurig, wütend aber doch nahezu ohmächtig als ich die Aufnahmen sah. Die “Grundlagenforschung” kannte ich bis dato nicht. Das letzte Mal, dass ich bewusst etwas über Tierversuche hörte war so weit ich mich erinnere Mitte der Neunziger und betraf wiederlichste Tierversuche für die Kosmetikindustrie. Doch auch diese Missstände waren nach kurzer Zeit aus meinen jungen Gedanken verschwunden.

Die Enthüllungen der SOKO-Tierschutz sind für mich die reinste Schocktherapie. Mich trifft die Tatsache, dass es “ziellose Forschungen”, Grundlagenforschung gibt sehr hart. Ich kann mich mit vielen Themen die Tiere in Bezug auf Menschen betreffen arrangieren, bzw. ich schaffe es nicht alles einfach zu verteufeln. Ich bin selber Fleischesser und -geniesser. Die Probleme mit Massentierhaltung sind mir bewusst, aber da ich verstehe wie der Konsum von Fleisch in der Gesellschaft verankert ist, werde ich niemanden pauschal schlecht machen. Jedes Konsumverhalten hat viele Einflüsse und Gründe. Da bin ich Realist. Ich sehe es jetzt an mir wie blind man sein kann!

“Grundlagenfroschung” jedoch ist ganz klar Folter und Mord ohne jegliche Berechtigung.

Seit mehr als einer Woche bin ich total neben der Spur. Nach der ersten SternTV-Reportage konnte ich einige Nächte nicht wirklich schlafen. Wenn ich die Augen zumachte sah ich die MPI-Affen, die Panik, die Angst in ihren Augen. Einige Tage war das Bild von Stella direkt da wenn ich morgens die Augen aufmachte. Ich erzählte es einigen meiner Bekannten und meiner Familie, doch es viel mir schwer. Sobald mein Kopf begann zu arbeiten , schossen mir die Tränen in die Augen. Das ist jetzt auch noch so. Mein Herz schreit “fahr dahin und zünde den Laden an”. Doch mein Verstand weiss es besser. Er weiss um meine Hilflosigkeit. Radikal werden ist auch keine Lösung.

Im Grunde bin ich vor meiner eigenen Ahnungslosigkeit sehr erschrocken. Die Konsequenz für mich bestand darin, die 36 ahnungslosen Jahre, die ich auf diesem Planeten bin zu beenden und mich zu informieren. Ich war schon immer auf der Seite der Natur und der Tiere. Als Misanthrop ist es Bestandteil von mir. Und so fing ich an mich zu informieren…

Über die Grundlagenforschung ging ich über zu Tierversuche im allgemeinen. Es war der berühmte “Stich ins Bienennest”, denn was ich seit dem sehe ist der blanke Horror. Der moderne Mensch, die moderne Gesellschaft (ich definiere damit die Generationen nach dem 2.Weltkrieg) hat ihr ohnehin schon zu hohes Konsumverhalten auf dem Rücken der Natur und der Tiere aufgebaut. Geht man ins Detail wird klar für welche Dinge “des alltäglichen Gebrauchs” Tiere geschändet und gefoltert werden. Alles im Detail widerzugeben spränge den Rahmen, desshalb hier ein Beispiel:

Noch vor etwa 40 Jahren beinhaltete eine Zigarette im Wesentlichen einfach nur Tabak. Inzwischen ist es jedoch zur gängigen Praxis geworden, dem Tabak einen regelrechten Chemie-Cocktail beizufügen. Zusatzstoffe wie Zucker, Glykol, Kakao und hunderte weitere werden jedoch durch den Verglimmungsprozess beim Rauchen chemisch verändert, was zur Erzeugung einer Vielzahl von giftigen und sogar Krebs erregenden Substanzen führt.

Alleine durch den Verzicht auf all diese Zusatzstoffe könnte die Schädlichkeit des Rauchens verringert werden.
Für diese Erkenntnis – die von der Tabakindustrie jedoch geflissentlich ignoriert wird – müsste nicht ein einziges Tier sein Leben opfern.

Die diesbezüglich bekannten Tierversuchsmethoden sind ziemlich haarsträubend. So wird auf indymedia.org beschrieben:

„Beispielsweise wird Hunden durch ein Loch in der Kehle über Monate hinweg konzentrierter Zigarettenrauch in die Lunge transportiert, um Langzeitfolgen des Rauchens zu untersuchen. Um auch die Auswirkungen auf die Sexualität zu analysieren, werden zusätzlich Elektroden in die Penisse der Hunde eingeführt. Föten schwangerer Affen werden mit Nikotin vergiftet, um sie dann kurz nach der Geburt zu töten und ihre Lungen zu untersuchen. Bei anderen Versuchen mit Affen werden sie auf Stühlen fixiert und die Wirkung von Nikotin auf ihre Atmung untersucht. Aber auch andere Tiere wie Ratten und Mäuse müssen den Rauch inhalieren. Dafür bekommen sie Masken aufgesetzt, die sie zwingen, permanent zu “rauchen”.

Wie unlängst vom Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” berichtet, sterben alleine im Philip-Morris-Labor in der belgischen Stadt Leuven jedes Jahr bis zu 6.000 Tiere in den Labors, für angeblich wissenschaftliche Versuche. Doch selbst diese horrende Zahl ist dem international agierenden Tabakkonzern noch nicht genug. Die Zahl der Tierversuche soll noch gesteigert werden.
Quelle: www.animalsliberty.de

So etwas verdeutlicht die abstrakten und absolut unsinnigen Gräueltaten an Tieren. Die Website www.animalsliberty.de von der das Zitat stammt öffnete mir weiter die Augen. Ganz nach dem Motto “Der Verbraucher hat die Macht” wurde hier mit “wer macht was?” eine Datenbank ins Leben gerufen, die den Verbrauchern Auskunft darüber gibt, welche Unternehmen hinter den Produkten, die wir tagtäglich konsumieren, stecken – und ob diese Unternehmen aufgrund von Tierquälereien im Visier einer Boykottkampagne stehen. Auch werden zu den zu boykottierenden Produkten auch Alternativen aufgezeigt.

Im Grunde bin ich kein Konsummensch. Ich esse selten Fleisch und wenn dann kein billiges; meine Kleidung ist stabil und funktional und muss selten neu gekauft werden, benutze keine Medikamente, so dass ich selbst von mir dachte, mit meinem Konsumverhalten nicht zuviel Unwelt zu vernichten. Das war ein Irrtum. Produkte, die ich seit Jahr und Tag verwende unterstützen Konzerne und Firmen die Fauna und Flora aufs schlimmste vergewaltigen. Interessanterweise vorne immer “zum Wohle des Menschen” obwohl es hintenrum sehr schlecht für Menschen ist, da wir unsere eigene Lebensgrundlage zerstören.

Im Grunde konnte ich nach diesen Augenöffnern einige Tage fast gar nichts essen. Schuld kam in mir hoch. Hilflosigkeit. Wie gesagt bin ich Fleischesser aber ich kann es nicht essen wenn ich sehe wie Tiere bei lebendigem Leibe für mein Steak aufgeschlitzt werden. Vegetarismus oder gar Veganismus waren für mich nie akzeptable Wege, weil mir die geschmackliche Vielfalt durch Tierprodukte fehlt. Ich war noch nie Gemüsefreund. Und doch bin ich Idealist, oder eher ein idealistischer Realist. Von daher werde ich wohl nie sagen “Fleisch nein danke”, aber eine der ersten wirklichen Konsequenzen für mich ist, dass ich wissen muss wo das Fleisch herkommt und was dort für Zustände herrschen, ansonsten esse ich es nicht. Gerade bei Milcherzeugnissen wie Käse wird es sehr hart für mich. Die Ungewissheit wie es den Milchkühen geht ist durch fehlende Transparenz schwer auszumerzen. An den Lebensmitteln als solche ändert alles für mich nichts, Fleisch an sich werde ich immer mögen. Aber wenn Tiere dafür gefoltert worden sind ist es, als wäre das Fleisch vergiftet und vergiftete Dinge esse ich eben nicht. Die nächsten Tage werde ich alle lokalen Bauernhöfe abklappern und schauen wo ich in Zukunft Produkte bekomme die in meinen Augen unbedenklich sind. Sollte es sich jedoch herausstellen, dass es nie wirklich unbedenklich ist, ist der Veganismus für mich nur noch Formsache. Auch wenn mich fleischlos geschmacklich nicht glücklich machen wird werde ich mich damit arrangieren.

Ausserdem werde ich die SOKO-Tierschutz in irgendeiner Form unterstützen, mich bei Animal’s Liberty eintragen und an Aktionen und Demos teilnehmen die in meiner Reichweite sind. Es scheint aber, dass egal was ich anstrebe, mein Gewissen sich nicht beruhigen wird. Im Moment ist mir meine Frau ein grosse Stütze. Sie fängt meine immer wieder aufflammende Traurigkeit und Hilflosigkeit auf und unterstützt die Richtung, die mein Konsumverhalten im Moment einschlägt.

Dennoch ist mein Herz gebrochen. Die Affen des MPI werden immer in meinem Kopf sein.

Für Stella!

2 Antworten auf Neben der Spur

  1. Martina

    Wurden die Tierversuche mittlerweile gestoppt? Hoffe die Zeit hat deinem Herzen den Schmerz ein wenig genommen. Ein Konsummensch will ich heute auch nicht mehr sein und besinne mich auf die Qualität der Produkte.

    • Hallo Martina,

      vielen Dank für deine Nachricht.

      Leider sind speziell die Tübinger Affenversuche noch nicht beendet worden.

      Es wurde zwar behauptet, dass keine neuen Affen dazukommen sollen wenn die, die jetzt noch dort sind “verbraucht” worden sind. Ob man dem Verein noch irgendwas glauben kann lass ich mal dahingestellt sein.

      Aber SOKO Tierschutz gibt keine Ruhe. Es gibt immer wieder Demos. Am 18.12.2016 war die letzte.

      Wenn ich an die Affen denken muss kommen mir immer noch die Tränen.
      Die Zeit hat aber tatsächlich ein wenig der Emotionalität abgeschwächt.
      Auch im Veganismus fühle ich mich mittlerweile sehr gut aufgehoben und mein Arzt ist sowieso begeistert von meinen Blutwerten.

      Ich freue mich zu hören, das auch du über dein Konsumverhalten nachdenkst. Damit bist du auf dem richtigen Weg.

      Gruss… Phil…

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