Zwergenhöhle (verschlossen 2013)

http://www.auferstandenausruinen.de/wp/wp-content/gallery/historischebilder-bielefeld/zwergenhoehle-1968.jpg http://www.auferstandenausruinen.de/wp/wp-content/gallery/zwergenhohle/p1160874.jpg

Die Zwergenhöhle, mit etwa zehn Metern Länge nicht gerade groß, ist die einzige bekannte natürliche Höhle im Raum Bielefeld. Sie liegt im Teutoburger Wald abseits von Wegen. Sie wurde 1888 ausgeräumt und mit einer Länge von 20,80 m vermessen. Bereits 1949 war der hintere Teil durch Versturzmaterial derart aufgefüllt, dass der Gang nur noch 10,30 m lang war. Heute endet die Höhle nach ca. 5 m. Sie zieht sich mit ca. 20 Grad Neigung in den Berg hinein.
Quelle: Ubbedissen – Ein Bildband

Das alte Foto oben links Foto zeigt die Zwergenhöhle im Jahre 1968. Man erkennt gut den damals noch jungen Baum am linken Eingangsrand.
Heute sind seine Wurzeln ungleich mächtiger.

Der Name „Zwergenhöhle“ rührt von alten westfälischen Sagen über unterirdische Zwerge her. Damals fürchteten sich die Menschen vor diversen Sagengestalten, die die Unterwelt bevölkerten. Hier nun einige dieser Zwergensagen aus dem dem Mittelalter.


Die Zwerge im Mönckenloch

An dem Paschenberge, welcher über der alten Schaumburg liegt, befindet sich ein grosses Steinloch, zu dem eine enge Schlucht durch den Stein fürt; die nennt man das Mönckenloch. Nun hat vor Zeiten auf der Schaumburg ein Graf gelebt; der hat es mit einer Zwergin, der Art es viele in der Gegend gegeben, gehalten und hat sie immer heimlich in dem Mönckenloch besucht. Seiner Frau ist es aber aufgefallen, dass er so oft ausblieb, und sie hat dem Diener, der ihn immer bis zur Höhle begleiten musste, vermocht, dass er Erbsen auf den Weg streue, damit sie ihn finden könne. Da hat sie endlich einmal beide bei einander überrascht, und der Graf hat ihr versprochen, die Zwergin nicht wieder zu besuchen. Seit der Zeit haben aber die Zwerge dem Grafen allerhand Schaden zugefügt, namentlich auch einmal das Schloss arg bestohlen.

Endlich aber sind sie fortgezogen und zwar hat man eine Stimme gehört, die hat gerufen: „Auf, auf, Prinz, Prinzerlenz, Prinz ist tot!“ und bald danach ist in der Nacht einer zum Fährmann in Grosswieden gekommen und hat ihm geheissen, die Fähre bereit zu halten, denn er solle Leute übersetzen. Das hat er denn auch gethan und hat viermal überfahren müssen, hat aber niemand gesehen, und dennoch ist die Fähre so tief gegangen, als wenn sie ganz voll wäre. Als er endlich zum viertenmal übergefahren ist, hat der, welcher ihn gedungen hat, gesagt, er solle einmal auf die Wiese sehen; als er das gethan, hat er auf der Wiese Kopf an Kopf erblickt, die hatte er alle übergefahren. Darauf hat sich der Kleine bei ihm verabschiedet und ihm noch zugerufen, seine Bezahlung liege in der Fähre; der Fährmann hat auch sogleich zugesehen, aber nichts als Pferdemist gefunden, den er ärgerlich mit dem Fusse ins Wasser gestossen hat. Etwas ist ihm aber an seinem Schuh sitzen geblieben, das sind am andern Tage lauter Pistolen gewesen.

In Kleinenbremen bei Bückeburg erzählte man auch früher noch viel von den Unterirdischen oder Zwergen, und zwar sollen sie sich besonders im Dienhagen oder Nienhagen (?) aufgehalten haben, jedoch zuletzt fortgezogen sein, weil einer derselben von einer Rüde zerrissen worden.

Goldbeck

Etwa eine halbe Stunde von dem Dorfe Goldbeck, in der Richtung nach Rinteln zu, befinden sich Höhlen an einem Berge, in denen haben ehemals Zwege gewohnt. Nun lag in der Nähe der Hof eines Bauern, dessen Herde gewöhnlich in der Nähe der Höhle zu weiden pflegte, und da sah der Hirt alle Morgen eine fremde Kuh sich unter die seinen mischen, die war so glatt und schön, dass sie wie Gold glitzerte und glänzte; abends aber, wenn er heimtrieb, war sie bei den Höhlen stets plötzlich verschwunden. Das erzählte er einmal abends seinem Herrn und der sagte: „Dafür könnten sie dir auch wohl ein Trinkgeld geben, dass du ihnen täglich ihre Kuh mit auf die Weide treibst.“ Das hörten die Zwerge, die sich, durch ihre Nebelkappen unsichtbar, gern in der Stube des Bauern aufhielten, und anderen Morgens, als der Hirt mit seiner Herde wieder bei den Zwergenlöchern vorübertrieb, fand er vor einer der Höhlen einen Groschen, und so ging’s nun fort einen Tag wie alle Tage. Als das der Bauer wieder hörte, sagte er: „Können sie das, so können sie dir auch wohl ein Frühstück geben,“ und andern Morgens, als der Hirt wieder an der Höhle vorüberkommt, liegt neben dem Groschen noch ein schöner Pfannkuchen, und solchen fand er nun ebenfalls täglich dort.

Nun richteten die Zwerge aber in den Erbsenfeldern des Bauern grossen Schaden an, sodass er endlich unwillig wurde und rief: „Haben sie so viel Geld, so können sie mir wohl den Schaden ersetzen oder lieber ganz und gar wegziehen.“ Kaum hatte er das gesagt, so rief eine Stimme: „Schick deinen Knecht zur Höhle, das soll alles bezahlt werden!“ Da schickte er denn auch seinen Knecht zur Höhle, und der nahm, weil er recht viel Geld zu bekommen dachte, gleich eine Metze mit. Als er aber vor die Höhle kam, fand er auf dem Tische einen grossen Haufen Pferdemist, den er ärgerlich mit dem Matze hinunter auf die Erde war und nach Hause ging. Als er hier seinem Herrn erzählte, wie es ihm ergangen, und die Metze im Ärger von sich schleuderte, da gabs auf einmal ein Klingen wie pures Gold, und als er nachsah, da waren’s Pistolen; sogleich schickte ihn nun sein Herr zurück, um auch den übrigen Mist zu holen; aber als er hinkam, war nichts mehr davon zu finden.

Alverdissen

Bei Alverdissen liegt ein kleiner Bruch, sonst die Helle, jetzt der Küsterbusch genannt, in dem haben sich ehemals unter einem Steine Zwerge aufgehalten. Da ist auch einmal ein Mann zu Alverdissen gewesen, der sollte 200 Thaler bezahlen, die er sich geliehen hatte, und konnte es nicht; da ist er traurig hinausgegangen, und wie er so eht, steht auf einmal ein Zwerg vor ihm, der fragt, was ihm denn fehle. Da offenbart er ihm denn alles, und der Zwerg heisst ihn folgen. Darauf sind sie zum Steine in der Helle gegangen, wo der Zwerg verschwunden aber bald nachher mit 200 Thalern wieder herausgekommen ist; die hat er ihm gegeben und gesagt: „Ich leihe sie dir, aber übers Jahr auf Tag und Stunde muss ich sie wiederhaben; dann komm nun her und rufe „Anton“, so werde ich herrvorkommen und sie dir abnehmen.“ Der Mann ist erfreut nach Hause gegangen und hat sich nach Jahresfrist auch zur rechten Zeit wieder eingestellt, aber eine ganze Zeit hat er vergeblich gerufen; endlich ist ein ander Zwerg erschienen, der hat ihm gesagt: „Anton ist tot, geh du ruhig heim und behalte das Geld.“

Quelle: Der Sagenschatz Westfalens, Otto Weddingen, 1884


Von Fledermäusen wird die Zwergenhöhle in der kalten Jahreszeit als Zwischenquartier und eingeschränkt als Winterquartier genutzt. Um sie als Ruhestätte im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes zu sichern, wurde der Eingang erst kürzlich mit einem Gitter und einer kleinen Durchgangstür versehen. Zwischenzeitlich wurde das komplette Gitter, wahrscheinlich von Schrottdieben, gestohlen. Aktuell ist die Höhle wieder vergittert.
Quelle: Bielefelder Blatt

[Fotos aus dem Jahr 2012]

3 Antworten auf Zwergenhöhle (verschlossen 2013)

  1. Pingback: Zwergenhöhle: Historisches Foto & Zwergensagen | Auferstanden aus Ruinen

  2. Ich finde es interessant, dass es auch in Deutschland so viele Höhlen gibt!
    MfG

  3. Pingback: Neues Objekt: Zwergenhöhle | Auferstanden aus Ruinen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.