Bauernhaus „Zweierlei“ von 1831

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Ein interessantes Ensemble. Zwei Bauernhäuser. Eines ist von 1831 und zum grössten Teil im Originalzustand. Das Dach ist vor einem Jahr endgültig eingstürzt. Das zweite Bauernhaus direkt nebenan von 1748 ist vor einigen Jahren komplett renoviert worden und steht nun ein paar Jahre leer. Ausserdem befindet sich auf dem Gelände ein kleiner Deckungsgraben aus dem Zweiten Weltkrieg und die Grundmauern eines Stalles.

[Fotos aus dem Jahr 2011]


Update 2018

Ich besuchte dieses nette Ensemble sieben Jahre später erneut. In erster Linie wollte ich die historischen Türengel an den Torbalken des zusammengefallenen Bauernhauses dokumentieren, da ich erfahren habe, dass dieses Kulturgut selten zu finden ist.

Stets schweben sie rechts und links auf den Türschrägen und blasen entweder ein leicht geschwungenes Horn (das Horn des Urs) oder ein spiraliges (nach der Art der Lure) oder ein gerades. Das letztere ist uns als Mittwinterhorn aus altem Brauchtum in Westfalen wohlbekannt … Heimdold oder wie er gewöhnlich heißt – Heimdall gehört also das Horn … Eine Brücke zu den göttlichen Sinnbildern hinüber ist auch der weitgespannte Türbogen an unseren Einfahrten: Auf dieser Brücke bläst Heimdall das Mittwinterhorn.
Quelle: Engel an Ravensberger Bauernhäusern – Gertrud Angermann

Die selbstbewussten Bauern ließen – für jedermann sichtbar – wenigstens eine Giebelseite repräsentativ gestalten. Ausgesuchte Ständer, ein vorkragender Giebel, geschnitzte Knaggen und anderes Zierwerk geben jedem Fachwerkhaus sein besonderes Gepräge. Das Prunkstück der Fassade ist das Deelentor.

Die Torständer zieren Wellenranken mit Blättern, Trauben und pickenden Vögeln. Der Querbalken über dem Deelentor ist mit mehrzeiligen Schriftbändern bedeckt. Selbst die Kopfbänder, die den Querbalken mit den Torständern verbinden, zeigen geschnitzte und bemalte Ornamente. Unter den Schmuckformen auf den Kopfbändern tauchen seit 1790 in Ravensberg recht merkwürdige Gestalten auf. Die Körper sind häufig unbekleidet, Arme und Beine auffallend dünn. In einer Hand tragen sie ein Blasinstrument, das man als Tuba, Horn oder Trompete deuten kann. Nur an den Flügeln erkennt man, dass es sich hier um Engel handelt. Und da das Musikinstrument charakteristisch ist, hat sich der Name „Posaunenengel“ eingebürgert. Neben dem Blasinstrument finden sich in der Regel verschiedene Beizeichen: Zepter, Kronen, Schlüssel und andere Symbole, deren Bedeutung sich dem Betrachter nicht immer erschließt.

Die Posaunenengel wurden wohl ausnahmslos von Landhandwerkern nach Vorbildern aus der städtischen Kultur geschnitzt und bemalt. Im Laufe der Jahre wurden die Engel ständig umgestaltet und in ihrer Darstellung verfeinert, so dass sie heute als eigenständiges Element der bäuerlichen Kultur gelten. Der Bezug zu christlichen Vorstellungen ist nicht zu übersehen. Zusammen mit ihren Beizeichen sollen die Engel den überirdischen Bereich repräsentieren und Gott als Geber und Erhalter loben. Sie sind „in Holz geschnitzter Glaube“ (Melchert). Die an Bauernhöfen erhalten gebliebenen Engel bestehen aus zwei Gruppen, einer älteren, die zwischen 1842 und 1910 von verschiedenen Meistern geschaffen wurde, und einer jüngeren aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Im vergangenen Jahrhundert ist die Zahl der jedoch Fachwerkhäuser drastisch zurückgegangen.
Quelle: Angermann, Gertrud: Engel an Ravensberger Bauernhäusern

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Der Zustand dieses alten Bauernhauses ist gemessen an dem jüngeren zur rechten über die Jahre viel beser geblieben. Das kleine Bauernhaus hat durch Vandalismus stark gelitten. Als ich vor sieben Jahren hier war hätte man nach einer kurzen Renovierung hier direkt einziehen können. Das geht jetzt nichtmehr so ohne weiteres.

[Fotos aus dem Jahr 2018]

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