Raffinieranlage „Dachs1“

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Nachdem die deutschen Rüstungsbetriebe in Peenemünde durch die britische Operation Hydra stark beschädigt worden waren, beschloss die NS-Regierung die Verlagerung von kriegswichtigen Fabriken unter Tage. Vor allem in alten Bergwerken oder in neu angelegten Stollen fanden die Betriebe Platz. Der große Arbeitskräftebedarf in den U-Verlagerungen wurde durch Zwangsarbeiter und den Einsatz von KZ-Häftlingen neu errichteter Konzentrationslager gedeckt.

Insbesondere wurde die Herstellung synthetischen Benzins im sogenannten Geilenberg-Programm unter die Erde verlegt. Das Programm wurde nach Edmund Geilenberg, dem Generalkommissar für Sofortmaßnahmen beim Reichsministerium für Rüstung- und Kriegsproduktion benannt.

Unter der Regie des Jägerstabs wurde die deutsche Flugzeugindustrie dezentralisiert und in unterirdische Entwicklungs- und Produktionsanlagen verlegt. Dieses ist die U-Verlagerung „Dachs 1“.

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Nachdem ab dem ab dem 20.6.1944 die Hannoveraner Raffinerien schweren Bombardierungen ausgesetzt wurden, wurde eine Untertage-Verlagerung der Mineralölindustrie immer dringlicher. Letztendlich wurde sie wahrscheinlich sogar dringender angesehen, als die Produktion von Jagdflugzeugen, die mit dem Treibstoff aus den Raffinerien fliegen sollten. Im Rahmen des Geilenberg-Programms wurde im Juli 1944 eine Sonderkommission aus Vertretern der Mineralölindustrie gegründet, die die Voraussetzungen für die Standorte, welche für eine Verlagerung in Frage kämen, wie folgt formulierte :

“In Betracht kommen nur Stollenanlagen bzw. horizontal zugängliche Hohlräume. Es ist eine Teilung der Betriebsanlagen vorgesehen, so dass nur eine Anzahl Einzelräume von 1.200 – 1.500 qm benötigt werden. Höhe, bis maximal 6 m. Einzelne Kolonnenapparate benötigen eine Höhe von 8 – 10 m, die durch Ausbrüche hergestellt werden muss. Sehr wichtig ist die Wetterabfuhr, die zweckmäßig durch eine Anzahl von Bohrlöchern zu Tage erfolgen muss. Notwendig ist Bahnanschluss und genügender Abstellraum für Waggons, da mit umfangreichem Kesselwagenverkehr gerechnet werden muss. In hiesigem Oberbergamtsbezirk ist für die Erkundung der Betrieb am Jakobsberg bei Porta vorgesehen.”

Bei der genannten Erkundung wurde das untere Stollensystem im Jakobsberg als derart ideal angesehen, daß die Stollensysteme dem Jägerstab entzogen wurden. Sie sollten nun im Rahmen des Geilenberg-Programmes der GEWERKSCHAFT DEURAG-NERAG für eine Schmierölraffinerie in Verbindung mit dem „Ofen-Projekt“ zur Verfügung gestellt werden. Die folgenden Anlagen sollten hierbei die Rohstoffe für die Schmierölraffinerie liefern :

Ofen 1 und 2, betreut von der NERAG, bei Rinteln
Ofen 3 und 4 , betreut von der NERAG. in Brunkensen
Ofen 5 und 6, betreut von der Wintershall AG, in Mensinghausen
Ofen 37 und 38, betreut von der NERAG, in Ibbenbürern
Taube 2, betreut von der Wintershall AG, im Kreis Minden

Die bereits installierten Maschinen der Ambi-Budd wurden nun wieder aus den betreffenden Stollensystemen entfernt. Dem Bau der Raffinerie wurde die höchste Dringlichkeit zugedacht. Die Produktion dieser Anlage sollte 5.500 Tonnen pro Monat betragen, welches ausreichend gewesen wäre der Luftwaffe die Versorgung mit Schmierstoffen zu sichern. Das Bauprojekt für diese Raffinerie bekam den Kodenamen „Dachs 1“ und hatte ein Kostenvolumen von 27 Millionen Reichsmark, welches auf dem speziell eingerichteten „Sonderkonto UHDE“ vom Reichsluftfahrtministerium zur Vefügung gestellt wurde. Die Anlage verfügte über insgesamt drei Eingänge :

– Dem Haupteingang
– Einem Eingang für Rohreitungen etc.
– Einem Wartungstunnel für diverse Zwecke

Rechts neben der Hauptzufahrt befanden sich unter anderem Dampfkesselanlage, Transformatorenstation, Destillationskolonnen und Kompressorenstationen. Während der Bauphase, wurde die Anlage jedoch durch Versorgungseinrichtungen gespeist, die sich außerhalb der Stollen befanden. Das untere System war zudem mit dem oberen Bereich durch einen Versorgungsgang verbunden, in dem Rohrleitungen und Versorgungskabel verliefen.

Die eigentliche Raffinerie war in den Stollen B und C untergebracht. In Stollen B befand sich die Lösungsmittelraffinerie (Furfurol) und die Bleicherderaffinerie, während in Stollen C die Vakuumdestillation und die Entparaffinierungsanlage untergebracht war. Letztere wurde zu diesem Zeitpunkt erstmals zur industriellen Produktion eingesetzt und war technisch gesehen auf dem allerneuesten Stand.
Stollen A bestand vorwiegend aus gemauerten Tanks, in denen End- und Zwischenprodukte, sowie angelieferte Rohstoffe aus den „Ofen“ Anlagen gelagert wurden.

Auf einigen Grundrissen der Anlage ist zudem noch ein weiterer Teil der Anlage zu sehen, welcher jedoch nie existiert hat. Die Stollen in diesem Bereich wurden nie aufgefahren. Der gesamte Bereich bestand lediglich aus geplanten Anlagenteilen.
Quelle: http://www.u-verlagerungen.portaforum.de

Mit dem Ende des Krieges kam auch das Ende der Anlagen. In den folgenden Jahren wurden die Anlagen zunächst demontiert, wobei die Maschinen unter anderem als Reparationszahlungen angerechnet wurden. Nach der Demontage sollte dann dafür gesorgt werden, daß die Anlagen nicht erneut aufgebaut werden konnten. Dazu wurden sie entweder versiegelt, durch Sprengungen zerstört, oder wieder in den aktiven Bergbau übernommen. Auf welche Art die Anlagen unbrauchbar gemacht wurden, hing stark von den Gegebenheiten ab. Wurden beispielsweise bei der Sprengung des Denkmalstollens noch folgenreiche Fehler begangen, wurden derartige Risiken bei anderen Anlagen vermieden. Für die Anlagen im Jakobsberg wurde beispielsweise ein geologisches Gutachten erstellt, um kalkulieren zu können, welche Methoden welche Folgen haben könnten. Als Folge dieses Gutachtens wurden einige Anlagen nicht gesprengt, sondern stattdessen nur versiegelt.

Folgende Massnahmen wurden bei „Dachs 1“ in Betracht gezogen:

Maßnahme 1
Einsturz der jetzigen Eingänge:
Von der Ausführung dieser Maßnahme muss dringend abgeraten werden. Es lässt sich mir Sicherheit vorhersagen, dass wenn man die Stützpfeiler zwischen den Eingängen oder den Räumen 1, 2, 3, 10 und 11 wegnimmt, zwangsläufig der ganze Berghang in Bewegung geraten muss. Er würde sich wahrscheinlich entlang den Klüften vom Berg lösen. Und wenn die Hohlräume, die in die Schicht 4 vorgetrieben sind, plötzlich zusammen brechen, würde über, die als Schmiermittel wirkende Schicht 5, diese Hangpartie abgleiten. Die Richtung des Abgleitens würde durch die Einfallrichtung der Klüfte vorgeschrieben werden. Das heißt : Der Rutsch würde in Süd-Westlicher Richtung erfolgen, mit ziemlicher Sicherheil die Verkehrsstraße, mit großer Wahrscheinlichkeit die Bahn möglicherweise die Weser zuschütten.

Maßnahme 2 und 3
Ausfüllung der Eingänge mit Eisenbeton und Verschließung der Zugänge mit Eisenbetonklötzen, die an den Seiten verankert sind und einen schmalen Zwischenraum zwischen dem Scheitel der Klötze und da Firste frei lassen:
Diese Maßnahmen gefährden nicht die Bergstruktur. Gegen sie sind daher von geologischem Standpunkt keine Einwendungen zu machen.

Maßnahme 4
Auffüllung des Luftschachtes mit herunter gesprengtem Felsgestein und Nachschütten von Zementbrüchen:
Auch diese Maßnahme dürfte sich ebenfalls kaum nachtteilig auf die Struktur des Berges auswirken, wenn sie mit der nötigen Vorsicht vorgenommen wird.

Maßnahme 5
Einsturz der Hohlräume selbst, beginnend vom äußersten Ende und fortgeführt bis zum Eingang:
Diese Maßnahme wird zwar dahin gehend erläutert, dass sie nur anwendbar sei, wenn die Auslösung heftiger Erschütterungen auf ein Mindestmaß reduziert werden würden. Aber selbst mit dieser Einschränkung scheint sie uns in der hier vorgeschlagenen Form große Gefahrenmomente zu bergen. Allenfalls ließe sich eine vorsichtige Sprengung in den berginnersten Räumen und Stollen (Räume 50 – 5, hinterer Teil von Raum 4, Raum 9 und 14) verantworten, unter der Voraussetzung, dass hier nacheinander und nicht gleichzeitig gesprengt wird. Schon im mittleren Teil der Anlage ist von Sprengungen oder anderen gewaltsamen Erschütterungen abzuraten. Wenn vollends im vorderen Teil (Räume 4, 5a, 12 und vorderer Abschnitt von 6) eine Sprengung vorgenommen wird, so besteht die Gefahr eines Bergrutsches, wie er unter ähnlichen Voraussetzungen tatsächlich auch bei der höher gelegenen Anlage der Philips Röhrenfabrik früher schon erfolgt ist. Es könnte dabei zu denselben Folgen kommen wie bei einer Sprengung der Eingänge. Selbst, wenn aber im Augenblick der Sprengung noch keine Wirkung eintreten würde, würde durch die Erschütterung das Gefüge des Berges derartig aufgelockert werden, dass jeder Zeit die Gefahr besteht, dass aus kleinem Anlass später ein Rutsch erfolgen kann.

Zusammenfassend kann man sagen : Wahrend sich gegen eine Ausführung der vorgeschlagenen Maßnahmen 2, 3 und 4 vom Standpunkt des Geologen keine Bedenken erheben, wird von der Durchführung der Maßnahme 1 abgeraten und die Maßnahme 5 nur dann für ungefährlich gehalten, wenn sie sich auf eine vorsichtige, nach und nach erfolgende Sprengung der hinteren Räume beschränkt.
Man kam zu der Überzeugung, den Eingang wie vorgeschlagen mit Eisenbeton zu versiegeln. Darüber hinaus wurden nach der Demontage der Maschinen die Zwischendecken durch Sprengungen zum Einsturz gebracht. Die Luftschächte wurden ebenfalls durch Eisenbeton versiegelt.
Quelle: http://www.u-verlagerungen.portaforum.de

Für die Bilder aus den Jahren 2009 und 2012 möchte ich „Taunusbär“ ganz herzlich danken! Einige Bilder aus den aus den 80er Jahren, als noch Tür und Tor offen standen könnt ihr auf der Seite von Jochen Bergmann sehen.

Dieses Video zeigt die Befahrung der U-Veragerung „Dachs 1“.
Ich zeige es euch mit freundlicher Genehmigung von „Aquaset History“.
Update: Leider wurde das Video vom Äther genommen.

Fotos 2009

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Fotos 2012

11 Antworten auf Raffinieranlage „Dachs1“

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  4. Benjamin

    Tolle Bilder

    Ich würde gerne wissen wie du in die U-Verlagerung gekommen bist?
    Diese ist doch seit langer Zeit verschlossen worden?
    Ferne würde ich sie auch gerne einmal besichtigen.

    Mit freundlichen Grüßen aus Celle!

    Benjamin

    • Moin moin Benjamin,

      solche Angaben kann ich nicht machen.
      Die U-Verlagerung Dachs1 habe ich nie selber betreten und werde es wohl auch nie.
      Sämtliche Fotos sind von einem Bekannten, der sich oft Untertage bewegt.

      Gruss… Phil…

  5. Ref: Hallo , habe dir schon hin und wieder geschrieben…. aber nie ein Antwort bekommen… Wollte dich einladen bzw. habe dich eingeladen …bei uns kam man ins Werk rein… Komme meine Email nicht an ? Hast du eine neue Anschrift ? Was macht Porta ????? Wollte noch mal hin.. Grüßle Thomas

  6. thomas

    Hallo , habe dir schon hin und wieder geschrieben…. aber nie ein Antwort bekommen…

    Wollte dich einladen bzw. habe dich eingeladen …bei uns kam man ins Werk rein…

    Komme meine Email nicht an ? Hast du eine neue Anschrift ?

    Was macht Porta ????? Wollte noch mal hin.. Grüßle Thomas

  7. Peter H. Wendt

    Hi !

    Als Zusatz: der Betrieb im Extertal war nicht nur ein Tanklager. Unter der Tarnbezeichnung ‚Ofen 1 + 2‘ war das eine Produktionsstätte für Rohbenzin. Die Reststoffe darauf wurden meines Wissens nach dann in ‚Dachs‘ verbracht, um weiterverwertet zu werden, die Rohbenzine lagerten auf dem Gelände um von dort per Kesselwagen in andere Produktionsstufen verbracht zu werden. Auch der weiter südlich unmittelbar an der Extertalstraße liegende Steinbruch gehörte zum Werk und dort waren soweit ich weiß die eigentlichen Destillationstürme aufgebaut und mit Netzen getarnt.

    Peter aus dem Lipperland

  8. Peter H. Wendt

    Hi !

    Eins der alten Wehrmachtstanklager ist im Extertal, an der […]straße. Die ehemalige Werksbaracke war noch bin Ende der 90er Wohnhaus, dürfte inzwischen aber ziemlich vandalisiert sein. Die Reste der gesprengten Tanks liegen davor zwischen Straße und Berghang und sind am Besten im Frühjahr oder Herbst zu sehen. Auf der anderen Seite verläuft das Gleis der inzwischen stillgelegten Extertalbahn. Kurz bevor man an das Tanklager kommt, gibt es eine Querung über die Straße. Die Warenlogistik wird vermutlich über einen Abzweig und ein Stichgleis erfolgt sein, von dem aber nichts mehr übrig ist, zumal auch die Straße später verbreitert wurde.

    […]

    Peter aus dem Lipperland

  9. Toller Beitrag und Bilder, ich war als britischer Soldat in Minden in den 80 Jahren stationiert, und fast jeden Tag vorbei gelaufen ohne zu wissen was hinter diesen Felsen vorborgen ist! Ich war neugerig und letzes Jahr oben auf den Jacobsberg gewesen aber nie unten, dachte es war nur ein einfacher Stollen!

    Noch mal danke

    Kev Moore

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