Luftschutzstollen „Zion“

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Der Bau dieses kleinen Luftschutzstollen begann Mitte 1943 um den Luftschutz für mehrere Krankenhäuser und Einrichtungen für Behinderte zu gewährleisten. Die Vorarbeiten für den Stollenbau begannen dann am 15. Dezember 1943. Dieser sollte ursprünglich 700 Personen sichere Unterkunft und die Maße von 2,20 m Breite, 2,35 m Höhe und etwa 300 m Länge haben. Sicherlich waren dies Aufnahmevermögen von Anbeginn des Bauvorhabens an viel zu gering, aber die technischen Möglichkeiten veranlaßten vermutlich zunächst zu dieser Beschränkung. Erst die Not der Luftschutzverhältnisse des sich immer mehr steigernden Bombenkrieges trieb dann zum verstärkten Ausbau an. Als schliesslich im Herbst 1943 die ersten Vorarbeiten erledigt waren, zog die Ortsbehörde die Presslufthämmer, die für den Stollenvortrieb im Felsgestein beschafft worden waren, ein. Offenbar sollte nichts zum Schutz der Kranken und Behinderten unternommen werden, was aufgrund der im nationalsozialistischem System stattfindenden Euthanasiemaßnahmen nicht verwunderlich ist. Durch interne Anstalts-Beziehungen zu Bergbaufirmen im Ruhrgebiet konnte Hilfe organisiert werden und so stellte die Bergwerksgesellschaft Hibernia in Herne am 10. Januar 1944 bis zum Frühjahr vier Bergleute zum Stollenbau ab. Das Kriegsgefangenenlager der Anstalt umfaßte zu diesem Zeitpunkt 45 russische Kriegsgefangene. Von ihnen wurde ein Teil für den Stollenbau eingesetzt. Fertiggeworden ist der Luftschutzstollen dennoch nicht. Die ursprünglich geplante Anlage sah ein ausgedehntes Stollennetz mit sanitären und Versorgungseinrichtungen vor, wie ihr auf den beiden Plänen sehen könnt.

Es wurden zwei Eingänge am errichtet. Ein Notausstieg, der bei akuter Luftgefahr auch als Eingang genutzt wurde, führte hinter die Ostseite der Kirche, projektiert vom Bauamt während der Arbeiten am 15. August 1944. Doch immer mehr Menschen drängten sich im Anstaltsbereich zusammen, und die Luftschutzverhältnisse reichten für die Fülle von Menschen nicht mehr aus. Auch konnte trotz aller Anregungen und Arbeiten der Stollenbau nur so weit gefördert werden, daß für etwa 2.000 Personen Raum vorhanden war. Alle übrigen waren auf unzureichende behelfsmäßige Luftschutzräume angewiesen, die sich dann überwiegend stehend zusammendrängten. Nur ausnahmweise waren für Bedürftige Sitzmöglichkeiten vorhanden.

Um Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten, wurde ab dem 15. November 1944 für den berechtigten Bevölkerungsteil, etwa 1.200 Personen, eine „Stollenkarte“ pro Person zur Benutzung des Luftschutzstollens von der Gemeindeverwaltung ausgegeben. Sie verteilten sich auf 300 Karten für Bewohner, die sich in Gemeinschaftsverpflegung befanden, 400 Karten waren für das Reservelazarett, 400 Karten für Zivilpersonen, die im Anstaltsbereich wohnten, und 100 Karten für Bürger der Stadt, die im Bereich des IV. Polizeireviers wohnten. Nur bei akuter Luftgefahr wurden über dieses Kontingent hinaus weitere Menschen in dem Stollen aufgenommen. In einem Schreiben an die Einkaufsstelle „Ophir“ wurde dieser mitgeteilt, daß ihr Gefolgschaftsmitglied Herr Hermann Steffen vom Ortsgruppenleiter Brauer zur Beaufsichtigung und Überwachung des Stollens bestimmt sei und daher die Pflicht habe, sich jeweils schon bei Voralarm zum Stollen zu begeben. Die Vorderseite der Stollenkarte enthielt die Ausgabe-Nummer, den Namen des Inhabers, sowie seine Anschrift. Diese Berechtigungskarte war, wie ausdrücklich vermerkt, nicht auf eine andere Person übertragbar. Es ist vorgekommen, daß ein Urlauber zu Hause war und seine Eltern für sich selbst zwar diese Zulassung besaßen, jedoch nicht für ihren Sohn. Dieser wurde daher bei Fliegeralarm auch nicht in den Stollen gelassen. Im Falle eines feindlichen Fliegerangriffes hätte er sich als Wehrmachtsurlauber bei der Polizeiverwaltung melden müssen. Die Rückseite enthält verschiedene Rechtsbelehrungen und den Hinweis, daß für verlorene Karten kein Ersatz geleistet wird. Dieser Hinweis sollte vermutlich verhindern, einem unrechtmäßigen Besitz Vorschub zu leisten.

Der großzügig geplante Ausbau der vorhandenen unterirdischen Anlagen nach dem Krieg in der Mitte der 50er Jahre, für 1.820 Personen ausgelegt, kam über das Stadium der Projektierung nicht hinaus. Offenbar ließ das geänderte politische Empfinden die Ausführung des Projektes überflüssig erscheinen. Die Lagepläne der Bauverwaltung vom Zustand Mai 1957 nach dem Vorschlag gemäß den Richtlinien des Herrn Bundesministers für Wohnungsbau vom 27. Juli 1955 waren im Vergleich zu dem alten Stollen aus der Kriegszeit geradezu komfortabel ausgedacht. Die Planung enthielt mehrere Rettungsräume, Wasserzapfstellen und jeweils eine Schleuse hinter den drei Eingängen aus den Luftschutzräumen der Schule und denen zwei weiterer Häuser. Zudem waren zwei Notausgänge vorgesehen. Auch waren eine Gasschleuse und Toilettenräume nach Geschlechtern getrennt vorgesehen. Darüber hinaus sah die Planung einen Maschinenbunker mit Notstromaggregat, Teeküche, Vorratsraum, Heizung, Entwässerung und dergleichen mehr vor. Die noch vorhandenen alten Stolleneingänge sind heute verschlossen.

Während des Krieges suchten hier nur kranke und verwundete Wehrmachtsangehörige Schutz. Kranke und Behinderte betraten diesen Stollen wahrscheinlich nie. Man darf sich auch fragen in wie weit dieser unfertige Stollen Schutz bieten würde. Bei einem Direkttreffer würden mit Sicherheit grosse Teile der Anlage einstürzen.

Der Zustand heute ist relativ gut. Die ausgemauerten Teile des Stollens sind noch recht gut in Schuss, jedoch dort wo es keine Ziegel gibt kommen immer wieder Teile der Decke herunter. Durch den Abriss einiger Gebäude an der Oberfläche ist ein kleiner Zugangsstollen nun „blind“. Man findet noch einige Wasserrohre und Reste des Belüftungssystems.

[Fotos aus dem Jahr 2012]

Wir hatten die Gelegenheit den Stollen in einem etwas privaterem Rahmen begehen zu dürfen um ein paar stimmungsvollere Fotos zu machen. Nach zwei Stunden hatten wir gerade mal die Hälfte des Stollens fotografiert. Hier Teil 1 der Bilder.

[Fotos aus dem Jahr 2012]

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7 Antworten auf Luftschutzstollen „Zion“

  1. Endrik

    Wirklich interessant! Als ehemaliger Bielefelder jetzt in Australien hatte ich keine Ahnung von diesen Stollen.

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  5. mulle

    die Fotos sind wirklich toll, war auch eine prima Aktion, dieser Ausflug in die **** „Unter“welt, danke nochmal für den Tipp!!!

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