Lenzbecken

http://www.auferstandenausruinen.de/wp/wp-content/gallery/unbekannte-strukturen/IMG_0441.JPG

Beim „schrubben“ von Karten und Geländeneigungen ist mir vor einiger Zeit etwas Seltsames aufgefallen, bei dem ich fachliche Hilfe brauche dessen Geheimnis nun gelüftet ist (Danke an meine Kristallkugel).

In einem Hang mit einer Geländeneigung von über 40 Grad bemerkte ich einige viereckige Vertiefungen. Man kann sie auf den Geländeneigungs- und DGM-Schummerungs-Karten von TIM-Online sehr gut erkennen. Man sieht mindestens zehn nahezu quadratische Strukturen, die in zwei Reihen den Hang entlang laufen. Ich sage mal ganz lapidar, dass diese Strukturen nicht natürlichen Ursprungs sein können. Ich konnte mir jedoch keinen Reim drauf machen, jedoch kamen aufgrund der Nähe zu einem militärischen Gelände die ersten Gedanken auf. Ausserdem gibt es einige Strassennamen in dieser Ecke, die auf historische Industrien wie der Kalkgewinnung, hinweisen.

Also kletterte ich an einem feuchten Herbsttag diesen Hang hoch und runter um es miranzuschauen. Eins wurde sofort klar… diese Strukturen sind menschengemacht. Auf den Fotos ist es leider nicht immer gut zu erkennen, aber es sind viereckige „Löcher“, einen halben bis einen Meter tief. Auf der Seite hangabwärts befindet sich jeweils eine Art Aushubhügel und an der den Hang aufsteigenden Seite erkennt man oft Kalksteinformationen. Im Tal unterhalb des Hanges befindet sich eine längliche schnurgerade Vertiefung. Viele grösse Bäume wachsen schief an diesen Löchern und somit gehe ich davon aus, dass diese bereits sehr alt sind.

Erklärung der hier gezeigten Kartenausschnitte von TIM-Online:

  • Bild 1 zeigt die Geländeschummerung aus NW.
  • Bild 2 zeigt die Geländeschummerung aus NO.
  • Bild 3 zeigt eine Kombinationen der Geländeneigungen zwischen 20 und 60 Grad.
  • Bild 4 zeigt die schematische Darstellung der Vertiefungen. Rot markiert ist der jeweilige Aushubhügel.

Es handel sich um sogenannte Lenzbecken oder auch Frühjahrsbecken (Lenz = Frühling). Dabei wird austretendes Grund- bzw. Schneewasser aufgefangen. Solche Becken brauchen nicht tief zu sein; sie reichen meist nur knapp bis unter die Frostgrenze von einem Meter und werden eher breiter angelegt, um viel Wasser anschöpfen zu können. Bergseitig findet man brüchiges Kalkgestein welches das Wasser filterte. Das austretende Wasser ist durch den Kalk schon stark geklärt, somit gibt es keine Bildung von Algen. Da es 10 Becken sind, kann man ungefähr davon ausgehen, das man mit dem Wasser bis zum Sommer ausgekommen ist.

Möglicherweise befand sich hier ein kleiner privater Kalkbetrieb worauf auch die Strassennamen der Region deuten. Man war arm und musste Geld verdienen; was tun? Oberflächenhaft Kalk abtragen, da das keine Genehmigung für Steinbrüche erfordete. Abgelegene Lage, aber kein Wasser? Brunnen braucht Gehmigung, Rohre müssen auf eigene Kosten vom Ort zu mir verlegt werden. Aber dann hätte man keinen Wasserdruck gehabt, also bräuchte man eine Druckerhöhungsanlage. Das ganze war für den „kleinen Mann“ viel zu teuer.

Also nutzte man vor Ort das Oberflächenwasser, denn das war genehmigungsfrei. Die Sammelbecken wurden oben an einem steilen Hang gebaut, und erreichte durch die Höhe somit schon Drei Bar. Zur Abdeckung brauchte man nur ein paar Bretter und anfangs reichten Holzrinnen zur Weiterleitung.

Es ist möglich, dass diese Becken bereits vor dem Jahre 1900 entstanden sind.
Das genaue Alter ist schwer zu sagen, da solche Anlagen heute eher selten zu finden sind.
Quelle: privat

[Fotos aus dem Jahr 2017]

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