Tanzlinde

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Tanzlinden sind kunstvoll geleitete Lindenbäume, die früher in manchen Regionen häufig der Mittelpunkt dörflicher Feste und Bräuche waren. Heute gibt es sie nur noch in wenigen Dörfern. Tanzlinden im engeren Sinne sind eine besondere Form von geleiteten Linden. Ursprünglich wurden als Tanzlinden nur geleitete Linden bezeichnet, die Podeste trugen, damit in der Baumkrone getanzt werden konnte.

Bei beiden geleiteten Hauptformen der Tanzlinden ist um den Stamm der Linde, auf Höhe des unteren Astkranzes, ein Gerüst gebaut, das unter anderem dem Verziehen der Äste dient. Bei Tanzlinden sind die Bäume in der Regel Naturdenkmale, die stützenden Bauwerke meist auch Baudenkmale, die gemeinsam als Teil dörflicher Kultur, meist als Mittelpunkt lokaler Traditionen und Tanzbräuchen in Zusammenhang mit Kirchweihfesten, dienen; auf diesem einmaligen Zusammenspiel dreier Elemente beruht die besondere, weit über die Standortdörfer und -regionen hinausgehende eigenständige kulturelle Bedeutung der Tanzlinden.

In Limmersdorf steht zurzeit das Deutsche Tanzlindenmuseum, in dem neben einer umfassenden Bestandsaufnahme unter anderem auch erstmals eine Klassifizierung und Typisierung und eine umfassende Bibliothek erfolgen soll.

Bei den Tanzlinden im engeren Sinne wachsen die Äste des untersten Astkranzes, meist in einer Höhe zwischen zwei Metern und drei Metern, unter einem Gerüst aus massiven Holzbalken entlang und dann außerhalb an laubenartigen (über-)mannshohen Spalieren mit Fensterausschnitten oder an Balustraden wieder nach oben, so dass es aussieht, als ob die Äste die Balkenkonstruktion trügen; eigentlich hängen die Äste aber an den Balkenkonstruktionen. Tatsächlich werden die Konstruktionen dann hauptsächlich von Säulen aus Sandstein oder Holz getragen (manchmal auch Metall), die am Rand der Baumkrone ringförmig um den Stamm mit Radien zwischen drei Metern und fünf Metern angeordnet sind; je nach statischem Bedarf werden manchmal Säulen innerhalb des Ringes aufgestellt. Die horizontale Balkenlage ist entweder dauerhaft oder nur zu den Tanzfesten mit Brettern belegt; diese Tanzfläche ist über eine Treppe zu erreichen. So entstehen imposante, luftige Baumpavillons, die Tanzpaaren und manchmal sogar den Musikkapellen Platz bieten, früher angeblich manchmal sogar auf zwei Ebenen verteilt.

Tanzlinden waren sowohl Orte der Gerichtsbarkeit als auch Versammlungsstätten. Linden wurden und werden deshalb oftmals an zentralen Plätzen innerhalb von Siedlungen gepflanzt und erreichen dort zum Teil imposante Größen. Tanzlinden sind heute vorwiegend noch in kleineren Orten zu finden, in denen sie sowohl das Ortsbild als auch die dörflichen Feste prägen.

So einen Baumveteranen seht ihr hier. Die hier gezeigte Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) mit ihrem herzförmigen Blättern und ihrem betörenden Duft hat einen Umfang von 6.60 m, ca. 23 m hoch, ca. 500 Jahre alt, und erinnert ohne Blätter eher an ein grosses Gespenst. Würde sie im Walde stehen wäre sie ein Hexenbaum. Die Äste werden durch Seile gesichert und teilweise wurde der hohle Baum bereits mit Beton stabilisiert.

Im Frühling werden wir wiederkommen, wenn das Licht besser ist und der Baum zu blühen beginnt.

[Fotos aus dem Jahr 2016]

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