Gipsbergwerk „S“

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„Ein Kleinod in Westfalen“

Dieses ehemalige Gipsbergwerk liegt auf dem Nordkamm des Osning. Schon im vorletzten Jahrhundert wurde hier Gips abgebaut. In der alten, heute als Wohnhaus genutzten Gipsmühle in der Talsenke zwischendem damals so bezeichneten „Gipsberg“ und dem stadtwärts folgendem Muschelkalkberg wurde noch bis Ende des 19. Jahrhunders Gips gemahlen. Der am „Gipsberg“  und der sich damals talwärts anschliessenden Wiese gewonnene Gips diente zur Düngung von Kleefeldern und Wiesen. Allerdings wurde der Abbau wegen der nachlassenden Nachfrage bald eingestellt. Hinzu kamen steigende Kosten durch den oft erheblichen Abraum, die Abfuhr zu der 4 km entfernten Eisenbahn sowie durch eine 10% „Dreckzulage“ für die Arbeiter bei nassem Wetter.

Von 1913/1914 bis 1924 wurde der Gipssteinbruch von zwei aufeinanderfolgenden Firmen betrieben. Nach über 20jähriger Pause entwässerte 1946 ein andere Firma das inzwischen völlig versumpfte Gelände, indem sie zwei Quellen umlegte. Durch den Bau der nötigen Infrastrukturen, vor allem der Farbikhalle und der Gleisanlagen sowie durch die Beschaffung der benötigten Maschinen, investierte sie ein für damalige Verhältnisse hohes Kapital von über 1 Millionen Mark. Allerdings wurde der Betrieb zuerst einmal wieder stillgelegt, da der Gips nicht den erhofften Reinheitsgehalt von 90% besass, den der für Stuckarbeiten verwendbare Gips benötigt.

Hierzu schreibt eine Lokalzeitung am 21.09.1950:

Ein Millionenprojekt liegt brach – Gipsvorkommen reicht für 50 Jahre – Anlage oder Gips unrentabel.

„Gipsbergwerk“ – ein Schild weisst uns an der Strasse auf einen Farbikkomplex im Teutoburger Wald hin, der einsam und ruhig dahinträumt. Unbenutzt liegen die in den nahen Gipsbruch führenden Gleise und die Loren harren der Fäuste, die sie bewegen sollen. Nach dem ersten Weltkrieg nahm man zum erstenmaö den Gipsbruch in Betrieb. Wenn die Ausbeute auch lohnte, so wurde der Gips durch die weiten Transporte zum nächsten Werk doch so verteuert, dass er nicht mehr konkurrenzfähig war.

Nach 25jähriger Pause ging 1946 ein Soester Firma daran, das inzwischen völlig versumpfte Gelände zu entwässern und investierte in den Bau einer Fabrikhalle, das Montieren der erforderlichen Maschinen und Gleisanlagen ein Kapital von etwa einer Million. Ausser einigen Probeversuchen ruhen die Anlagen seit dieser Zeit, lag es am Gips oder an den Maschinen, dass die Produktion doch nicht das ergab, was sie anfänglich versprochen hatte? Mit mehreren durch einen Kompressor betriebenen Pressluftbohrern brach man den Gips. Nicht der weisse Fasergips stellt den eigentlichen Wert dar, sondern die grauen Adergesteine. Ein Brecher zerkleinert die Gipsbrocken auf Schottersplitgrösse. Bei dem folgenden Durchlaufen eines Vorsilos und Kessels ist der Splitt einer Temperatur von 120 grd C ausgesetzt, wird getrocknet und zermahlen. Ein Silo für 500 Tonnen steht dahinter aufnahmebereit. Bei der jetztigen Anlage dauert der Verarbeitungsvorgang nur etwa 3-4 Minuten. Er verläuft überaus schnell und dürfte bei einer längeren Dauer – wie auch bei anderen Werken erwiesen – mehr Ertrag versprechen.

Die Frage, ob sich die Ausbeute des Gipses lohnt, ist noch nicht endgültig geklärt, obwohl er versuchsweise vor kurzem die Anlage einer Harzer Fabrik durchlief. Nach geologischen Untersuchungen eines Sachverständigen beträgt der Gipsgehalt 78%, was allerdings nicht ausreicht, um ihn zu Stuckarbeiten zu verwenden, da dann zumindest ein Gehsalt von 90% erforderlich ist. Für rund 50 Jahre bietet der Bruch und das dahinterliegende Vorkommen noch Ausbeute. Die die unzureichende Ergiebigkeit des Gipses wahrscheinlich auf die Anlage zurückzuführen ist, wird man vorraussichtlich eine neue bauen. Die alte Anage ist schon zum Teil entfernt und wird zum Ausbau einer Zementfarbik in Geseke verwendet. Die nächsten Wochen werden endgültig über die Verwende- und Ausbeutungsmöglichkeiten des Gipsbruches entscheiden. Eine neue Anlage zur Gewinnung des Gipses wäre zu wünschen, denn sie bring Arbeit und Brot und führt einn bis jetzt ruhendes Millionenprojekt seiner Aufgabe zu.

Ursprünglich wollte man auch die für die keramische Industrie die über dem Gipslager befindliche Tonschicht abbauen, liess aber von diesem Vorhaben ab. Erst im Juli 1967 setzte durch eine neue Firma aus Paderborn der Untertagebau ein. Der nun unterirdisch gewonnene stückige Graugips wurde dem Zement beigemischt, um dessen Abbindezeit besser einstellen zu können. Es entstand dabei in der Folgezeit ein bedeutendes Gipsbergwerk mit Stollen, die sich unweit unter den Hängen des angrenzenden Gebietes hinwegzogen. Neben einem Vorkommen in Paderborn handelte es sich übrigens um das einzige lohnende seiner Art in den damaligen Westzonen.

Hierzu schreibt die Freie Presse am 14.06.1947 in einem Bericht:

Gipsbergwerk „S“ – das einzige der Westzonen

Wenn man […] den Kamm des Teutoburger Waldes  überquert und auf einen von allen Seiten mit Feldern, Wald und Büschen eingerahmten Steinbruch stösst, ist man der Überzeugung, dass es einer von vielen ist, aber dieser unscheinbare Steinbruch hat es in sich. Er birgt Gips in reiner Form und stellt, da die Harzer VOrkommen in der russischen Zone liegen, das einzige in der Westzone dar.

Dr. Zimmermann, der Leiter der Baustelle erklärte, dass hier schon einmal Gips abgebaut wurde. Der Abbau war aber wahrscheilich wegen zu geringer Erträge eingestellt worden. Dr. Zimmermann hat aber durch Bohrungen die Mächtigkeit und Ausdehnung des Gipsvorkommens sowie die Beschaffenheit des Gipses selbst untersucht, und stiess dabei auf ein linsenförmiges, durch Erdbewegung „verworfenes“ Gipsvorkommen von einer Durchschnittlichen Mächtigkeit bis zu 60 Metern, und zwar kommt der Gips in nahezu hundertprozentig reiner Form als Fasergips und in 80bis 90 prozentiger Reinheit als Graugips vor. Die beiden Arten unterscheiden sich lediglich durch die Farbe und weisen an den Bruchstellen Fasern und kristallischen Glanz auf.

Um aber einen Abbau grösseren Umfanges durchführen zu können, musste eine weitere umfangreiche Arbeit geleistet werden. Zwei Quellen mussten umgeleitet werden, um, wie der Fachmann sagt, den Bruch vor dem „Absaufen“ zu schützen. Die zu deisem Zwecke angelegten Entwässerung und Kanalisation führt selbst in heissester Jahreszeit immer Wasser. Jetzt sind alle unbedingt notwendigen technischen Vorbereitungenzur Ausbeutung getroffen. Sogar Fundamente für eine Gipsbrennerei wurden bereits gelegt und man hofft, bis zum 15. Juli den ersten Rohgips an die westfälische Zementindustrie liefern zu können. Wenn der Betrieb erst vollständig angelaufen ist, hofft man im Monat bis zu 3.000 Tonnen Gips abbauen und ebenso 4 – 5.000 Tonnen Stuckgips der Wirtschaft zugänglich machen zu können. Neben diesem Gipsvorkommen werden noch wertvolle Tonerden und Kaolin gefunden, die aufgrund ihrer Mächtigkeit die berechtigte Hoffnung zulassen, dass die Stadt in absehbarer Zeit ein eigenes keramisches Gewerbe besitzen wird, das uns mit Ton-, Porzellan- und Gebrauchsgegenständen versorgen wird.

Die Verbreitung von abbauwürdigen Gips- und Anhydritvorkommen ist ansonsen im nördlichen Teil Deutschlands (ohne die damalige DDR) fast ausschliesslich auf den südniedersächsischen und nordhessischen Raum (Hartz, Rheinisches Schiefergebirge) beschränkt.

Ab dem 1.1.1973 ging das Gipsbergwerkk „S“ erneut an einen neuen Besitzer. Während dieser Betriebsepoche ist die Grube von dem neuen Besitzer auch „Grube Antonius“ genannt worden. Im Januar 1982 wurde das Gipsbergwerk stillgelegt, nachdem die Förderung von 74.917 Tonnen im Jahr 1980 auf 27.367 Tonnen im Jahr 1981 gesunken war. In der Zeit sollen insgesamt etwa 1 Million Tonnen Gips unterirdisch im Kammer-Pfeiler-System abgebaut worden sein. Die Gewinnung erfolgte in mehrerern so genannten „Scheiben“. Dabei wurden Gipspfeiler von jeweils 3,50 m Breite zwischen den ebenso breiten Gängen stehen gelassen, die ihre Stabilität behalten und die darüberliegende Deckschicht dauerhaft tragen sollten. Die Abbaukammern sind nicht verfüllt, sondern durch das Schliessen des Einangsstollens unverändert unzugänglich gemacht worden. Der Zugang von übertage erfolgte durch Stollen mit 29° Neigung bis in eine Teufe von 40m.

Insgesamt 30 Kilometer weit verzweigte Stollen wurden in den Fuß des Teutoburger Walds hineingetrieben. Die Sohlen liefen teilweise übereinander und waren vier Meter hoch und acht Meter breit. Die gesamte Arbeit unter Tage wurde von nur acht Kumpeln verrichtet.  „Sauber ausgefräste Wände, wie ein riesiger U-Bahn-Tunnel. Fast alle 20 Meter kreuzen sich die Stollen, die rechts und links in einem unergründlichen Dunkel enden. Im weißen Licht der Grubenbeleuchtung können wir eine riesige Maschine im Staub erkennen.“, beschreibt ein Zeitungsredakteur die damalige Bergwerksbesichtigung. Schon 1976 steuerte ein Laserstrahl die 63 Tonnen schwere Schneidemaschine, die pro Stunde einen Meter Stollen schnitt und dabei 70 Tonnen Gips abbaute. Der zwölf Meter lange Koloss fraß sich mit zwei Schneidköpfen durch das Gebirge. Damals kostete so eine Maschine eine Million D-Mark.  Durch gute lüftungstechnische Einrichtungen konnten im Bergwerk auch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren in einer Tiefe von bis zu 122 Metern betrieben werden. Soweit reichte der Gips in die Erde. Zwei Traktoren mit Hänger und zwei große Radlader schafften den abgebauten Gips auf das Förderband. Ein Rüttler zerkleinerte ihn in handliche Stücke, über Tage wurde er in zwei Silos gelagert.

Nach der Einstellung des Gipsabbaus wurde das Zechengelände von einer Asphalt-Firma zur Asphaltherstellung und heute nach den Protesten der Anwohner nur noch als Fuhrparkplatz genutzt.  Sorgen der Anwohner hinsichtlich der Festigkeit des Berges erhielten Nahrung, als 1990 ein erster Bereich über den Abbaukammern auf einer Fläche von 80 m2 vier Meter tief absackte; später gab es an anderer Stelle ein weiteres brunnenariges, 40 m tiefes Loch. Das Oberbergamt Hamm prüft seitdem regelmässig durch Bohrungen den Zustand des Berggesteins und den Wasserstand in den Stollen. Aktuell scheint das gesamt Bergwerk unter Wasser zu stehen.

Vom früheren Gipsabbau zeugt nur noch der alte Gipssteinbruch, welcher heute aufgrund seiner für den hiesigen Raum bemerkenswerten Geomorphologie und seiner Vegetation unter Naturschutz gestellt wurde.
Quelle: Mineralien-Welt 17. Jg., Heft 5, 2006

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Seit Mitte des Jahres 2016 zeigen sich über dem damaligen Abbaugebiet immer wieder Risse auf asphaltierten Wegen. Vor wenigen Tagen sackte eine Straße über mehrere Meter ab, der Straßenbelag wölbt sich wie eine Teppichfalte in die Höhe. Die Polizei hat die Straße mit Flatterband abgesperrt, sie ist seitdem unpassierbar. Weil es über die Jahre immer wieder zu sogenannten „Tagesbrüchen“ in unmittelbarer Nachbarschaft seines Grundstücks kam, wandte sich der Anwohner mehrfach ans Bergamt der Bezirksregierung Arnsberg. Immer wieder wurde er beruhigt: Es gebe keinen Hinweis auf eine Gefährdung durch verlassene Grubenbaue. Zuletzt brach 2011 massiv die Erde ein – und das Bergamt wiegelte wieder ab. „Ich bin verzweifelt und sehe meine Altersabsicherung bedroht“, sagt ein Anwohner. Denn auch heute noch bewegt sich die Erde am Fuße des Teutoburger Waldes. Das Bergamt war inzwischen vor Ort und hat sich die abgesackte Straße angeschaut.

Die Fachleute aus Arnsberg erklärten allerdings, dass es keine Gefährdung für bauliche Anlagen und öffentliche Verkehrsanlagen gebe. Bei der Ausdehnung des Gipsfördergebietes beruhigten sie, dass über das bisher dokumentierte Areal kein großräumigerer Abbau zu erwarten sei. Gutachten mahnt zur Vorsicht  Allerdings mahnt das Gutachten auch zur Vorsicht. Denn im Einwirkungsbereich der Gipsgrube könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch zukünftig Schäden an der Oberfläche auftreten. Aus diesem Grund empfiehlt das Büro DMT, auf den Flächen keine Nutzungsänderungen ohne eine Prüfung der Standsicherheit durch Bohrungen oder Sicherungen der Gruben-Baue zuzulassen.  Schon während des Betriebs hatte es wiederholt Schäden an der Oberfläche gegeben, heißt es im Gutachten. Jetzt sind die Straßen teils aufgerissen und wölben sich, in den Feldern sind Krater und Risse zu erkennen.  Die Stadt hat bereits umfangreiche Sicherungsmaßnahmen eingeleitet: Sie hat Schilder aufgestellt, die vor dem Verlassen der Waldwege warnen, und die Stadtwerke prüfen Versorgungsleitungen für Gas, Wasser und Strom auf Auffälligkeiten. Zur Vorsorge lassen die Behörden an den Gebäuden Messpunkte beobachten, um Veränderungen feststellen zu können. Lasermessungen und Luftbildaufnahmen sollen Veränderungen an der Erdoberfläche dokumentieren.
Quelle: nw.de

Was erkennt man nun heute noch von dem Gipsabbau? Natürlich sieht man sehr schön die Risse in der Erde und die enormen Tagesbrüche, die sich durch den ganzen Wald verteilen. Ein grosser Übertagesteinbruch wurde 1995 verfüllt und man erkennt nur noch einen Teil der damaligen Steilwand. Der alte Steinbruch ist nicht mehr als ein solcher zu erkennen. Es sind hier nahezu tropische Zustände, die ein Betreten unmöglich machen. Der damalige Stolleneingang wurde mit Tonnen von Geröll zugeschoben und ist heute ebenso nicht mehr zu erkennen. Aber wenn man genau hinschaut so findet man zum Beispiel alte Schienen, die als Zaunpfähle neue Verwendung fanden. Desweiteren existiert noch ein alter Sprengmittelbunker. Dieser ist jedoch nur ein „Schrank“ aus Ziegel und Beton. Ich habe ausnahmsweise einige Informationen in die Bildunterschriften geschrieben.

[Fotos aus dem Jahr 2016]


Im Zuge der Stillegung der Grube 1981 erfolgte eine vollständige Verfüllung der Wetterbohrlöcher 2 & 3. Alle drei Stollenmundlöcher wurden mit einer Betonplombe gesichert und danach wurde der Steinbruch mit Geröll und Bauschutt zugeschoben so dass das heutige Bodenniveau einen guten Meter über der Oberkante des Stollenmundloches ist. Eingänge kann man also generell nie wieder sehen, es sei denn man besorgt sich einen Bagger. Und selbst dann stände man vor einer Betonplombe.

Der historische Steinbruch ist dennoch ein echter Augenöffner. An der Nord- und Ostseite sieht man die Steilwand durchzogen von zum Teil herausgewitterten Bändern aus weissem Fasergips. Das tut dem Steinbruch jedoch keinen Abbruch, denn man kann hier Rehe, Vögel und Wildschweine sehen, die sich zwischen den Birken sehr wohl fühlen. An der Oberseite des Steinbruches erkennt man zumindest über der Hauptstrecke der Stollen massive Tagesbrüche. Es sieht aus, als wären hier im Krieg Bomben gefallen, was jedoch nicht der Fall ist.

Das Licht war, als die Fotos entstanden, leider schon fast weg und da ich die Fotos „aus der Hüfte“ geschossen habe, ist die Qualität leider etwas mies. Ich werde aber gute Fotos nachholen. Insbesondere die Gipsbänder sind bei gutem Licht sicher ein paar Aufnahmen wert. Ich habe ausnahmsweise einige Informationen in die Bildunterschriften geschrieben.

Der Steinbruch liess mich jedoch nicht los und so besuchte ich ihn bei früher Sonne erneut. Ich wollte mir die weiss glitzernden Fasergipsbänder aus der Nähe anschauen. Ausserdem findet man auf der Südseite des Steinbruches tatsächlich noch ein paar rostige Reste. In erster Linie „stolpert“ man aber über Bohrlöcher und Tagesbrüche.

Der Muschelkalk-Kamm des Teutoburger Waldes ist in der Regel als eine dem Gebirge nordöstlich vorgelagerte Doppelschichtrippe ausgebildet. Die Trochitenkalke des Oberen Muschelkalks sowie die härteren Schichten des Unteren Muschelkalks erwiesen sich als widerstandskräftige Härtlinge. Die weicheren Schichten des Mittleren Muschalkalks und insbesondere die hier eingelagerten Gipslagerstätten und ihre durch leichte Auflösung bedingte Anfälligkeit bedingen die morphologische erkennbaren Hohlformen zwischen den einzelnen Schichtrippen. Die Muschelkalk-Schichten verlaufen in Streichrichtung des Teutoburger Waldesund zeigen Einfallswinkel nach Nordosten. Der Kamm des Teutoburger Waldes kann auch als südliche Begrenzung der Lias-Mulde aufgefasst werden. Da im Bereich dieses Bergwerks im Mittleren Muschelkalk anstehende lagerstättenbildende Gipslager hat eine Mächtikeit von ca 76 cm und besteht aus zwei Packen: Im Hangenden stehen 16 m grobkristalliner, recht reiner Gips an.

„Das nahezu schichtungsfreie, bituminöse Geistein bildet grobspätige Rosetten. Beim Brennen wird der Gips schneeweiss. Bei der Verwitterung zerfällt er zunächst in nuss- bis hühnereigrosse, gerundete Brocken, die durch den tonigen Rückstand voneinander getrennt sind. Der primäre Gips ist von zahlreichen papierdünnen bis 1-2 cm dicken Fasergipsschnüren“.

Im Liegenden dieses Packen steht eine 60 cm mächtige Wechselfolge aus dünnplattigen Gips- und Mergellagen an, die von zahllosen, bis 30 cm mächtigen und häufig den Schichtfugen folgenden Fasergipsschnüren durchzogen sind. Die Schichtfolge fällt mit 29° nach Norden ein. Abgelagert wurde hier primär Anhydrit, der sich durch Wasseraufnahme sekundär in Gips umwandelte. Weil dieses mit einer erheblichen Volumenvergrösserung (60%!) verbunden war, wurden benachbarte Schichten verdrängt, was zu wie „eingefaltet“ wirkenden Lagerverhältnissen führt. Die Gipsbänke wirken vielfach stark gestaucht und verquetscht. Durch zirkulierende Wässer ist der Graugips wieder aufgelöst worden. In auf die Osning-Tektonik zurückzuführende Spalten, Klüften und Rissen im Gipsgestein wurde er später wieder ausgeschieden, wodurch die schneeweissen Fasergips-Bildungen entstanden.
Quelle: Mineralien-Welt 17. Jg., Heft 5, 2006

[Fotos aus dem Jahr 2016]

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