Mühle Deppendorf (restauriert 2013)

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Die Mühle

Die bisher älteste bekannte Erwähnung der Mühle stammt aus dem Jahr 1535. Ein neues Mühlengebäude mit zwei Wasserrädern wird im Jahr 1697 erbaut. Im Zuge der Aufteilung der Domäne im Jahr 1776 durch Friedrich den Großen erwirbt ein Müller 1778 die sogenannte „Oberste Mühle“. Sie bleibt über vier Generationen im Besitz der Familie. Ab 1889 ist die Mühle über drei Generationen an eine andere Müllerfamilie verpachtet. Im Jahr 1936 erhält die Mühle einen Anbau mit großen Schiebetoren. 1948 folgt ein vierstöckiger Anbau für eine moderne Mühlentechnik. Fünf Doppel-Walzenstühle sind in Betrieb. 1982 wird die Mühle an die Stadt Bielefeld verkauft und fast zwanzig Jahre lang bleibt sie ihrem Schicksal überlassen. Nachdem sogar ein Abriss erwogen wird, erwirbt ein Nachfahre der Müllerfamilie die Mühle und lässt sie unter Denkmalschutz stellen. Die Zukunft: Das Kerngebäude von 1697 sowie der Anbau von 1948 bleiben erhalten und werden denkmalgerecht restauriert. Das alte Wasserrad der Schildescher Stiftsmühle wurde nach erfolgter Restaurierung eingebaut.
Quelle: privat

Die Restaurierung und erste Veranstaltungen

Der Besitzer und Restaurator war so freundlich mir vorab einen Blick ins Innere zu gewähren. Er hat die Mühle im Jahre 2001 gekauft und bis ins Jahr 2013 liebevoll restauriert. Eine Nutzung auf Dauer hat bis heute nicht funktioniert. Die Einrichtung eines Mühlen-Cafes war eine von mehreren Möglichkeiten, die Wassermühle in Deppendorf wieder zu einem Ort der Begegnung werden zu lassen. Schon jetzt ist die Mühle ein Ort kultureller Veranstaltungen wie u.a. auch der Literatur- und Musikveranstaltung “Wege durch das Land”.

Im Herbst 2013 hatte sich der Verein „Förderverein Wassermühle Baumeister“ gegründet, um die Mühlenbesitzer Karin und Hans Georg Baumeister bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, die Mühle zu einem kulturellen Zentrum im Ort zu machen. Denkbar seien Demonstrationen des Mehlmalens mit anschließender Bewirtung der Besucher.  Inzwischen habe der Verein 90 Mitglieder. Um das Baudenkmal als Ort kultureller Veranstaltungen in Zukunft ausbauen zu können, ist ein runder Tisch mit Politikern, Verwaltung und Grundstückseigentümern geplant. Seit einigen Jahren läuft eine Kooperation mit dem Böckstiegel-Museum. „Wir wissen, dass die Beziehung des Künstlers zur Mühle eng war“, sagt Leiter David Riedel. Oft habe dieser das Bauwerk als Bestandteil der Landschaft gemalt. „Erst kürzlich haben wir entdeckt, dass die Obere Deppendorfer Mühle auf zwei Böckstiegel-Gemälden von 1912 auftaucht„, sagt Riedel.

2014 – Wassermühle als Kulturstätte in Gefahr

Die Mitglieder des Fördervereins Wassermühle Baumeister haben einen „Brandbrief“ an Politik, Verwaltung, Vereine und Verbände geschrieben. „Seit einem Jahr scheinen alle Versuche, die Mühle weiter als Kulturstätte zu betreiben, vergebens zu sein“, heißt es darin. Nun lud der Verein zu einer Versammlung nach Deppendorf ein. Rund 45 Interessierte kamen.  „Es hat in der Vergangenheit Gespräche mit den beteiligten Ämtern bei der Stadt gegeben, an denen auch die Dezernenten teilnahmen“, erläutert die Vereinsvorsitzende Gerlinde Günther-Boemke. Dort sei auch über eine kulturelle Nutzung der Mühle gesprochen worden. Voraussetzung sei die Bereitstellung einer Fläche für Parkplätze. Landwirt Heinrich Heining ist bereit, ein Stück Land zu verpachten. Sein Hof befindet sich einige Meter weiter in Werther. „Der Kreis Gütersloh genehmigt es nicht, weil es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt“, sagt Heining. Ein weiterer Knackpunkt ist für die Mitglieder des Mühlenvereins die geplante Verlegung des Schwarzbaches. „Die Stadt ist dazu verpflichtet, die Wasserrahmenrichtlinie der EU umzusetzen“, sagt Arnt Becker vom Umweltamt.  „Wenn die Pläne durchgeführt werden, ist die Mühle vom Wasser abgeschnitten – außer bei Starkregen“, glaubt Günther-Boemke. Die Vorsitzende betont, dass der Verein die Renaturierung unterstützt, kritisiert jedoch, dass das Umweltamt einem Kompromiss-Vorschlag nicht nachgegangen ist.  „Es gibt mehrere Varianten. Bei allen Varianten, auch beim Kompromiss-Vorschlag, ist es so, dass zunächst die Solgleite mit Wasser versorgt wird. Was dann noch übrig ist, geht zum Mühlrad„, erläutert der Abteilungsleiter Landschaft, Gewässer und Naturschutz. Da die Grundstücksfragen erst kürzlich geklärt werden konnten, habe sich das Amt bislang noch nicht für eine der Varianten entschieden. Die Pläne sollen vorab in der Bezirksvertretung vorgestellt werden. Becker rechnet dieses Jahr mit einer Entscheidung. Zudem gebe es Überlegungen, der Mühle durch ein Becken, einen Aufstau oder einen Vorratsteich Wasser zuzuführen. „Das muss in die Landschaft passen“, sagt der Mitarbeiter des Umweltamtes. Er betont, dass die Stadt sich um eine Lösung bemühe, weil sie bürgerschaftliches Engagement unterstütze. Bevor jedoch Parkplätze gesucht werden, sollte eine Bauvoranfrage gestellt werden. „Wir müssen erst einmal wissen, was der Eigentümer will, bevor wir prüfen, wo wir Parkplätze schaffen können“, sagt Becker. Zurzeit habe die Verwaltung keine Grundlage, um entscheiden zu können. Theoretisch sei möglich auch in Landschaftsschutzgebieten per Befreiung Parkraum zu schaffen, der nur für Veranstaltungen genutzt würde. In den vergangenen Jahren hat es zahlreiche Konzerte, Lesungen und Ausstellungen rund um die Mühle gegeben. „Der Ort ist etwas ganz Besonderes. Es wäre traurig, wenn hier keine Veranstaltungen mehr stattfinden würden“, sagt Ursula Stührenberg. Diese seien, wie Eigentümer Hans-Georg Baumeister einräumt, jedoch mehr oder weniger illegal gewesen. „Es gibt keine Toiletten und Fluchtwege“, räumt der Eigentümer ein, der jetzt eine Bauvoranfrage für drei Wohnungen gestellt hat. Damit verzichtet er auf eine öffentliche Nutzung.

2015 – Das Ende

Anlässlich des Mühlentages am 25. Mai öffnet die Wassermühle Baumeister, Schloßstraße 79, von 11 bis 18 Uhr ihre Pforten. „Besucher haben wahrscheinlich letztmals die Möglichkeit, das Innere der Mühle zu besichtigen“, sagt Hausherr Hans-Georg Baumeister. Das Ehepaar Baumeister zieht sich aus dem Projekt zurück. Die Zukunft der Mühle sei „völlig offen“. Durch das Fehlen von Stellplätzen für eine öffentliche Nutzung werde es im Gebäude voraussichtlich „nur noch reine Wohnnutzung geben“, kündigen die Besitzer an. Allerdings verfolgen die Mitglieder des Fördervereins weiterhin das Ziel, in dem Denkmal einmal öffentliche Veranstaltungen anbieten zu können. Darüber informieren sie am Pfingstmontag. Der Hausherr beantwortet Fragen zur Historie und zur Nutzung. Das Rahmenprogramm mit Bewirtung, wie es über viele Jahre üblich war, wird es nicht mehr geben. Liebhaber von Kunst und Antiquitäten kommen jedoch auf ihre Kosten. Verkauft wird das Inventar der Mühle, darunter Reproduktionen von Böckstiegel-Gemälden in Originalgröße, sowie Möbel, Gläser und Porzellan. Auch nützliche Dinge für den Bauherrn stehen zum Verkauf – darunter Maschinen, Geräte, Werkzeuge, Gerüstteile Bruchsteine, Sandsteine und vieles mehr.
Quelle: nw-news.de

Dieses alte Foto der Mühle verdanke ich Buddy Breiter.

[Fotos aus dem Jahr 2011]

4 Antworten auf Mühle Deppendorf (restauriert 2013)

  1. Jörg Heinemann

    ich hätte gerne gewusst, wer sich hinter dem Bericht über die Wassermühle Baumeister verbirgt, und ob es noch neuere Fotos gibt.

    mit freundlichen Grüßen
    Jörg Heinmann

  2. Pingback: Neues Objekt: Mühle “D” | Auferstanden aus Ruinen

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