Wehrmachts-Fesselballonhallen

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Im Ersten Weltkrieg diente dieser Berg dem einem  Infanterie-Regiment als Übungsgelände. 1936 erwarb die Wehrmacht die Flächen und nutzte dieseihre Übungen. Südwestlich des Gipfels entstanden bis 1938 zwei Hallen, in denen Fesselballons gebaut und getestet wurden, die der Feindbeobachtung dienen sollten. Nach Kriegsende wurden diese Anlagen sofort demontiert.

Hier einen Zeitzeugenbericht, geführt von Kollege Henschel: Sein Gesprächspartner, damals Unteroffizier, der 1938/39 bei der Beobachtungsabteilung stationiert war. Der Ballonabteilung 6 der er angehörte war damals – wegen des Wasserstoffs – am diesem Ort untergebracht. Der Gesprächspartner konnte von Einsätzen seines Ballonzuges bis Herbst 1944 berichten.

Nähere Informationen zur Beobachtungs-Abteilung 6 und der Beobachtungs-Ersatz-Abteilung 6.

Während der Zeit in Lemgo führte die Ballonabteilung auf einem Truppenübungsplatz  erfolgreiche Versuche mit Schallmessverfahren aus dem Ballon durch. Desweiteren wurde die Abteilung zu Vermessungsaufgaben am Westwall eingesetzt.

Das direkte Beobachten (auf Sicht) wurde eigentlich nur noch am Anfang des Angriffs auf Polen und Frankreich ausgeführt. Schon durch den Transport der Einheit durch Pferdekarren hinkten diese weit hinter der Front hinterher. Auch durch den Wasserstoff war die Einheit in der Nähe von Lagern nicht gern gesehen. Schnell merkte man das die Kampfführung in einem Blitzkrieg auf Beobachtungen aus der Luft (durch Flugzeuge) angewiesen war. Da auch die Artillerie fast ausschließlich auf Pferde angewiesen war, wurde die Aufgabe der Artillerie stark zurückgesetzt. Deren Aufgabe wurde auch immer mehr durch Luftwaffe (Stukas) übernommen.

1940 oder 41 führte die Einheit wieder Versuche durch. Diesmal wurde das Lichtmessverfahren getestet. Dabei wurden die Ballons auf ca. 80 – 100 m aufgelassen. Das Lichtmessempfangsgerät wurde mit Kabel mit der Lichtmessbatterie verbunden. Diese Versuche verliefen trotz guter Umstände allerdings nicht erfolgreich. Auch wurde die Zusammenarbeit mit den Wetterpeilzügen geübt.

Beim Angriff auf Russland wurden wieder Ballons eingesetzt. Mittlerweile soll das Schallmessverfahren vom Ballon aus nochmals verbessert worden sein. Desweiteren wurden die Ballonabteilungen dann in Ballontrupps (und auch eigenständige Wasserstoff-Aufbereitungstrupps) aufgeteilt. Diese wurden dann auch über die Regimentsgrenze eingesetzt. Gleichzeitig konnten sie von anderen Truppenteilen angefordert werden. Der Trupp wurde so in Russland mehrmals auch an die Luftwaffe abgestellt. Dabei organisierte man sich gern die beliebten Flieger-Kombis die im Heer nicht zu bekommen waren. Aufgaben waren vor allem die schnelle Vermessung von Feldflughäfen. Auch wurden von der Luftwaffe Sperrballons abgegeben (nach Beschädigung oder Verlust) die dann feldmäßig als Beobachtungsballons umgebaut wurden.

Die Meinung das Ballons nur in Kasernen für Übungen benutzt wurden ist nicht richtig ! Schon aus Eifersüchteleien zwischen Heer und Luftwaffe wurden die Heeresballonfahrer mindestens bis Herbst 44 (Hürtgenwald) auch als solche eingesetzt.

Der gute Mann berichtete von einem Kameraden (auch Unteroffizier) der Mitte 1941 mit seinem Ballontrupp zu Schallmessverfahren ins Ruhrgebiet versetzt wurde. Später war der dann bei der Luftwaffe (!) – als Ballonführer. Der Kamerad war im Ruhrgebiet bis zum Kriegsende, angeblich in der Nähe von Düsseldorf. „Der hat sich da einen Lenz gemacht…“ Und dann erwähnte er noch das der Kamerad ja gar kein Schallmessspezialist war (das war eher er) sondern ein Vermesser. Hat sich darüber auch noch fast 60 Jahre später geärgert.

Soweit Fact, jetzt etwas Fiction. Die Erklärung könnte Folgende sein:

Ein Beobachtungsballon wird in die Nähe eines sicheren Ziels gebracht. Beim Angriff kann nun durch Schallmessung die Einschläge korrekt erfasst werden. Dadurch würde z. B. ein Reihenabwurf analysierbar. Man vergleiche die verschiedenen Messungen und kann Aufschlüsse über Angriffstaktik, aber vor allem auch über die Genauigkeit von Zielgeräten und ähnliches erfahren. Durch Vergleich von Sicht-Daten und/oder Radar kann ich auch auf die Angriffstaktik schliessen. Warum, so fragt man sich nun macht man das nicht in aller Ruhe nach dem Angriff? Kann doch die Effizienz genauso gut geprüft werden! Ja, aber der Faktor Zeit ist unberücksichtigt. Da menschliche Eindrücke in Extremsituationen sehr schnell täuschen muss man hinter solchen technischen Daten hinterhergewesen sein wie der Hund hinter der Katze.

Warum ein Vermesser? Die Fronteinsätze mit Schallmess wurden in einer Höhe von etwa 300 m durchgeführt – vor allem bei Nacht und Nebel. Bei Einsätzen im Ruhrgebiet kann man nicht auf gutes Wetter warten. Also muß man den Standort des Ballons immer wieder neu vermessen (weil der sich ja in der Luft bewegt). Das Haltetau kann bei 300 m ja wesentlich länger ausgefahren sein, da die Höhe – aber nicht der Standpunkt exakt gehalten werden kann. Das könnte ein Vermesser dann besser als ein Schallmessmann. Die Ergebnisse helfen dann auch dem Bunkerbau und dem Luftschutz.
Quelle: Kollege Henschel -> Zeitzeuge

Über diese Fesselballonhallen ist nicht wirklich viel bekannt. Bilder sind Mangelware. Also erzähle ich euch von meinen Beobachtungen. Nach eingehender Studie des Geländemodells erkannte ich sofort den Standort zumindest einer Halle sofort. Es ist ein ebenes Plateau welches an einer Seite leicht abfällt. Ich wusste bereits, dass eigentlich keine Zeugnisse der Hallen zu finden sind, seitdem das ganze Gebiet in ein Naturschutzgebiet umgewandelt wurde.

Also begab ich mich bei schwülwarmen Regenwetter an den Aufstieg. Der Berg ist nicht hoch, doch durch die hohe Luftfeuchtigkeit war ich direkt am schwitzen. Ich betrat das Gebiet und ging erst eine lockere Runde um den Platz. Man findet hier viele Rehe, Karnickel und Vögel. Den Lärm der Stadt hört man hier nicht mehr. Nun begab ich mich in den Bereich der Hallen. Leider ist hier die Vegetation stellenweise mannshoch, voller Dornen- und Brennesselgewächsen. Ich konnte also nur um die stark bewaldeten Standorte der Hallen herumgehen. Im Herbst werde ich hier versuchen genauer nachzuschauen.

Zur Anschauung habe ich in ein Foto eine Ballonhalle hineinmontiert.

[Fotos aus dem Jahr 2016]

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