Vorbereitete Sperre

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Meist vollkommen unbeachtet von der zivilen Bevölkerung, waren sie über die ganze Bundesrepublik verteilt – Tausende von sogenannten „vorbereiteten Sperren“ oder auch „vorbereiteten Bausperren“. Im Verteidigungsfall hätten sie den Vormarsch der Truppen des Warschauer Vertrages behindern sollen. Seit dem Ende des Kalten Krieges sind sie zum allergrößten Teil überflüssig geworden, doch noch heute findet man diese Relikte allerorten.

Hier zu sehen ist eine doppelte 3er-Reihe Sprengschächte (engl.: prechamber shaft)

Dies ist die wohl bekannteste und auch verbreitetste Art der Sperre gewesen und diente meist zur Anlage einer sog. Trichtersperre (engl.: crater obstacle). Sprengschächte wurden hauptsächlich in Straßen, Wegen und aufgeschütteten Brückenrampen, ab und zu aber auch in Brücken selbst eingesetzt. Auf den ersten Blick könnte man sie für Abwasserschächte bzw. Gullydeckel halten – wenn da nicht diese Schraube wäre. Meist wurden drei in kurzen Abständen hintereinanderliegende Schächte verwendet.

Die Schächte waren auch tatsächlich ähnlich aufgebaut. Sie bestanden aus Ringen, die übereinander gesetzt wurden, bis die benötigte Tiefe (meist vier bis sechs Meter) erreicht war und wurden unten von einem Endstück mit Ablauf und oben von einem leicht konischen Ring und dem Deckel abgeschlossen. Als Material kam meist Eternit oder Beton zum Einsatz, zuletzt aber auch Kunststoff. Der Schachtinnendurchmesser betrug rund 60cm, der Deckel hatte einen Durchmesser von 92cm und wog etwa 150kg. Er war im Schachtinneren an einer beweglichen Quertraverse zentral befestigt. Die Halteschraube lag im Inneren des Deckels und wurde normalerweise durch die von außen sichtbare verdeckt.

Häufig war es aus statischen, konstruktiven oder anderen Gründen nicht möglich, gewünscht oder sinnvoll, eine Brücke zu sprengen. In den meisten Fällen wäre eine Zerstörung auch gar nicht notwendig gewesen – nämlich dann, wenn mindestens eine Seite eine extra aufgeschüttete Auffahrrampe hatte. In so einem Fall wurde meist diese Rampe zur Sprengung vorbereitet.

Bei normalem Sandboden war hier auch die Faustformel zur Berechnung recht simpel: Die Schachttiefe entspricht in etwa dem Radius des zu erwartenden Sprengtrichters. Ein sechs Meter tiefer Schacht würde bei einer Auslösung also einen Krater mit rund 12 Metern Durchmesser und mindestens sechs Meter Tiefe verursachen. Diese Sprengtrichter wären im Kriegsfall noch zusätzlich vermint worden, um die Beseitigung und Überwindung des Hindernisses zu erschweren..

Geladen würden die Schächte mit scherzhaft als „Käseladung“ bezeichneter Munition vom Typ DM-41 (ersatzweise DM-924 oder DM-934). Es handelte sich hierbei um 25kg schwere, ca. 9cm dicke, runde TNT-Pakete mit einem Durchmesser von rund 51cm, die einem Käseleib tatsächlich nicht unähnlich waren. Diese Munition hatte am Rand zwei Schnurgriffe, an der sie gehandhabt und mittels langer Stangen in die Schächte herabgelassen werden konnte. Das komplette Laden einer Anlage mit drei Schächten hätte etwa neunzig Minuten in Anspruch genommen.

Da der Erfolg einer Sprengung natürlich immer von vielen Faktoren abhängt, hatte man meist durch doppelte Auslegung der Sperre vorgesorgt. Die Sprengschächte waren durch eine Ringleitung, in die Sprengschnur eingezogen wurde, miteinander verbunden. Zusätzlich zur elektrischen Zündung (für die ein Teil der Kabel oder mindestens eine Hilfsschnur zum Durchziehen meist schon installiert war) wäre häufig noch eine Zündschnur (120 Sekunden/Meter) eingesetzt worden (sog. Haupt- und Nebenzündung). In unserem Beispiel mit der Auffahrrampe waren die horizontalen Schächte für die Zündkabel neben der Straße, ungefähr sechzig bis siebzig Zentimeter unter Fahrbahnniveau, über sog. „Froschklappen“ erreichbar. Bei der von uns besichtigten Rampe waren es drei Schächte – also insgesamt 1,8 Tonnen TNT. Die exakte Berechnung der Sprengstoffmenge hing von verschiedenen Faktoren wie etwa der Bodenbeschaffenheit und der gewünschten Trichtergröße ab. Vorbereitete Trichtersperren bestanden aus ein bis fünfzehn Sprengschächten, die Mehrzahl davon aus zwei bis vier Schächten.

Zitat aus den „Richtlinien für Anlage und Unterhaltung Vorbereiteter Sperren und Lähmungen“ von 1968: „Straßen- und Eisenbahn-Unterbrechungen durch Trichtersprengungen sollen die Querschnitte in ihrer Gesamtbreite erfassen. […] In der Längsachse sollen die Sprengschächte so verteilt sein, daß zwischen den Trichtern ein Steg von maximal 7 – 8 m stehen bleibt. Damit wird der Einsatz von Panzerschnellbrücken und das Durchstechen des Steges mit Planierraupen oder Räumpanzern erschwert.“
Quelle: geschichtsspuren.de, wikipedia.de

Diese von mir entdeckte und dokumentierte Trichtersperre auf der ehemaligen L751 ist in der „Datenbank der Dokumentierten Sperranlagen“ (DOSPA) mit der Nummer 5711 abgelegt worden.

DOSPA 5711 – Trichtersperre – ehem. L751 Asemissen ⚔ Oerlinghausen

[Fotos aus dem Jahr 2014]

DOSPA 2824 – Trichtersperre –  L967 Helpup ⚔ Oerlinghausen

[Fotos aus dem Jahr 2014]

15 Antworten auf Vorbereitete Sperre

  1. thomas

    Hi , an der Osnig Str ist der Gulli Deckel nach der Kurve. Fahrrichtung Eisener Anton .
    Da kommt auf ca. der halben Strecke auf der rechten Seite eine Vertiefung in Gelände und dort ist der Gulli.
    Gruß Thomas

  2. Detlef

    Hi Phil,

    ist zwar nicht Bielefeld, aber in der L 803 zwischen Nettelstedt und Schnathorst etwa bei N 52.293586,E 8.711064 sind auch zwei Deckel…

    Gruß Detlef

  3. Detlef

    HI,

    hmm so auf Anhieb wüßte ich keine mehr, Oerlinghausen hast du ja, Selhausen Straße hat keine.

    Unter der Brücke liegen östlich in Fahrtrichtung Ö-hausen links ein paar große Betonblöcke circa 1m^3 vermutlich Panzersperren?!

  4. Detlef

    Hi,

    Hi
    den Rütli rauf, wo es mal einspurig wurde Richtung Eisener Anton, nach der Linkskurve etwa in Höhe der ersten Einfahrt rechts
    51.990351,8.55732, den siehst du schon bei Streetview
    und
    51.976752,8.573735
    etwa bei der Einfahrt zum Spiegelschen Hof, die sind aber übergeteert
    Gruß Detlef

  5. Pingback: Neues Objekt: DOSPA 2824 – Trichtersperre | Auferstanden aus Ruinen

  6. Die Seite ist eine meiner Quellen 😉

  7. Detlef

    Hi Phil,

    weitere Sprerren z.B. den Rütli rauf, und auch wieder runter, dann kurz vor der Spiegel Einfahrt.

    Gruß

  8. Pingback: Neues Objekt: Vorbereitete Sperre | Auferstanden aus Ruinen

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