Torpedoversuchsstation

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Dieses Objekt wollte ich schon immer mal von nahem sehen. Auch wenn es „nichts“ zu sehen gibt.

Während der Eroberung Dänemarks durch preußische Truppen im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 ankerten hier dänische Truppentransporter, wurden dann aber an die Südseite verlegt, um von den von Norden heranrückenden Preußen nicht abgeschnitten und eingeschlossen zu werden. Nach der preußischen Eroberung des Hafendorfes und der Halbinsel wurde sogar erwogen, hier den neuen preußischen Kriegshafen anzulegen, der dann jedoch in Kiel eingerichtet wurde. Dennoch setzte sich danach das Gebiet als Übungsbereich für Torpedoabschüsse durch. Die günstigen Gegebenheiten an dieser Stelle führten zudem dazu, dass eine Berliner Maschinenbau AG, die seit 1876 Torpedos herstellte, 1905–1907 eine eigene Torpedoversuchsstation mit Torpedoschießanlage. Die Anlage  hatte vier  Schiessbahnen. Eine 500 Meter lange Spur, eine 3.000, eine 5.000 sowie auch eine 11.000 Meter lange Spur, die die komplette Förde durchzog.

Hier wurden die Torpedos probegeschossen und feinjustiert, bevor sie mit einer Sprengladung versehen und an eine Reihe von Ländern innerhalb und außerhalb Europas geliefert wurden. An der Steilküste baute man eine lange Holzbrücke, von wo aus die Torpedos auf Schießscheiben abgefeuert wurden. An Land errichtete man Werkstätten und Wohnungen für die Beschäftigten, deren Zahl vor dem Krieg bei etwa 50 Mann lag. Während des Krieges stieg die Zahl auf bis zu 340 und die Marine übernahm die ansonsten private Versuchsstation. 1914 verlängerte man die Holzbrücke mit einer Betonbrücke.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Gebäude der ehemaligen deutschen Torpedostation geleert und die Anlage als Teststation für den deutschen Kriegsmarsch umgebaut. Die Mission des Zweiten Weltkriegs war Teil des Marine-Nachrichtenmittel-Versuchs-Kommandos. Hier wurden Systeme entwickelt, die die Radarnavigationssysteme alliierter Bomber stören könnten. Bei den U-Booten wurde versucht, ein System zu entwickeln, mit dem die Besatzung des U-Bootes vor dem Entdecken durch feindliches Radar, gewarnt werden könnte. Es wurde auch versucht, die U-Boote für die alliierten Radarsysteme unsichtbar zu machen, was sich jedoch als unmöglich erwies. Man experimentierte auch mit Infrarotstrahlung. Unmittelbar gegenüber befand sich eine große Marinelampe, deren Lichtöffnung vollständig mit einer speziellen Filterscheibe bedeckt war. Nicht einmal im Dunkeln konnte man Licht sehen, da nur die Langwelligen Infrarotstrahlen den Filter durchdringen; der schwierige Teil der Aufgabe bestand nun darin, dieses Licht und die beleuchteten Objekte für das menschliche Auge sichtbar zu machen.

Auch im Bereich passiver Ballons wurde geforscht. Das Passivlager nutzt die Tatsache aus, dass fast alle Objekte, die sich bewegen, einige oder meist höhere Temperaturen erzeugen als beispielsweise die Umgebung. Für diese Wärmestrahlung, die noch langwelliger ist als die Infrarotstrahlung, wurden geeignete Wiedergabegeräte entwickelt. Gleichzeitig wurde untersucht, welche Wellenlängen von der Wärmestrahlung für welchen Zweck verwendet werden können und welche. Ein Zeitzeuge berichtete, dass U-Boote vor der Position, an der sie abtauchten, Übungen machten und wieder auftauchten. Die U-Boote wurden vom alten Wasserturm in der Position beleuchtet.

Es gab hier acht U-Boote. Am Ende des Zweiten Weltkriegs versenkten gemäß dem lange bestehenden, allerdings von Großadmiral Dönitz noch am Abend des 4. Mai 1945 aufgehobenen Regenbogen-Befehl, sechs deutschen U-Boot-Besatzungen ihre Boote am 5. Mai 1945. Dies war die größte Gesamtreduktion deutscher U-Boote in Dänemark während des Zweiten Weltkriegs. Viele Menschen versammelten sich in im Dorf, als es passierte. Die nächsten Tage gab es von den U-Booten aufregende Dinge im Landesinneren. Alles von Zahnbürsten bis hin zu Konserven wurde von lokalen Schulkindern vom Strand mitgenommen.

Nach dem Krieg wurden die Gebäude der Station für Flüchtlingslager genutzt. Es war das größte in Sønderjylland mit mehr als 1.000 Flüchtlingen.

Im Jahr 1958 wurde das Gebiet von einem lokalen Produkthändler erworben und für die Entfernung der untergetauchten U-Boote und der abgeladenen Munition verwendet. Zur Demontage der Munition wurden in die Klippe einige Gasbetonbunker eingebaut. Diese Bunker sind die einzigen, die sich auf die alte Torpedostation beziehen, da alle anderen Gebäude in den 70er Jahren abgerissen wurden und der Bereich für hochpreisiges Wohnviertel angelegt wurde. 1984 sprengte man die letzten Reste der Betonbrücke, die lange ohne Verbindung zum Land gestanden hatte, da die Holzbrücke schon lange abgebaut worden war. Von der Station nachgeblieben sind nur die unter Wasser befindlichen Reste der Betonbrücke und ein ausgegrabener Abfahrtweg zur Küste. Dazu findet man an der Abruchkante massenweise verbogene und verrostete Kleinbahnschienen.
Quellen: https://verdenskrigensspor.dk, wikipedia

[Fotos aus dem Jahr 2018]

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