Militärflughafen

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Mitte der 1930er Jahre entstand hier ein Fliegerhorst der Luftwaffe. Nach dem Krieg war hier kurz die US Air Force stationert. Bis Mitte der 1990er Jahre wurde er durch die Royal Air Force und später bis zur Einstellung des Flugbetriebes 2013 durch die Royal Army genutzt. Nach Abzug von Mensch und Material wurde das Gelände 2016 an die BImA übergeben. Genauere historische Informationen stelle ich ein, wenn das Gelände in den Besitz der Stadt übergeht.

Aktuell ist die BImA Besitzer des über 300 ha grossen Geländes. Die Sicherheitsstufe ist aktuell noch genauso hoch wie zur Zeit der militärischen Nutzung. Zum Beispiel durfte man keinerlei Aufnahmen von der Einfriedung, sprich den Zäunen und den Toren machen, was wir auch unterschreiben mussten. Diese Sicherheit ist notwendig um Diebe und Vandalen abzuhalten. Dazu kommt die unklare Gefahrenlage durch Altlasten. Aus diesem Grunde wird diese Galerie eher eine kleine Tourbeschreibung mit schmalen historischen Informationen. Es gab auch keine Möglichkeit sich im Rahmen der Besichtigung frei zu bewegen. Aber ich fange besser vorne an.

Das Interesse an Karten für die Besichtigung ist enorm gross und die Anzahl der Karten sehr klein. Dazu kommt eine echt schwierige Organisationsstruktur. Um an die Karten zu kommen mussten wir uns an einem Wochentag (!) quasi nachts, 2-3 Stunden vor Öffnung der Verkaufsstelle anstellen und warten. Dadurch standen wir an erster Stelle und als der Schalter öffnete standen hinter uns bereits gefühlte 200 Menschen. Dazu kommt eine Kartenbegrenzung von vier Karten pro Person. Es war also für einen berufstätigen Menschen durchaus unpraktisch an Karten zu kommen. Das Gros der Besucher waren Rentner, was sich sehr wahrscheinlich mit dem höheren Freizeitanteil und der daraus resultierenden guten Möglichkeit an Karten zu kommen, erklären lässt. Ich hoffe jedoch, dass dieses ganze Prozedere sich vereinfacht, sobald die Stadt den Schlüssel hat.

Da die BImA Besitzer ist muss die Stadt die Besichtigungstouren anmelden und genemigen lassen. Ein Fahrzeug der BImA und eines des Sicherheitsdienstes mit zwei Aufpassern begleiten die Bustour. Die Sicherheitsmenschen sorgen leider dafür, dass man bei den Zwischenstops in einer Herde unterwegs ist. Man ist nie unbeaufsichtigt und bekommt genau Anweisungen bis wohin man gehen darf. Aber das Fotografieren war erlaubt und deswegen mag ich mich nicht beklagen. Auch wenn durch das Fotografieren während der Fahrt aus dem Bus heraus einige Fotos leicht verwackelt sind.

Immerhin ist das Gelände über 70 Jahre Sperrzone und keiner konnte hineinsehen.

Die Besichtigung beginnt am ehemaligen „Supermarkt“ gegenüber der Flughafen-Wohnsiedlung, die mittlerweile zur Flüchtlingsunterbringung genutzt wird. Das Wetter war trüb nebelig an diesem Morgen, was bei den langen Strecken auf dem Flugfeld etwas hinderlich war, jedoch stimmungsvolle Fotos ergab. Durch das knappe Jahr Leerstand wuchert überall schon die Vegetation.

[Fotos aus dem Jahr 2017]


Die erste Fahrt führt uns durch das Haupttor, vorbei an den unzähligen Kasernenblöcken aus verschiedenen Epochen. Man erkennt gut, welche von Deutschen und was von den Besatzern errichtet wurde. Der Weg führt uns vorbei am Tower des Flughafens. Interssanterweise ist der Tower eines der Gebäude mit dem schlechtesten Allgemeinzustand. Ein Abriss scheint hier wahrscheinlich.

[Fotos aus dem Jahr 2017]


Der Bus hält neben der Rollbahn mit Blick auf Tower, Feuerwache und die grossen Flugzeughangars. In der Ferne erkennt man die „Shelter“ und den Radarturm im Nebel. Interessanterweise, trotz aller Einschränkungen durch BImA und Sicherheitsdienst, ist diese erste Stelle auf dem Flugfeld an der der Bus hält auf den offiziellen Karten markiert mit „Bodenbelastung – hoher Belastungsverdacht (Hotspots)“. Soviel zu dem ganzen Sicherheitsgetue. Aber egal… hier wurde das erste mal die Dimension des Flughafens klar. Man hat leider nur gefühlte zehn Minuten zum schauen und fotografieren was das ganze tatsächlich anstrengend machte. Zuerst hier ein Video mit einem knappen 180 ° Blick. Ich habe noch fünf weitere Videos gemacht, die ich leider nicht zeigen kann, da dort sensible Bereiche zu sehen sind.

[Fotos aus dem Jahr 2017]


Die Fahrt führt uns weiter durch das Gewirr aus Kasernenbauten, Hangars und Betriebsgebäuden vorbei an einem völlig zugewucherten Schwimmbad, dem „Royal Theatre“, dem „Pizza-Kebab-Place“ und einigen ruinösen Schiessständen der Wehrmacht und einigen neueren Schiessständen der Briten, direkt zu dem grössten Gebäude auf dem Gelände.

[Fotos aus dem Jahr 2017]


In dem 1981 erbauten Helikopter-Hangar wurden die Chinook-Helikopter abgestellt und gewartet. Es ist ein enormes, das Dach frei tragendes Gebäude. Natürlich ist es wie alles auf dem Gelände quasi besenrein. Man muss schon etwas genauer hinschauen, doch dann erkennt man viele Details wie Schilder, Warnhinweise, Markierungen oder alte Aufkleber. Die Vögel gurren durch die Halle doch leider darf sich auch hier die Besuchergruppe nicht frei bewegen und nicht einmal bis an das Hallendene gehen. Dafür wurde bereits am Treffpunkt vor der Kaserne vor einer „Schwelle“ bei der man unheimlich acht geben müsse, gewarnt. Die „Schwelle“ war eine 0,8523 cm hohe Türkannte. Ich hätte sie nichtmal wahrgenommen. Scheinbar ist das Alter der Besucher für die extreme Vorsicht verantwortlich. Auch hier durften wir uns nur gefühlte zehn Minuten aufhalten.

[Fotos aus dem Jahr 2017]


Nun folgte die längste Busfahrt. Es ging vom Hangar aus im Schritttempo einmal um das Flugfeld herum. Der erste Bereich, der durchfahren wird ist einer der „Shelter“-Bereiche. Hier finden sich neben einigen Betriebsgebäuden und der Kläranlage sieben grosse „Hardened Aircraft Shelter“. Es handelt sich hierbei um einen mittels Stahlbetongewölbe und Panzertoren armierter Flugzeugbunker, üblicherweise für Kampfflugzeuge. Dieser kann zur optischen Tarnung mit Erde bedeckt und grasbewachsen sein. Mit derartigen Unterständen sind die Kampfflugzeuge vor Treffern leichter Fliegerbomben und Splittern hinreichend geschützt. Der allgemeine Zustand der Shelter ist schlecht aber optisch ansehnlich. Zwischen den Sheltern beginnen die ersten Biotopflächen.

Nach diesem Bereich folgt der Munitionsbunkerbereich. Das Munitionslager der Luftwaffe wurde bei Kriegsende von der Wehrmacht vernichtet. Diese heute zu sehenden Bunker entstanden alle nach dem Krieg. Man erkennt die „klassische“ dreieckige Form der Munitionsbunker. Dieser Bereich ist mit einer weiteren Einfriedung versehen. Drolligerweise liegt genau genüber dieser Bunker der alte Golfplatz und ein Denkmal für Gefallene Russen. Der Golfplatz ist durch die Vegetation und die herumspringenden Rehe kaum noch als solcher zu erkennen.

Als nächstes passieren wir den „Alarmstart-Hangar“, ein nicht weiter gesicherter Hangar für zwei Kampfflieger. Hier konnte innerhalb weniger Minuten zwei voll aufmunitionierte Flieger in den Einsatz starten. Innerhalb des einen Jahres ist ein grosser Teil des Hangartores von Rost zerfressen. Der Hangar wird umringt von weiteren „Sheltern“. Nach dem Umfahren der östlichen Rollbahnecke mit den grossen weissen Kreuzen, gelangt man an den Bereich, der für die Wasserversorgung angelegt war. Das meiste scheint hier unterirdisch zu sein. Ein besonderes „Wohnhaus“ kann man hier noch erkennen. Nähere Informationen hierzu folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

[Fotos aus dem Jahr 2017]


Der letzte Halt ist am ehemaligen Offizierskasio am Exerzierplatz. Ein wundervolles rot geklinkertes Gebäude aus den 1930er Jahren. Es hat einen Turm inklusive Turmuhr welcher von rotem Efeu eingehüllt wird. Das Dach ist kunstvoll mit Schiefer eingedeckt. Das besenreine Innere riecht aufgrund des unter Wasser stehenden Kellers muffig und zuerst dachten wir, dass der Boden aufgeweicht sei. Uns wurde jedoch berichtet, dass der Brite es gerne weich unter den Füssen hat und auf das wundervolle 30er Jahre Fischgrätparkett zuerst eine Dämmschicht und darauf einen weichen Teppich legte. In der Offiziersmesse finden sich typischerweise eine Bar, ein Speisesaal und ein Saal für Empfänge. Im Aussenbereich finden sich zwei Tennisplätze und ein Bereich mit Grill. Ins Tumrzimmer gelangt man über eine schmale Treppe mit gusseisernem Geländer. Es ist klein aber gemütlich. Man nimmt an, dass sich hier die Offiziere zu Zigarren und Cognac trafen. Es gibt noch einige Mythen und Geschichten dieses Turmzimmer betreffend, welche ich nachreiche sobald der Flughafen in den Besitz der Stadt übergeht und die Sicherheitsstufe heruntergesetzt wird.

[Fotos aus dem Jahr 2017]


Danach fuhren wir zurück zum Ausgangspunkt.

[Fotos aus dem Jahr 2017]

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