Luftwaffenbekleidungsamt Bielefeld (saniert 2011/12)

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Der seit 1994 denkmalgeschützte Gebäudekomplex aus dem Jahre 1939 in Bielefeld ist der einzige noch erhaltene von einstmals drei Luftwaffenbekleidungsämtern in Deutschland (neben Berlin, Sonneberg).

Am 15.12.1938 begann die Luftwaffe des deutschen Reiches im Zuge der nationalsozialistischen Aufrüstung im Nordosten von Bielefeld einen aufgrund seiner Größe und Struktur auch heute noch beeindruckend wirkenden Gebäudekomplex,
das Luftwaffenbekleidungsamt.

Es handelt sich dabei zum einen um eine Fabrik mit 45.000m² reiner Nutzfläche (ohne Nebengebäude), in mehreren, um zwei Innenhöfe gruppierte Gebäude und mit direkten Anschlüssen an das Schienennetz, ausgelegt für knapp 1500 Mitarbeiter, mit riesigen Nähsälen und Lagern, Garagen für Fahrzeuge und weiträumigen Kellergeschossen und Luftschutzbunkern; zum anderen auch um ein „Logistikzentrum“ mit eigenem Verwaltungstrakt für die Beschaffung von Textilien und den Versand auf Schiene und Straße. Der Standort in Nähe des Güterbahnhofs und des Ostbahnhofs war also verkehrsstrategisch gewählt und richtete sich an der Trassenführung der Reichsbahn und am Verlauf der Bielefelder Kreisbahn aus. Industriegleise wurden direkt in die zentrale Verladehalle geführt. Die Orientierung an regionalen und überregionalen Transportwegen griff also in die Siedlungsgeographie ein und veränderte das Stadtbild Bielefelds. Darüber hinaus beeinflussten aber auch der Zuzug von Arbeitskräften (Schneider, Schuhmacher, später auch Zwangsarbeiter) sowie der Bau einer eigenen Luftwaffensiedlung für die Angestellten die Bielefelder Siedlungs- und Sozialstruktur nachhaltig. Viele Firmen aus dem Textilzentrum Bielefeld und dem Umland lieferten dem Bekleidungsamt zu, so auch die „Kriegsnotgemeinschaft“ der Wäschefabriken Schmitz und Gebr. Winkel (heute „Museum Wäschefabrik“). Züge der Reichsbahn beförderten wagonweise fliegergraue Tuche, die auf Anschlussgleisen vom Kreisbahnhof Bielefeld direkt in die riesige Verladehalle des Luftwaffenbekleidungsamtes gelenkt wurden. Ein zentrales Förderband und große Lastenaufzüge transportierten Stoffe und fertige Bekleidung innerhalb des Gebäudes. Im Erdgeschoss spielte sich die gesamte Abfolge von An- und Abtransport, Registrierung, Buchung, Weiterverarbeitung, Schuhmacherei und Lagerung der fertigen Bekleidung ab, das erste Obergeschoss war stark von den großen Näh- und Zuschneidesälen sowie der Instandsetzung dominiert. Das zweite Obergeschoss sowie das Dachgeschoss dienten größtenteils als Lager für Stoffe, während das Kellergeschoss Luftschutzräume sowie Gasschleusen enthielt.Hier wurde die gesamte Palette an Bekleidung für die Luftwaffe gefertigt, vom einfachsten Schuh bis zum pelzgefütterten Fliegerstiefel, von Fliegerblusen und schweren Offiziersmänteln bis zu Morgenmänteln für Luftwaffenhelferinnen. 1944 soll der Wert der im Luftwaffenbekleidungsamt Bielefeld gelagerten Waren ca. „60 Millionen Mark“ betragen haben.Das Gebäude war von Beginn an für 1200 Arbeitskräfte, 50 Angestellte und 5 Offiziere konzipiert, für die eigens 244 Wohnungen in der „Luftwaffensiedlung“ erstellt wurden.

Am 11.1.1944 trafen drei Bomben das Bekleidungsamt und zerstörten einen Teil des Dachgeschosses am Südflügel und am Ostflügel. Über 3000 Glasscheiben gingen zu Bruch. Dennoch bot sich der Bielefelder Bevölkerung am 3. April 1945 ein reichhaltiger Vorrat an Bekleidung, Schuhwerk und Stoffen, so dass sich dieses Datum als der Tag der „Plünderungen“ im kollektiven Gedächtnis verankerte.

Nach Kriegsende wurde der Gebäudekomplex bis 1992 vom Royal Army Ordnance Corps (RAOC) und den Royal Engineers der Britischen Rhein-Armee als eines ihrer wichtigsten Nachschublager genutzt. Im Nord-Westflügel wurde eine zeitlang die Zentrale Ausländerbehörde der Stadt Bielefeld und eine Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlingsangelegenheiten untergebracht. Den Süd-Westflügel teilten sichmehrere Fachbereiche der Fachhochschule Bielefeld. Der Ostteil des Gebäudes stand jahrzehntelang leer und wurde 2011/12 saniert. Hier entstanden unter anderem Showrooms für Old- und Youngtimer. Insbesondere der allmählich zerfallende und verwildernde Ostflügel war fotografisch sehr interessant, da er die einstige Nutzung als Kaserne, Fabrik und Versandzentrum noch besonders gut erkennen ließ.
Quelle: LWL-Denkmalzeitung 2010 + Lenkwerk Historie


Leider, leider leider habe ich erst erfahren, dass die Richmond-Barraks seit Jahrzehnten ungenutzt sind, als ich in der Zeitung vom Umbau erfuhr. Ich konnte zwar auf Luftbildern ein Loch im Dach ausmachen, aber da der vordere Teil die „Zentrale Ausländerbehörde“ und die „FH-Bielefeld“ beherbergte sah ich immer davon ab das Gelände zu betreten. Auch war nur noch ein sehr kleiner Teil nicht vom Umbau betroffen. Diesen seht ihr in dieser Galerie. Mittlerweile ist auch dieser teils abgerissen, teils erneuert worden. Die Umbauten und Erneuerungen sind recht enorm auch wenn das Gebäude unter Denkmalschutz steht.


[Fotos aus dem Jahr 2011]


Update No1: Fotos der Ruine

Durch einen glücklichen Zufall bekam ich Bilder des Luftwaffenbekleidungsamtes vor dem grossen Umbau. Hier könnt ihr die grosse Verladehalle, einige Büroräume und zwei Luftschutzkeller sehen. Für diese seltenen Fotos möchte ich Luftwurzel herzlich danken!


[Fotos aus dem Jahr 2009]


Update No2: Fotos der Ruine bis zum Abriss

Ich bekam noch ein paar Fotos der Ruine. Auf ihnen ist auch der Beginn des Abrisses zu sehen. Man erkennt sehr gut die Vegetation, die die Ruine langsam erobert hat. Einige der Fotos sind HDRs und einige wenige sind mit dem Tilt-und-Shift-Verfahren fotografiert worden. Für diese schönen Bilder möchte ich M. Rauscher ganz herzlich danken!


[Fotos aus dem Jahr 2009/10/12]


Update No3: Weitere Fotos der Ruine bis zum Abriss

Erneut ein glücklicher Zufall. Vom Bielefelder Medienarchiv bekam ich weitere seltene Fotos, die das ruinöse Innere des Luftwaffenbekleidungsamtes zeigen. Ich möchte Frank Becker, dem Vorsitzenden des Bielefelder Medienarchives herzlich dafür danken. Seine Internetpräsenz findet ihr unter den Links.


[Fotos aus dem Jahr 2009]


 

Update No4: Aktuelle Fotos der Reste

Auf einem Feiertagsstreifzug durch das ehemalige Luftwaffenbekleidungsamt habe ich noch ein paar Details, ein paar originale Reste aus der Zeit der Wehrmacht und der Zeit der britischen Besatzer auf Foto gebannt. Viel ist es nicht. Aber das Trafohäusschen und das ehemalige „MT vehicle park and the REME LAD Building“ (das weiss gestrichene Gebäude mit grossem Tor) sind noch vorhanden. Insgesamt muss man sagen, dass das Luftwaffenbekleidungsamt zwar denkmageschützt ist aber nicht denkmalgerecht saniert wurde. Lediglich die Fassaden, abgesehen von den Fenstern, lassen einiges der Originaloptik erahnen. Im alten Innenhof der FH findet man eher altes Mauerwerk. Leider ist auch das Innere der FH komplett entkernt worden.


[Fotos aus dem Jahr 2016]

5 Antworten auf Luftwaffenbekleidungsamt Bielefeld (saniert 2011/12)

  1. Markus Horn

    Guten Tag Hr. Wolf,
    Mein Name ist Markus Horn, ich schreibe gerade ein Buch über Fliegerblusen der Luftwaffe in zweiten Weltkrieg.
    Ich / wir haben vor Sie, bzw. das Bekleidungswerk in Bielefeld zu besichtigen, da wir großes Interesse an der Bekleidungswirtschaft und Herstellung der Luftwaffen Uniformen haben. Mein Interesse ist dahin gehen sehr groß, da ich über die Herstellung, bzw. die Stempelung (LBA) Abnahmestempel genauer schreiben möchte. Die drei Bekleidungswerke wurden ja schon genannt. Ich möchte gerne wissen wie in Bielefeld die Luftwaffenblusen hergestellt und gestempelt wurden und würde mich freuen wenn sie mir da weiter helfen könnten, ich habe aber noch einen LBA. H3.41 Stempel, den ich nicht zuordnen kann! Können sie mir hier weiter helfen?

    Würde mich über Antwort sehr freuen.
    Mit freundlichen Gruß
    Markus Horn

  2. Gerd Wolf

    Hallo, Phil !
    Dass in Bielefeld eins der drei Luftwaffenbekleidungsämter errichtet wurde, hängt auch mit der ostwestfälischen Bekleidungsindustrie
    zusammen. Die Stoffe wurden angeliefert,geprüft und anschliessend zu Uniformen genäht. Das LBA hatte eigene Nähsäle. Auch wurden in Bielefeld
    Fallschirme gefertigt. In der Nähe des Langenhagen, war eine Seidenraupenzucht, das Lieblingsfressen der Seidenraupen, war Holunder.
    Die Sträucher sind heute noch vorhanden.

    Die, von Dir erwähnte Siedlung, befindet sich zwischen Heeperstr und Auf dem Langen Kampe. Die Strassen Elbrede, Hudeweg,etc, waren damals nach bekannten Fliegern benannt (Mölders, Marseille,usw.)

    Gruß
    Gerd

  3. Scott Pritchett

    Hallo: Mein Name ist Scott Pritchett. Mein Deutsch ist nicht gut. Ich verwende einen Übersetzungservice so wenn Sie an Englisch besser sind, antworte bitte auf englisch. Ich las deutsches “ OK“ … aber nicht vollständig. Ich bin ein Buchautor. Ich schreibe ein Projekt für Schiffer Bücher, einen Verleger von Militärhistor hier in den USA. Ich fand Ihre Web site, als ich nach Informationen über das Luftwaffe Bekleidungsamt suchte. Es ist sehr schwierig gewesen, Informationen über das Luftwaffe Bekleidungsamt zu finden. Möglicherweise können Sie mir helfen, zu mir mehr Informationen zu finden oder zur Verfügung zu stellen auf der Organisation und wie Uniformen hergestellt und an Soldaten von den drei Fabriken wie oneyou zeigen in Bielefeld geliefert waren. Meine eMail ist: scottpritchett2@hotmail.com Ich hoffe, ein Antwortformular zu empfangen Sie. Selbstverständlich wird jede mögliche Hilfe, die Sie wil geben können, in meinem Buch gutgeschrieben, wie Sie oder nicht wünschen.

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