LSB 3 – Flachbunker

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Der Bunker LSB3 den ich hier zeige ist der „OP-Bunker“ am Krankenhaus.
Er ist der niedrigste Hochbunker der Stadt und hat nur ein überirdisches Stockwerk. Auf 1427,08 m2 errichtete man ein von 1,80 Meter dicken Betonwände umgebenes, komplettes Krankenhaus mit Operationssälen und anderen medizinischen Einrichtungen. Das bombensichere Gebäude wurde an das bereits bestehende städtische Krankenhaus angebaut. Das Dach ist 1,40 Meter dick. 1942 konnte der OP-Bunker in Betrieb gehen, der für 72 Patienten ausgelegt war.

Dunkle Glocken hängen über einigen Durchgängen. Es sind Überdruckventile, die damals anzeigten, wenn der Druck abfiel. Denn in dem Bunker herrschte Überdruck – damit im Notfall kein Giftgas von draußen eindringen konnte. Zu sehen sind auch noch die Umkleiden und Tauchbecken der Dekontaminierung, in denen verstrahlte Personen gereinigt werden konnten. Darüber, ob diese wirklich zum Einsatz kamen, habe die Klinik keine Unterlagen.

In den zwei OP-Sälen fällt der Blick erst auf Regale, teils noch voller Ordner, weil die Klinik die Räume später als Archiv nutzte. Die grünen Kacheln sitzen aber noch an den Wänden, Schienen im Fußboden zeigen, wo OP-Tische geschoben werden konnten.

Von der früheren Wasseraufbereitung stehen ein Dutzend alter Kessel, daneben Pumpen. Der Heizungs- und Kokskeller ist leer, alte Leitungen und Rohre ziehen sich aber noch unter den Decken her. Im Elektroraum verstauben und rosten alte Schaltkästen, über die auch die Gleichstromversorgung der OPs geregelt wurde. Heizung, Wasser, Strom waren vorhanden, aber bei Küche und Versorgung war der Bunker an das Krankenhaus angeschlossen.

Nach dem Krieg brachte das Krankenhaus hier die Kobalt-Bestrahlungstherapie unter, was sich wegen der guten Abschirmung anbot. Heute genügt der Bunker gerade noch für Lagernutzung. Aber der Standort ist interessant – und das Klinikum will deshalb hier den Mangel an Parkplätzen lindern und eine Attraktivitätssteigerung mit einem zweiten Ärztehaus erreichen. Dafür will es zwölf Millionen Euro investieren und ein Ärztehaus für bis zu elf Praxen auf vier Etagen errichten. Im Parkhaus, das vor allem für Mitarbeiter benötigt werde, seien 250 bis 300 Stellplätze vorgesehen. Ende 2017 soll der Komplex fertig sein.

Der Techniker kann sich aber auch eine neue Nutzung des alten Bunkers gut vorstellen: Als Krankenhausmuseum, das bisher in einem Verwaltungsgebäude an der Eduard-Windthorst-Straße ausstellt. Die historischen Bunkerräume würden sich gut dafür eignen, zumal von den alten Installationen noch einiges sichtbar sei, das saniert ein solches Museum bereichern würde.
Quelle: nw-news.de

[Fotos aus dem Jahr 2008]


Update No1: Aktuelle Fotos

Erneut besuchte ich den OP-Bunker. Ich machte einige aktuelle Fotos machen und den rückwärtigen Bereich fand ich nun auch. Leider darf ich den Bunker nicht im Inneren dokumentieren, da das Krankenhaus dort Krankenakten und andere sensible Dinge lagert.

[Fotos aus dem Jahr 2012]


Update No2: Alte Innenansichten

Durch einen glücklichen Zufall erhielt ich vier Fotos aus dem Inneren des OP-Bunkers. Man kann direkt erkennen, dass sich der Bunker zum Grossteil im Originalzustand befindet. Er scheint im Kalten Krieg nicht umgebaut worden zu sein. Man erkennt die originalen Strom- und Wasserinstallationen.

[Fotos aus dem Jahr 2000]


Update No3: Umbau

Anfang Februar 2016 wurden die zwei unittelbar vor dem Bunker stehenden schmucken, alten Stadthäuser abgerissen. Hier soll ein „Ärztehaus“ mit Parkhaus entstehen. Der OP-Bunker soll das Fundament des Ärztehauses werden. Durch den Abriss wird nun erstmal der Blick auf die Ostseite des OP-Bunkers frei. Interessant ist das Gebäudeprofil, welches an ein dickes „T“ erinnert. Eine Besichtigung wurde mit immer noch nicht erlaubt. Ich versucher mein Möglichstes, aber die Krankenhaus-Leitung ist irgendwie nicht an einer Fotodokumentation interessiert.

[Fotos aus dem Jahr 2016]


Update No4: Aktuelle Ansichten

Durch den drohenden Umbau, welcher sich mittlerweile wie ein Teilabriss anfühlt, kann man den OP-Bunker von fast allen Seiten gut in Augenschein nehmen. Ich bin mir nicht ganz sicher ob er tatsächlich nur überbaut werden soll. Einiges spricht nicht dafür.

[Fotos aus dem Jahr 2016]


Update No5: Abriss

Ich mache mir jetzt mal Luft über die Sachlage am OP-Bunker. Es begann im Jahre 2012. Durch eine äusserst fruchtbare Zusammenarbeit mit den Leuten vom Bielefelder Stadtarchiv habe ich den Bunker LSB7 dokumentieren können. In einigen Gesprächen habe ich mein Anliegen, möglichst alle grossen Bielefelder Luftschutzeinrichtungen für die Nachwelt im Foto zu erhalten. Dies ist mir bei allen ungenutzten Objekten gelungen und bei dem einen oder anderen gab es sogar die Möglichkeit von übergreifenden Dokumentationen, wie etwa den Umbau des grossen LSB8. Bei diesem geht die Dokumentation eventuell sogar noch über den Umbau hinaus, da die Besitzer und Bauherren genau die richtige Einstellung zu diesen Objekten haben. Die Fotos habe ich immer auch den Besitzern oder dem Stadtarchiv zukommen lassen und natürlich auch hier veröffentlicht, so dass jeder etwas davon hat.

Nach der 2012er Dokumentation des LSB7 habe ich versucht den leerstehenden und als einzigen sich im Originalzustand befindlichen Bielefelder Bunker zu fotografieren. Ich als Privatmensch habe nie Antworten auf meine Nachfrage erhalten, weder per eMail noch per Telefon wurde ich jemals von der Krankenhausleitung über eine Möglichkeit dazu in Kenntnis gesetzt.

Daraufhin habe ich über eine Mitarbeiterin des Stadtarchives versucht den Kontakt herzustellen. Immerhin wurden wir erstmal nicht ignoriert. Jedoch hat die Krankenhausleitung nach einiger Zeit gesagt, dass eine Dokumentation nicht möglich sei, da dort Krankenakten lagern. Dies kann ich natürlich nachvollziehen. Da ich jedoch flexibel bin hätte ich Datenschutzrelevante Dinge natürlich nicht fotografiert. Ich hätte mich einfach auf die Originalzubstanz beschränkt und wäre, wie bei allen anderen Projekten auch, hinterher, vor einer Veröffentlichung, die gesamten Fotos mit den Zuständigen durchgegangen um zu schauen welche Fotos überhaupt gezeigt werden dürfen. Diese Möglichkeit wurde nicht einmal diskutiert. Der Kontakt wurde daraufhin direkt wieder eingestellt.

Vor einem Jahr gab es dann eine Ausstellung im Krankenhausmuseum Bielefeld. Hier wurden viele alte Fotos aus dem Bunker gezeigt. Ich bekam den Kontakt zu den Betreibern und legte erneut mein Anliegen dar. Ich habe eigentlich erwartet, dass durch ein dem Krankenhaus zugehöriges Museum, welches den Bunker ebenfalls thematisiert, am ehesten eine Dokumentation ermöglichen könnte. Aber weit gefehlt. Auch hier passierte im Grunde gar nichts. Allgemeines Interesse an meiner Arbeit war erneut nicht vorhanden. Einige Zeit später habe ich erneut den Versuch eines Kontaktes unternommen. Antworten habe ich bis heute nicht erhalten.

Dann viel mir im Jahre 2015 durch Zufall auf, dass die beiden alten Stadthäuser vor dem Bunker entfernt worden sind. Durch ein lokales Käseblatt waren mir die Pläne, den Bunker mit einem „Ärztehaus“ zu überbauen bereits bekannt. Ich witterte eine Chance, da im Zuge so eines Umbaus der Bunker sicher des öfteren Betreten werden muss. Ich wollte mich mit meiner Dokumentation einfach an irgendjemanden dranhängen der den Bunker betreten muss. Dem Krankenhaus wären zu keiner Zeit Kosten oder Mühen entstanden. Das habe ich auch immer betont. Erneut bekam ich keine Antwort auf meine eMails und ebenso wurde ich nie zurückgerufen. Es schien nahezu aussichtslos.

Am 06.04.2016 geschah etwas womit ich nicht gerechnet habe. Auf der Internetseite nw.de entdeckte ich einen Artikel in dem ein Techniker des Krankenhauses einem Fotografen besagter Lokalzeitung eben jene Führung erlaubt! Natürlich ist dieses keine Dokumentation sondern ein schnöder Zeitungsartikel. Ein paar bunte Fotos und semirecherchierte Informationen zu dem Bunker. Auf eben jenen Fotos war übrigens auch besagter Tresor mit Patientenakten zu sehen, der mir als Grund für meine Absage genannt wurde. In der Zeitung wurde es sogar benannt („In den zwei OP-Sälen fällt der Blick erst auf Regale, teils noch voller Ordner, weil die Klinik die Räume später als Archiv nutzte.“) Im Grunde wurden ich und die Mitarbeiterin des Stadtarchivs ganz einfach angelogen.

Ganz ehrlich, und das richte ich direkt an die Verantwortlichen, das war für mich ein Tritt ins Gesicht!

Schwer angesäuert habe ich dennoch nicht die Hoffnugn verloren und dachte das ist jetzt „letzte und beste Chance“ auf dieser Welle mitzuschwimmen. Immerhin hatte ich nun den Namen des Technikers der die Führung durchführte. Über die Internetseite bekam ich seine eMail-Adresse und überaschenderweise bekam ich dieses Mal ein Antwort. ICh war begeistert und las die eMail. „Bitte nehmen Sie in dieser Angelegenheit Kontakt mit unserer Unternehmenskommunikation auf, Herr D. koordiniert die entsprechenden Veröffentlichungen.“ Das liess ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Leider hat besagte Unternehmenskommunikation nie reagiert. Ich wurde wie üblich ignoriert und ehrlich gesagt hatte ich damit die Schnauze voll.

Diese ganze lange ungute Geschichte zwischen mir und dem Krankenhaus endet nun mit einer neuen Unwahrheit, nämlich dass der Bunker nur überbaut werden würde. Aktuell wurde der bombensichere Vorbau, in dem die Krankenwagen hielten abgerissen. Ich denke auch die Originale 1943er Einrichtung wird einfach weggeschmissen. Ich finde es peinlich wie eine öffentliche Einrichtung, die sogar ein Museum innehat, so mit orignalen Zeugnissen des Zweiten Weltkrieges und auch mit historisch interessierten Menschen umgeht. Ich sage hier ganz entschieden, dass Bielefeld mit diesem Bunker was besonderes verloren hat.

Abschliessend gibt es noch ein paar aktuelle Fotos des Abrisses und vom Dachbereich den man nun einsehen konnte.

[Fotos aus dem Jahr 2016]


Update No6: Abriss No2

Es ist traurig aber nun Gewissheit. Der grosse OP-Luftschutzbunker am Städtischen Krankenhaus wird abgerissen! Damit schliesst sich der Kreis der Unwahrheiten, die von der Leitung und den Verantwortlichen des Klinikums verbreitet werden. Ein paar Beiträge zuvor habe ich mir ja schon Luft über die schäbige Behandlung von historisch Interessierten gemacht. Nun ist klar, dass auch andere, durch Lokalblätter verbreitete Informationen nicht der Warheit entsprechen. Entweder hat das Lokalkäseblatt vollkommen falsch recherchiert oder, und das glaube ich persönlich, Sie wurden wie ich ganz einfach belogen!

Wie ein aktuelles Foto von heute morgen zeigt ist bereits die nordöstliche Ecke des Bunkers von einem Abbruchunternehmen abgebrochen worden. Da fehlende Wände die Stabilität verringern ist klar, dass dort nichts auf den Bunker gebaut werden wird.

Ich hatte in Bielefeld schon immer für mein historisches Interesse zu kämpfen. Nur äusserst selten stiess ich auf echtes Interesse an meiner Arbeit, aber die Art und Weise wie die Verantwortlichen mit dem Bunker und der Öffentlichkeit umgehen ist selbst für Bielefelder Verhältnisse beispiellos unterirdisch. Zwei Daumen runter.

Und… Ende…

[Fotos aus dem Jahr 2016]


Update No6: Das Ende

Immerhin kann ich durch den Abriss endlich etwas vom Inneren sehen. Mit einem Teleobjektiv kann man durch den Zaun in das grosse Loch an der Nordseite des O-Bunkers sehen. Man erkennt das 1,4 Meter dicke Dach und drei Eingänge. Die linken Eingänge sind mit neueren Türen versehen. Die rechte jedoch ist eine Original-Drucktür die, soweit ich das auf den Telefotos erkennen kann, bereits 1940 gefertigt wurde. Genau diese Originalteile sind selten, in Bielefeld findet man so etwas gar nicht mehr.

Ich habe nach diesem Besuch das Objekt links liegen lassen. Mittlerweile wird auf dem Bunker gebaut, aber da die Krankenhaus-Entscheider auf mich und die Dokumentation gepfiffen haben, sehe ich keinen Grund das Objekt noch weiter zu beobachten.

[Fotos aus dem Jahr 2016]

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