Kaserne „W“

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Im Oktober 1934 wurde mit dem Bau der drei heute noch bestehenden Wehrmachtskasernen begonnen. Während des Krieges wurden die Kasernen bei den Bombenangriffen verschont. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Britische Rheinarmee hier ein. Im Jahre 1994 wurde die Britische Rheinarmee in Britische Streitkräfte in Deutschland umbenannt. Seitdem befand sich in der Kaserne das Hauptquartier der 1st (UK) Armoured Division (1. Britische Panzerdivision) unter der Leitung eines Generalmajors. Von dort wurden die britischen Einsatztruppen in Deutschland befehligt.

Prizessin Anne besuchte diese Kaserne desöftern. 1974 fuhr sie hier einen 17 Tonnen Scorpion-Spähpanzer durch Wälder und Felder. 2012 war Prinzessin Anne das letzte mal hier. Von Oktober 1990 bis Juli 2009 befand sich in einem Gebäude die Deutschlandzentrale des britischen Soldatensenders British Forces Broadcasting Service (BFBS).

Innerhalb des Kasernengeländes gab es ein großes Divisionskonferenzzentrum mit einem britischen Kino. Außerdem war bis Mitte Juli 2015 auf dem Gelände eine Grundschule mit zuletzt 260 Schülerinnen und Schülern angesiedelt. Auf dem Sportplatz innerhalb des Geländes fanden neben Sportveranstaltungen auch Wettbewerbe und Volksfeste, wie zum Beispiel deutsch-englische Freundschaftsfeste statt. Daneben gab es Tennis- und Hockeyplätze. Dort stand auch ein Sendemast zum Empfang der britischen BFBS-Radio- und Fernsehsender. Gegenüber dem Eingang zur Kaserne befand sich das Offizierskasino. Ein repräsentatives Gebäude mit grossem Tanzsaal. Am 08.12.2015 wurde die Kaserne an den Bund zurückgegeben und steht seitdem leer. Neue Nutzungsmöglichkeiten werden zwar diskutiert, scheinen aber nicht wirklich vorwärts zu kommen.
Quellen: https://herfordlisterschool.wordpress.com, herford.de, wikipedia.de

Unsere kleine Privatführung fand an einem schwülwarmen Montag vormittag statt. Wir konnten Block 3, Block 5 und das Offizierskasino von innen besichtigen. Der Zustand der gesamten Analge ist aufgrund des kurzen Leerstandes eigentlich fantastisch. Jedoch gibt die Natur hier alles was sie hat. Steht diese Kaserne nochmal ein halbes Jahr leer wird man vor Gestrüpp kaum noch etwas sehen. Im rückwärtigen Bereich sind bereits zwei Bäume auf Gebäudeteile gefallen.

Fassaden, Treppenhäuser, das Trafogebäude mit Turmuhr und Einfriedung stehen unter Denkmalschutz. Das Schulgebäude ist bereits für 3,5 Millionen Euro denkmalgerecht kernsaniert worden. Die Kasernenblöcke sind wie man es kennt. Viele Aufenthalts-, Wohn- und Wachräume. Im Keller befindet sich je ein Serverraum, jedes Gebäude war autark, und ein uralter Luftschutzkeller aus Zeiten der Wehrmacht, der jedoch von den Briten grossteils zugemauert wurde. Im Dachbodenbereich war je eine Pistolenschiessbahn. In einem Block befindet sich das „Porno-Kino“. Hier wurden Besprechungen abgehalten.

Einrichtung oder Möbel gibt es in keinem der Gebäude und auch die zwei grossen Panzer, die hier als Denkmal standen wurden von den Briten mitgenommen. Hinterlassenschaften aus Wehrmachtszeiten findet man nicht mehr. Einzig die Luftschutzkeller und die Gebäude selbst sind original. Alles andere trägt einen deutlich britischen Stempel.

Das Offizierskasino ist ein wahrer Augenöffner. Man betritt es durch einen kleinen Anmelderaum mit Theke. Man findet hier Marmor oder Granit an den Wänden, Messingleuchten und schwere Holztüren, die in diesem Gebäude ebenfalls denkmalgeschützt sind. Über einen schweren roten Teppich gelangt man in representative Empfangsräumlichkeiten. Über diese gelangt man in den „Ballsaal“. einen 2,5 Stockwerke hohen Raum mit ebenso hohen Fenstern, die mit schweren schwarzblauen Vorhängen ausgestattet sind. Der Saal ist rosarot gestrichen und man erkennt noch die Stellen an denen militärische Banner an den Wänden hingen. Desweiteren hat das Kasino einen enormen Küchenbereich, viele, jeweils mit Bad ausgestattete, Einzelzimmer für Gäste und einen „Partykeller“, mit grosser Theke, Tanz- und Billard-Raum, und einer grossen Grillstelle im Garten. Besonders imposant sind die Schieferarbeiten am Dach.

Ich möchte mich bei meinem Kontakt für seine Organisationsmühen ganz herzlich bedanken und zweitens unserem freundlichen Schlüsselmann von der BIMA für die wirklich spannende und amüsante Führung danken. Ich habe mich sehr gefreut jemanden kennen zu lernen, der so einen Spass an seiner Arbeit hat. Vielleicht ist das der Startschuss für äusserst fruchtbare Zusammenarbeiten gewesen.

Ich könnte mir vorstellen, dass der gute Zustand noch eine Weile vorhält, da das Objekt gut geschützt ist. Neben den unregelmässigen Besuchen der BIMA gibt es einen gut aufgestellten Wachdienst, eingeweihte Nachbarn und besonders im Offizierskasino Alarmanlagen- und Kameraüberwachung.

[Fotos aus dem Jahr 2016]

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