Heeresnachschubtanklager der WiFo

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Ich erfuhr aus der Zeitung, dass diese Anlage, oder besser die Reste davon, touristisch erschlossen werden soll. Ausserdem ist die Anlage heute ein Dorf. Aus diesem Grund besteht hier kein wirklicher Grund den Standort total zu verschleiern. Also machten wir uns an einem schönen Frühlingstag auf den Weg um die Anlage zu betrachten bevor sie besenrein wird. Um ein wenig vorweg zu greifen, wäre die Umgebung nicht so wundervoll zum wandern gewesen, wären wir nach einer guten Stunde bereits heimgefahren. Wirklich viel zu sehen ist nicht mehr.


Die Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft mbH (kurz WiFo) war eine 1934 in Berlin durch das Reichswirtschaftsministerium gegründete Tarnfirma, welche für die Beschaffung, Lagerung und Herstellung von kriegswichtigen Rohstoffen zuständig war und damit die Logistik der Wehrmacht sicherstellen sollte. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Errichtung von geheimen Großtanklagern, darüber hinaus war sie für den Betrieb von Mineralölkesselwagen, Tankschiffen, den Ausbau von Transportstrecken und den Betrieb von Werken zur Chemiegrundstoffherstellung wie beispielsweise Salpetersäure zuständig. Die WiFo existierte nach dem Krieg weiter und löste sich dann bis zum Jahre 1970 selbst auf, wobei die Nachfolgeunternehmen heute privatisiert sind.

Die Tanklager bestanden aus einzelnen, mit Stahlbeton ummantelten Großtanks. Daneben besaß ein Tanklager eine umfangreiche Infrastruktur wie Rangieranlagen, Lokschuppen, Pumpstationen, Kesselhäuser, Abfüllanlagen, Werkstätten, Großlabore, Feuerwehren, Wachstationen und Verwaltungsgebäude.

Ende 1938 betrugen die Mineralölvorräte der WiFo fast 800.000 Tonnen. Von den zehn Großtanklagern verfügten im September 1939 die meisten bereits über erhebliche Kapazitäten. Neben den Großtanklagern betrieb die Wifo noch elf kleine, oberirdische Heerestanklager (wie dieses hier gezeigte), welche eine Gesamtkapazität von 78.500 Kubikmeter besaßen.

Die WiFo stand unter dem Befehl des Reichswirtschaftsministeriums, jedoch gehen Chronisten der Nachfolgegesellschaft VTG davon aus, dass die Gründung auf Bestreben des Reichswehrministeriums veranlasst wurde. Im August 1942 wurden alle Geschäftsanteile an das Deutsche Reich übertragen und das Treuhandverhältnis zur WiFo gelöst, die fortan eigenständig arbeitete.

Lediglich die kleinen Heeres-Tanklager verblieben im Eigentum des Reiches, wurden aber von der WiFo verwaltet. 1942 beschäftigte die WiFo fast 10.000 Mitarbeiter, für die meist eigene Siedlungen in der Nähe der Tanklager gebaut wurden, und unterhielt an mehreren Standorten eigene Barackenlager für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.
Quelle: wikipedia.de


Dieses hier gezeigte Tanklager wurde unter strengster Geheimhaltung Ende der 30er Jahre errichtet. Der Standort war durch die Lage an der Eisenbahnstrecke in einem dicht bewaldeten Gebiet vorteilhaft um An- und Ablieferung einfach abwickeln, sowie die gesamte Anlage gut tarnen zu können. Um den Bau sämtlicher WiFo-Anlagen zu vereinfachen und um die Gesamtkosten und auch den Personaleinsatz zu verringern, wurde als Bauweise für alle WiFo-Tanklager der sogenannte Blockbau eingeführt. Die Gebäude bestanden aus einer Betonsohle, Betonstützen und Betonflachdecken (auch Skelettbauweise genannt). Das offene Rahmengerüst ist dann mit Ziegelsteinen ausgemauert und verputzt worden (Ein Beispiel für eine nichtmilitärische Art dieser Bauweise seht ihr an dieser Lagerhalle.) Auch erhielten die Gebäude einen dunkelgrünen Anstrich und eventuell wurden auch Dächer mit Vegetation versehen.

Kommen wir nun zu den Teilen der Anlage. Ich möchte hier nun einige Informationen, die man zu dieser Anlage im Internet findet berichtigen. Leider wird der Text einer bestimmten Website immer und immer wieder kopiert ohne hinterfragt zu werden, obwohl er einer starken Verbesserung bedarf. Auch ich liess mich von der ordentlichen Struktur der Informationen und der dazugehörigen Quellenangaben fehlleiten und werde nun diese Informationen mit dem Wissen aus einer sehr umfangreichen Publikation und dem Austausch mit dem Urheber dieses Werkes „geraderücken“.

Die WiFo-Anlage ist seinerzeit durch ein SS-Wachkommando innen „wie auch von außen“ bewacht worden. Auf der zuerst von mit genutzten Quelle wird fälschlicherweise behauptet, dass „der äussere Bereich durch Kriesgefangene bewacht worden sei“. Im gesamten damaligen Wehrbereich Deutschlands hat es keine Anlage gegeben, die von Kriegsgefangenen bewacht wurde. Es erscheint absurd, Kriegsgefangene wieder mit Waffen auszustatten und geheime Anlagen bewachen zu lassen.

  • Verladung: Ein 500 Meter langes Gleisbett, welches am Endpunkt einige Meter unter dem Bodenniveau der Anlage lag, war komplett mit Tarnnetzen überspannt, und beherbergte mehrere elektrische Pumpen eingebaut waren. Diese beförderten die flüssigen Rohstoffe zur Benzinpumpenstation.
    Heute ist von der Verladung nichts mehr zu sehn, da sie mit allem was nach dem Krieg herumlag zugeschoben wurde. Heute ist hier ein Spielplatz.

    Märchen: Das Gerücht, dass sich am Ende des Ladegleises ein verbunkerter Tunnel für LKWs befunden haben soll ist übertrieben. Hier befand sich lediglich der Förderschacht (siehe Kanisterabfüllstation). Dass es einen Tunnel gegeben haben soll, in dem ein ganzer Zug Platz fand, muss man ins Land der Märchen schieben. Vergleicht man die hiesige Bodensituation dieser Anlage mit bekannten Tunnelbunkern für Züge aus der Zeit, wird klar, dass es so etwas hier nicht gegeben hat.

  • Verwaltung: Das grosse representative Verwaltungsgebäude mit einem Sockel aus Eggesandstein beherbergte neben Büro- und Verwaltungsräumen auch eine Kantine im Keller, mehrere Zimmer für Offiziere oder der SS. Desweiteren befand sich angeschlossen an den Keller des Gebäudes ein Luftschutzbunker mit einer Grösse von ca. 10 mal 10 Metern.
    Heute ist das Verwaltungsgebäude ruinös. Es wurde nach dem Krieg zuerst Schulraum und später ein Hotel. Seit einigen Jahren steht es leer.
  • Benzinpumpenstation: Die unterirdische Anlage mit einer Grösse von 30 x 15 Metern, zwei Eingängen und 50 cm dicken Betonwänden, pumpte die Rohstoffe in die Tankbehälter oder die Mischanlagen. Dieses Bauwerk war das Rückrad der Anlage und wurden noch intensiver bewacht und kontrolliert. Das Gebäude wurde durch die Bombardierung nicht beschädigt sondern später durch die Besatzer ausgeräumt und gesprengt worden.
    Heute findet man nur noch die zwei Eingänge und die im Waldboden verteilten Betontrümmer.
  • Treibstoffbehälter: Angelegt wurden 12 oberirdische runde Treibstoffbehälter aus Stahl mit einem Fassungsvermögen von je 600.000 Litern. Diese zehn Meter im Durchmesser und acht Meter Stahlröhren hohen standen auf massiven Betonfundamenten und wurden mit einem Erdwall umgeben, mit Ziegeln ummauert und mit einem Tarnnetz überspannt.
    Heute findet man nur noch drei Erdwälle inmitten der Vegetation.
  • Öllagertanks: Unterirdisch angelegt wurden vier kleine Lagerbehälter für Öle mit einem Fassungsvermögen von je 100 m3. Sie waren in den Waldboden eingelassen und mit einem Betonmantel, Ziegelsteinen und einer Erdschicht verstärkt.
    Heute ist von den Öllagertanks nichts mehr zu sehen.
  • Mischbehälteranlage/Mischplatte: In diesem massiven hallenähnlichen Betonskelettgebäude wurden chemische Zusatzstoffe zugeleitet, durchgemischt und danach zuerst in die Tanks der Benzinpumpenstation und dann in die Treibstofftanks gepumpt.
    Heute ist die Mischplatte ein Wohnhaus. Im Keller findet man angeblich jedoch noch Reste der eigentlichen Funktion. Die Mischbehälteranlage ist durch Bomben total zerstört worden und ist heute nicht mehr zu erahnen.
  • Fasslager: In diesem unterkellertem eistöckigem Gebäude wurden Ersatzfässer und wohl auch Kanister bevorratet.
    Heute ist davon nichts mehr zu sehen, da die zerbombten Reste 2004 abgeräumt wurden.
  • Kanisterabfüllstation: In dieser Station wurden die fertigen Treibstoffe in 20-Liter-Wehrmachtskanister für das Heer und in 200-Liter-Fässer für die Luftwaffe abgefüllt und verplompt. Sie wurden mit einem Elektrofahrzeug (Verbrennungsmotoren waren durch die Brandgefahr zu unsicher) direkt an das Eisenbahngleis oder über einen Förderschacht nebst Transportband zum Verladegleis transportiert.
    Heute ist weder von der Kanisterabfüllstation noch dem Förderschacht etwas zu sehen.
  • Ölflaschenabfüllstation: In diesem 152 m2 grossen Betonflachdachgebäude wurden die fertigen Schmierfette und Motoröle in 1-Liter-Presspappenbehälter abgefüllt. Danach sind die in leichten Metallkörben verpackten Ölflaschen und Schmierfettbehälter an der kleinen Laderampe abgeholt und zum gerade einmal 30 Meter entferntem Verladegleis transportiert worden.
    Heute ist von dem Gebäude nur noch die Grundstruktur zu erkennen. Bis 1994 war es noch original und wurde dann innen wie aussen immer wieder umgebaut.
  • Labor: Dieser verputzte Ziegelbau wurde in seiner Bauausführung einem Wohnhaus nachempfunden. Hier erfolgte eine regelmässige Kontrolle der Mischungen sowie zur Forschung und zum Experimentieren.
    Heute ist das Labor ein Wohnhaus.
  • Kanisterwaschanstalt: Dies war eines der grössten Gebäude, war halb unterkellert und hatte auf zwei Etagen an die 450 m2 und ein sanft geneigtes Satteldach. Hier sind die zurückkommenden Kanister und Fässer gereinigt und, wenn nötig, innen und aussen neu lackiert worden.
    Heute ist von dem Gebäude nichts mehr zu sehen. Es wurde nach dem Krieg als Sargfabrik umfunktioniert und später abgebrochen.
  • Benzin- und Ölabschneidung: Das hochbelastete Abwasser der Anlage wurde hier in drei Absetzkammern oder Vorklärbecken „gereinigt“ bevor es in den Feuerlöschteich geleitet wurde.
    Heute erkennt man das bemooste Mehrkammersystem im Wald noch gut. Das die Natur damals wie heute darunter leidet muss klar sein.
  • Löschwasserpumpenstation: Dieser Betonbunker mit einer Wandstärke von einem halben Meter diente dazu, Wasser aus dem Löschteich direkt zu den 12 Tankbehältern zu pumpen. Auch konnte mittels Druckminderer die Tanks bei grosser Hitze mit Löschwasser kühlen.
    Heute sind noch die durch Bomben getroffenen und zusätzlich gesprengten Betontrümmer zu sehen.

Weitere Anlagenbestandteile waren:

  • Magazingebäude: Reste der Aussenmauern erhalten.
  • Ölflaschenlager: Durch Bomben zerstört und abgeräumt.
  • Kanisterlager: Nicht mehr vorhanden.
  • Fassreparaturwerkstatt: Nicht mehr vorhanden.
  • Werkstattgebäude:  Nicht mehr vorhanden.
  • Garagen: In ihrer Grundstruktur äusserlich erhalten.
  • Transformatorbunker: Gesprengte Betontrümmer und Eingänge erhalten.
  • Kesselhaus: In den fehlerhaften Quellen als „Hochbunker“ bezeichnet. Heute ist es ein Wohnhaus.
  • Trinkwasseranlage: Einstiegsschächte noch vorhanden.
  • Schaumlöschmittellager: Nicht mehr vorhanden.
  • Löschwasserhochbehälter: Gesprengte Trümmer bis heute erhalten.
  • Feuerwehrhaus: Nicht mehr vorhanden.
  • Hölzerne Wohnbaracken: Nicht mehr vorhanden.
    Quelle: E. Kroemeke – Das Heerestanklager der WiFo

Zum Schluß des Krieges 1945 wurden die getarnten Anlagen von Bombern in Brand geworfen. Der Angriff wurde am Vormittag des 28.3.1945 in vier Wellen von 124 B-26 Bombern der USAF geflogen, bei dem 1793 Sprengbomben (zu 100 500 lb), 24 Splitterbomben zu 260 lb) und 238 Brandbomben (zu 500 lb) abgeworfen wurden.
Quelle: eggegebirgsverein.de


Wir starteten am Verwaltungsgebäude, welches der uninformierte Wanderer nur als ruinöses Gasthaus erkennt, und schlenderten die „Hauptstrasse“ entlang, an der sich Kammerlager, Werkstätten, Ölbehälter, Labor und Ölflschenlager befunden haben. Zu sehen ist davon rein gar nichts mehr. Wenn man genau hinsieht, findet man in erster Linie Reste der Originalstrassen. Man sieht eine alte Betonrampe auf die ein Schuppen gebaut wurde. Das Problem bei diesen Resten ist, dass sie in Privatbesitz sind und dort Menschen wohnen. Der Anstand gebietet es, dass man nicht ungefragt durch die Vorgärten marschiert. Da eigentlich alle WiFo-Gebäude, bis auf die Bunker, vor 1990 entfernt wurden, geht man eigentlich nur durch eine kleine Siedlung. Im hinteren Bereich findet man die gesprengten Bunker für die Benzinpumpenstation, Magazin, Wasserpumpe am Feuerlöschteich, einige Kontrollschächte und die Kläranlage. Diese bemoosten Trümmer werden unsichtbarer je höher die Vegetation reicht. Man erkennt die Klärgrube und die Eingangsbereiche der Bunker. Von den einst 12 grossen Lagertanks sieht man nur noch die Splitterschutz-Erdwälle in denen die Tanks standen, und davon auch nur noch drei an der Zahl. Die einstige Verladung wurde komplett mit Erdreich zugeschoben und ein Spielplatz drauf gesetzt.

Wir waren, gelinde gesagt, verwirrt. Wie sollte man diese wirklich spärlichen Reste touristisch erschliessen? Wenn man sich Zeit lässt ist man in unter einer Stunde das komplette Dorf abgelaufen. Ich dachte zuerst, sicher auch aufgrund meiner Misanthropie,  Tourismus würde den Anwohnern eher den Frieden nehmen, denn gemütlich und ruhig ist es hier allemal. Aber das sieht man im Dorf anders. „Erhalt und Förderung des Tourismus und der örtlichen Gastronomie“ ist eines der selbstgesteckten Ziele.
Quelle: privat

Ich bin immer dafür deutsche Zeugnisse des 2. Weltkrieges zu erhalten und nicht zu entfernen und zu dämonisieren. Um die Erinnerung an die wohl dunkelste und bedrückendste Epoche deutscher Geschichte wachzuhalten, kann es nicht ausreichen, die Leidensorte der Opfer als Gedenk- und Ehrenstätte zu überliefern. Vielmehr ist es dringend geboten, auch die Orte der Täter zu zeigen, um das Ausmaß von Verstellung, Gewalt und Terror möglichst facettenreich zu dokumentieren.

Aber leider ist nur noch ein Bruchteil der Reste in Trümmern erhalten und so rächt es sich, dass man den Resten des Zweiten Weltkrieges in unserem Land Jahrzehnte lang die historische Wichtigkeit versagt hat. 90% der Orginialsubstanz ist unwiederbringlich verloren gegangen.

[Fotos aus dem Jahr 2017]

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