Atlantikwall Dänemark

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Während des Zweiten Weltkriegs stand Dänemark fünf Jahre lang, vom 9. April 1940 bis zum 5. Mai 1945, unter deutscher Besatzung. Im Unterschied zu anderen besetzten Ländern blieben die Institutionen Dänemarks bis 1943 intakt. Ab 1943 wurde in Dänemark der Atlantikwall errichtet. Ziel dieses Bollwerks sollte die Verhinderung einer Invasion durch die Alliierten Truppen während des Zweiten Weltkrieges sein. Effektiv fertig gestellt wurde der Atlantikwall nie. Ungefähr 8.000 Bunker in verschiedensten Ausführungen wurden bis 1944 realisiert.

Der Plan eine vollständige Verteidigungslinie entlang der Küsten in den besetzen Ländern und Deutschlands zu errichten, scheiterte. Am 6. Juni 1944 dem so genannten D-Day begann die „Operation Overlord“, es gelang die Landung Alliierter Truppen in der Normandie und der Durchbruch durch den Atlantikwall. Die Alliierten waren durch Lufthoheit und bessere Aufklärung deutlich im Vorteil, außerdem fehlte es an deutschen Soldaten da diese an der Ostfront eingebunden waren und die unzähligen Stellungen des Atlantikwalls nicht besetzen konnten.

Während der Besetzung Dänemarks wurden an der Westküste ungefähr 1800 Bunker durch Zwangsarbeiter fertig gestellt. Unzählige davon sind noch heute an vielen Orten der dänischen Küste zu sehen. Dazu gehören auch viele Ferienorte in der Varde Kommune. Häufig erkennt man nur noch bei genauem Hinsehen die Bunker durch einzelne Details wie z.B. Lüftungsrohre oder man steht eher zufällig auf einem Betonplateau, andere sind ganz von der Natur durch Dünen, Flugsand, Büsche und Bäume überwachsen. Manche tauchen auch, durch Stürme freigelegt, aus ihrer Versandung wieder auf.

Da Eisen und Stahl aus dem die schweren Zugangstüren und Schiess-/Schutzluken bestanden, ein wertvoller Rohstoff war, wurden sie häufig nach der Befreiung Dänemarks aus vielen Bunkern entfernt. Heute sind noch viele Betonbauten zugänglich und können auf eigene Gefahr besichtigt werden.

Viele Menschen haben sich an den Anblick der Relikte von Hitlers Atlantikwall in Dänemark gewöhnt, manche sich sogar damit arrangiert. Einige Ferienhäuser in Dänemark wurden auf oder neben den alten Bunkern errichtet. Sie werden nun als Garage oder Keller genutzt. Auch für Kinder sind die Bunker oft ein beliebter Kletter- und Abenteuerspielplatz. Die große Masse an Bunkern, Verteidigungs- und Regelbauten ist bis heute nur schwer zu entfernen, daher werden die meisten Bauwerke vorerst der Natur überlassen.

Die Heeresküstenbatterie Søndervig ist eine deutsche Festungsanlage, welche im Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Atlantikwalls in der Nähe der Kleinstadt Ringkøbing angelegt wurde. Die Anlage ist zweigeteilt. Zum einen wurden Bunker direkt bei Søndervig errichtet, zum anderen befindet sich der Großteil der Anlage 4 km weiter nördlich bei Kryle.

Ab 1941 wurden die ersten Küstenbatterien in Form von 4 erbeuteten französischen Haubitzen des Kalibers 10,5 cm in Søndervig in Stellung gebracht. Aus militärischer Sicht eignete sich das Gebiet um Søndervig für Landeoperationen, da man schnell weiter ins Landesinnere hätte vordringen können. An der übrigen Küste vom Nissumfjord bis Nymindergab wäre ein weiteres Vorrücken durch die Fjorde und Sümpfe erschwert worden. Auf Grund dieser Umstände wurden bei der Siedlung Kryle, über 50 Bunker in die Dünen gebaut. Zur Abwehr einer Invasion wurden vier 10,5-cm-Kanonen in Bunkern in Stellung gebracht und ein Feuerleitbunker am Strand erbaut. Der gesamte Bereich wurde mit Maschinengewehrbunkern, Minenfeldern und Stacheldraht befestigt. Im Norden der Anlage befindet sich die Radarstation Ringelnatter der Luftwaffe. Nördlich wurde ein Radarturm vom Typ Wassermann M errichtet, sowie im Zentrum der Anlage ein Radarkommandobunker gebaut. Der gesamte Bereich wurde durch Flakbatterien und die Bunker der Heeresküstenbatterie Søndervig gesichert. Die Flakbatterien bekämpften immer wieder feindliche Bomberströme, auf ihrem Ein- und Ausflug in das Deutsche Reich. Die Alliierten verzichteten auf eine Bombardierung der Anlage auf Grund dessen, dass sie die Radarstation als Peilstation zur Navigation benutzten.

Die Festung Thyboron wurde von dänischen Arbeitern errichtet, die von den Deutschen hierzu genötigt wurden. Entstanden ist eine der größten Bunkernlagen in Dänemark mit 66 großen und 40 kleineren Betonbunkern. Sie dienten der Invasionsabwehr und der Luftabwehr. Nach der Befreiung begann das große Aufräumen, denn es waren in ganz Dänemark im Laufe des Krieges ungefähr 1,5 Millionen Minen von den Deutschen gelegt worden; bei Thyboron auch mehrere Reihen schwerer Seeminen. Ungefähr 150 Deutsche und einige Dänen ließen bei diesen Arbeiten ihr Leben. Wie eine große Ruine erscheint die Festung jetzt mit den vielen unbeschädigten Bunkern, die man kaum zerstören oder entfernen kann.

Die Festungsanlage Hanstholm war ein wichtiger Verteidigungspunkt des Atlantikwalls am Skagerrak. Sie gilt als eine der ersten Festungen, die im Zusammenhang mit dem Atlantikwall entstanden. Die eigentliche Festung ist heute zerstört, das Areal beherbergt aber ein Museum, das auf den Bunkern der II. Batterie, der Großbatterie, aufgebaut ist.

Die Festungsanlage Hanstholm und deren Schwesteranlage in Kristiansand, die Batterie „Vara“, wurden bereits 1940 gebaut. Ihre Aufgabe bestand darin, den Schiffsverkehr im Skagerrak zu unterbinden und den Zugang in die Ostsee zu verhindern. Der endgültige Ausbau der Festungsanlage war bereits 1943 abgeschlossen. Im Gegensatz zur Batterie „Vara“ war die Festungsanlage Hanstholm nicht nur eine einzelne Batterie sondern eine Kombination aus Batterien. Die Reichweite, vor allem der beiden schweren Batterien, war zwar beachtlich, jedoch nicht ausreichend, um die 120 km große Spanne des Skagerrak an dieser Stelle zu überbrücken. Die entstandene Lücke wurde durch ausgedehnte Minenfelder geschlossen. Beide Batterien blieben bis 1945 in den Händen der Wehrmacht. Als die Alliierten die Festung übernahmen, lagerten dort noch 1900 Schuss im Kaliber 38 cm zuzüglich der dazugehörigen Treibladungen und mehrere tausend Schuss für die kleineren Kaliber. Dies veranschaulicht treffend die mögliche Kampfkraft der Festung Hanstholm, die sie jedoch nie unter Beweis zu stellen brauchte.

Allgemein bestand die Festung allerdings nicht nur aus Schiffsgeschützen. Neben mehreren Funkmessgeräten (Radar) wurde Hanstholm auch mit mehreren Batterien leichter, mittlerer und schwerer Flugabwehrgeschütze ausgerüstet und war so Teil des deutschen Luftverteidigungssystems, vor allem für den norddeutschen Raum. Geborgene Wrackteile alliierter Bombenflugzeuge werden heute ausgestellt und zeugen von der Effizienz der Flakanlagen in Hanstholm. Dennoch konnte auch die massive Flugabwehrbestückung in Hanstholm den Bombenkrieg in Deutschland nicht verhindern. Mit dem Einsatz der Radarstörung mit „Window“-Streifen wurden auch die Batterien in Hanstholm lahmgelegt und konnten nicht mehr so effizient in den Bombenkrieg eingreifen wie in den Jahren vor 1943. Es war bis zum Kriegsende nicht möglich, neue Radargeräte in Hanstholm zu installieren. Ähnlich aufgebaut waren die leichteren Batterien. Zur Nahverteidigung bei etwaigen Landungen war jede Batterie mit einer Vielzahl von Bunkern, Stellungen und Stützpunkten umgeben, die jeden direkten Angriff auf die Festung durch landende Truppen unmöglich machen sollten. Diese Bunker existieren auch heute noch.

Während die Dänen die Festung in Hanstholm weitgehend zerstörten, nutzte das norwegische Militär die Batterie „Vara“ bis 1952 zur Küstenverteidigung. Beide Areale sind heute in Museen umgewandelt und zugänglich.


1.

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2.

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3.

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4.

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5.

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8.

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11.

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12.

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Die Reise in die Vergangenheit beginnt am südlichen Rand des Ringkøbing-Fjords. Hier war die Stützpunktgruppe Nymindegab. Versteckt in den Heide-Hügeln befinden sich zwei kleine Mannschaftsbunker. Am Strand, bei Flut von der Brandung umspült, versinken langsam mehrere Verteidigungsbunker im Sand. Gerade einmal hüfthoch schauen die Eingänge aus dem Sand. Sie stehen so schief, dass einem im Inneren schwindelig wird.

Noch kurz vorweg: kurz vor dem Urlaub ging meine kleine Kamera kaputt. Die Kamera die ich mir geliehen habe war fehlerhaft und somit musste das iPad und eine Werkstattkopflampe herhalten. Qualitativ sind es also nicht die Bilder also nicht die allerbesten. Spannend ist es aber dennoch. Im zweiten Jahr im nördlichen Westjütland hatte ich meine DSLR dabei somit sind diese Fotos besser.

1.1 Bunker in der Heide

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Einige hundert Meter entfernt vom Strand befindet sich ein kleiner und ein mittlerer Mannschaftsunterstand.
Innen findet sich nichts außer ein paar Rohren und etwas Müll.

[Fotos aus dem Jahr 2013]


1.2 Bunker am Strand

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Am Strand befinden sich einige wenige Verteidigungsbunker, die im Sand versinken.

[Fotos aus dem Jahr 2013]


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In Hvide Sande sehen wir den Bunker meiner Kindheit. Ein Beobachtungsbunker auf dem Troldbjerg mit der schönen Regelbaunummer 666.

2.1 Regelbau 666 – Infanteriebeobachtungsstand mit Kleinstglocke

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Dieser Bunker war meine ganze Kindheit lang verschlossen. Seit ein paar Jahren ist er jedoch geöffnet.

Es wurden 1900 Kubikmeter Erde ausgehoben, 630 Kubikmeter Beton und 28 Tonnen Rundstahl verbaut. Der Regelbau 665 diente als Beobachtungsstand in den Schwerpunktabschnitten für Kompanie- und Bataillonsführer, die im Hauptkampffeld an Stellen beobachten sollten, die voraussichtlich unter stärkstem Feindfeuer liegen würden. Dieser Regelbau kam vor allem für solche Befehlsstellen in Frage, aus denen zugleich das Feuer der Inf.Gesch.Züge und der s.Gr.Werfergruppen geleitet werden mußte. Der Regelbau bot bis zu 6 Mann bettenmäßige Unterkunft.

Regelbau 666 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2013]


2.2 Regelbau 675 – Kleinunterstand für Wasserversorgung

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Unterhalb von Regelbau 666 mit Panzerkuppel befindet sich ein kleiner Bunker für die Wasserversorgung. In ihm befindet sich noch ein Teil der originalen Schutzlüftungsanlage.

Regelbau 675 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2013]


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Am Strand in Søndervig häufen sich die Regelbauten aus dem Dritten Reich. Der Strandeingang wird von zwei mächtigen Bunkern flankiert auf denen einst 5 cm Kampfwagenkanonen montiert waren. Sie verbergen ihr Inneres. Hier wurden auch militärische Erprobungen vorgenommen. Unter anderem wurde ein Mörser gebaut, der 120 Mörsergranaten vom Kaliber 5 cm mit 600 m Schussweite in einer Minute abfeuern konnte.

3.1 Bunker am Strand

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Am Strand befinden sich diverse kleine Beobachtungs- und Geschützbunker.
Sie sind nahezu zur Hälfte mit Sand bedeckt.

[Fotos aus dem Jahr 2013]


3.2 Regelbau 600 – Geschützstellung für 5cm Kwk (Variante)

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Dies sind die beiden großen Geschützstellungen. In meiner Kindheit waren sie nur halb so frei von Sand wie heute.

Regelbau 600 (Variante) auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2013]


Etwa 4 Kilometer nordwärts wird in der Ferne ein mächtiger Betonklotz sichtbar. Es ist das eigentliche Ziel unserer Bunkersuche. Regelbau 636 Leitstand für die Heeresküstenbatterie. Leider wurden im vergangenen Jahr Tonnen von Sand zur Dünensicherung an den Bunker gekippt. Eine kleine Enttäuschung. Der Eingang liegt Meter unter dem Sand und die Unterseite des Leitstandes ist unterspült worden und weggekrochen. Die zwei Etagen im Inneren verschwinden fürs erste im Sand der Zeit.

3.3 Bunker Strand Kryle

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Der Radarstation „Ringelnatter“ vorgelagert befinden sich an die 20 Bunker am Strand. Im Krieg war die Küstenlinie noch 70-80 Meter weiter im Meer. Das bedeutet, dass viele Bunker heute im Meer liegen. 2012 wurden die noch sichtbaren Strand-Bunker meterhoch mit Sand bedeckt um die Küstenlinie gegen Stürme zu sichern.

[Fotos aus dem Jahr 2013]


3.4 Regelbau 636 – Leitstand für Heeresküstenbatterie

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Aus diesem Grund konnten wir den großen Leitstand nicht mehr betreten. Der Eingang liegt unter dem Sand und der Vorbau unter der Aussichtsscharte ist eingebrochen was ein betreten unmöglich macht.

Regelbau 636 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2013]


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Mit trüber Miene betraten wir den schmalen Landstrich hinter Regelbau 636 und wurden überrascht. Man „stolpert“ nahezu über große Mannschaftsbunker.

4.1 Diverse Regelbauten – Mannschafts-, Küchen-, Lager-, Beobachtungsbunker

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Mal lugt nur ein kleiner Betonstreifen aus der Düne, manchmal stehen jedoch zwei oder gar drei dicke Dinger mit offenen Türen nebeneinander. Leergeräumt sind sie alle und bis auf Müll gibt es oft nicht zu sehen. Die Geschichte jedoch kann man, geschwängert von salziger Luft und Wasser, in jedem Raum riechen. Wie die meisten Zeugen des Dritten Reichs kann man nur erahnen, was hier einst von statten ging. Die „Radarstation Ringelnatter“ mit über 50 verschiedenen Regelbauten, darunter ein Krankenhaus, vielen Flak- und Beobachtungsbunkern, einer „Kirche“ und einem Jägerleitstand liegt heute tatsächlich fast märchenhaft verträumt wie ein verlassenes, in Beton gegossenes Auenland in den mit Heide und Gras bewachsenen Dünen.

[Fotos aus dem Jahr 2013]


4.2 Regelbau L 487 – Leitstand mit Unterstand für Ortsfeste Funkmeßgeräte

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Einzig der große, über zwei Stockwerke gehende Regelbau L 487 zur Nachtflugüberwachung vermittelt uns keine guten Schwingungen. Im modrigen Dunkel dieser Gruft fällt es schwer sich vorzustellen, dass in dem großen Loch im Boden einst ein großer Glastisch und in den Pkw-breiten Durchgängen riesige Glasplatten montiert waren. Hier wurden die Informationen des „Würzburg-Riesen-“ und des „Freya-Radars“ zusammen mit einem sogenannten „Seeburg-(Glas)-Tisch“ zur Leitung von Nachtjagdflugzeugen eingesetzt. Wir sind irgendwie erleichtert als wir auf den Knien durch den Ausgang kriechen. Die Stille, die jeden Schritt durch die Gänge hallend verstärkte weicht dem Rauschen des Windes durch das Dünengras und erleichtert nehmen wir einen Zug salzige Nordseeluft. Dieser zweigeschossige Bau hat eine Raumfläche von ca 400 m2. Die benötigten Baustoffmengen betrugen an Beton 2550 m3, an Zement 1020t, An Rundstahl 130t und an Formstahl 32t.

Regelbau L 487 auf regelbau.dk

[Fotos aus dem Jahr 2013]


Nun zum eigentlichen Kerntechnik der Anlage. Die Radaranlagen.

4.3 Radar Freya

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Das Funkmessgerät Freya war eine frühe Entwicklung der Radartechnik im Deutschen Reich. Der Deckname Freya stammt von der nordischen Göttin Freya. Dieser wird in Erzählungen die Fähigkeit zugesprochen, in der Nacht sehen zu können. Während des Zweiten Weltkrieges wurden über tausend Geräte installiert. Erste Tests des später als Freya bezeichneten Frühwarnradars fanden in den ersten Monaten des Jahres 1937 statt. Die erste Lieferung einer funktionsfähigen Station an die Kriegsmarine erfolgte im Jahre 1938 durch die Firma GEMA (Gesellschaft für Elektroakustische und Mechanische Apparate). Es scheint, dass der Radarentwicklung im Deutschen Reich eine weitaus höhere Aufmerksamkeit zuteilwurde, als es später im Krieg in Großbritannien der Fall war. Das Radar Freya war technisch bereits weiter entwickelt als das britische Gegenstück Chain Home. Es wurde mit einer Wellenlänge von 1,2 m betrieben, das Chain Home dagegen mit 12 m. Das hat die Auflösung gegenüber Chain Home drastisch erhöht, wodurch sehr viel kleinere Objekte erkennbar waren. Aufgrund der aufwändigen Konstruktion waren bei Kriegsbeginn allerdings nur acht Geräte im Einsatz, die die zu überwachenden Gebiete nur sehr lückenhaft abdecken konnten. Das britische Chain-Home-Radar war einfacher ausgelegt und fehleranfälliger als Freya, aber im Vergleich zu Freya konnte Chain Home bedeutend schneller installiert werden; das gesamte System Chain Home war zum Zeitpunkt der Luftschlacht um England („Battle of Britain“) vollständig einsatzbereit.

[Fotos aus dem Jahr 2013]


4.4 Radar Würzburg-Riese

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Der Würzburg-Riese ist ein Radargerät von Telefunken und diente während des Luftkriegs im Zweiten Weltkrieg zur Ortung feindlicher Flugzeuge. Es handelte sich um eine vergrößerte Version des FuMG 62 Würzburg und verwendete wie dieses Frequenzen um 560 MHz (Dezimeterwellen). Die Mitte 1941 eingeführten ortsfesten „Riesen“ (Tarnbezeichnungen: Funk-Sende-Empfänger FuSE 65 bzw. Funkmessgerät – FuMG 65; Ausführung Kriegsmarine: Funkmess-Ortungsgerät FuMO 214) dienten zur Führung der Nachtjäger der Luftwaffe und wurden zur Feuerleitung auf den Leittürmen der großen Flaktürme installiert. Einige Würzburg-Riesen (FuSE 65 E) waren auf Eisenbahnwaggons montiert.

Der Luftwaffenexperte und General Josef Kammhuber, Kommandeur der Nachtjäger, plante und realisierte eine Verteidigungslinie aus sogenannten „Himmelbett“-Stellungen, die bei den Engländern unter dem Namen seines Organisators als „Kammhuber-Linie“ bekannt wurde. Die zuletzt über 1000 km lange „Kammhuber-Linie“ zog sich von Dänemark bis nach Nordfrankreich und war ein ausgeklügeltes System aus Funkmessstellungen, Nachtjägerflugplätzen, Flakbatterien und Flugwachen, die alle telefonisch mit Jägerleitständen verbunden waren. Die Radarstationen mit sich überschneidenden Erfassungsbereichen, Scheinwerferstellungen und startbereite Nachtjägereinheiten sollten die britischen und später auch amerikanischen Flieger vom deutschen Luftraum fernhalten. Ein zentrales Informationszentrum – von mehreren Gefechtsständen – der Kammhuberlinie befand sich in dem Gefechtsstand der 3. Jagddivision, einer Bunkeranlage im niederländischen Schaarsbergen bei Arnheim. Der Bunker der 3. Jagddivision ist erhalten und wird als „Hulpdepot van het Algemeen Rijksarchief“ genutzt; er findet sich neben der Zufahrt zum südlichen Eingangsbereich des Nationalparks Hoge Veluwe am Koningsweg.

Ab Juli 1943 störten die Alliierten die Wirksamkeit der Radaranlagen durch das Abwerfen von Stanniolstreifen (Düppel). Die vielen Radioechos irritierten zunächst die deutsche Luftabwehr. Bald gelang es aber, über den Dopplereffekt die Geschwindigkeit der georteten Objekte zu bestimmen und die langsam schwebenden Metallstreifen auszublenden. Diese Technik wurde auch bekannt als die „Würzburger Lösung“ oder kürzer als „Würzlaus“, bestehend aus Würz von Würzburg und Laus, der als Codename der einstigen geheimen Methode verwandt wurde. Dabei wird beim Empfänger mittels Filter exakt die eigene Sendefrequenz ausgeblendet. Nur die Frequenzen knapp oberhalb und unterhalb der eigenen Sendefrequenz wurden empfangen. Ein sich bewegendes Objekt bewirkt über den Dopplereffekt eine leichte Frequenzverschiebung. Da also nur die Frequenzen von sich bewegenden Objekten (hier: Bomber) erfasst wurden und die nicht veränderten Frequenzen der stehenden Objekte (hier: langsame Stanniolfolie der „Düppel“) ausgeblendet wurden, waren plötzlich die Bomber wieder klar auf dem Anzeigegerät. Dieses Verfahren ist heute als Moving Target Indication bei fast allen modernen Radargeräten Standard. Es können somit alle „Hintergrund“-Echos ausgeblendet werden.

[Fotos aus dem Jahr 2013]


4.5 Radar Wassermann

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Das Radargerät (Funkmessgerät (FuMG)) mit dem Decknamen „Wassermann“ (FuMG.402) war eine Weiterentwicklung des FuMG.80 „Freya“ und wurde im Zweiten Weltkrieg zur sogenannten „Fernstsuche“ eingesetzt. Die Geräte für den ortsfesten Einsatz wurden ab 1942 bei der GEMA unter der Leitung von Theodor Schultes entwickelt. Ziel der Arbeiten war, durch eine Verbesserung der Antennenanlage ohne große Schaltungsänderungen am Sender und Empfänger des Freya-Gerätes dessen Reichweite und Peilgenauigkeit zu erhöhen.

Es wurden insgesamt sieben verschiedene Ausführungen entwickelt. Die beiden wichtigsten Varianten sind nachfolgend erläutert:
Das Funkmessgerät FuMG.41 „Wassermann L“ („leicht“) war die Zusammenschaltung von vier Freya-Antennenfeldern übereinander auf einem 40 Meter hohen drehbaren Stahlgittermast. Eine weitere Ausführung war das FuMG.42 „Wassermann S“ („schwer“). Dafür wurden acht Freya-Antennenfelder auf einem 60 Meter hohen Rohrmast montiert, vier übereinander und zwei nebeneinander. Die Zusammenschaltung der Antennenfelder ergab eine Bündelung des Strahlungdiagrammes. Es konnte so bei gleichbleibender Sendeleistung eine höhere effektive Strahlungsleistung (ERP) erzielt werden und damit verbunden auch eine höhere Reichweite. Dies wurde allerdings erkauft durch einen höheren Materialeinsatz. Die Zusammenschaltung von Antennen übereinander bei „Wassermann L“ ergab ein flacheres vertikales Strahlungsdiagramm und eine höhere Reichweite bei gleichbleibendem Öffnungswinkel, die Peilgenauigkeit blieb somit gleich. Durch eine Reihung nebeneinander beim „Wassermann S“ konnte auch die Peilgenauigkeit verbessert werden.

[Fotos aus dem Jahr 2013]


4.6 Regelbau 409a – Unterstand mit aufgesetztem Geschützstand für 2,0 – 3,7 cm Flak

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Als letztes noch ein kleiner Bunker zur Abwehr von Tieffliegern. Weiterhin waren in der Anlage vier 8,8 cm-Flaks installiert.

Regelbau 409a auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2013]

Wenn auch Zeuge einer schweren Zeit ist dies ein spezieller Ort der durch seine malerische Umgebung seinen ganz eigenen Reiz besitzt.

[Fotos aus dem Jahr 2013]


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Im Jahr 2014 wanderten wir erneut auf den Geschichtspfaden an der dänischen Nordsee.

5.1 Festung Tyborøn

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Dies sind die Reste der Festung Thyborøn. Entstanden ist hier eine der dichtesten Bunkernlagen in Dänemark mit 66 großen und 40 kleineren Betonbunkern. Die Festung Thyborøn ist durch einen dänischen Architekten massgeblich mitgeplant worden. Dieser Architekt, den man heute hauptsächlich unter dem Namen „Schildkrötenspion“ kennt entwarf Tarnungsmöglichkeiten für die Batterie und kopierte sämtliche Pläne für den dänischen Widerstand. Dadurch ist die Festung Thyborøn wahrscheinlich die am besten erforschte Anlage des Atlantikwalls. Auch die Tarnung der Bunker als Dünenhof und Sommerhäusern ist einzigartig.

[Fotos aus dem Jahr 2014]


5.2 Leitstand für die Heeresküstenbatterie (R 636)

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Beginnt man in Thyborøn und läuft die Anlage südwärts ab so findet man zuerst einige Mannschaftsunterstände für 20 Mann (Regelbauten 622 – der häufigste Bunkertyp in Dänemark) und den Flakleitbunker (FL 241). Letzterer wird heutzutage von der dänischen Marine für nahezu den selben Zweck wie damals genutzt. Ein betreten ist nicht möglich. Die Bunker am Strand sind meist nur einige Zentimeter über dem Sand zu sehen und Anfang des Jahres 2014 wurden einige, für Touristen gefährliche Bunkerreste entfernt. Interessanter werden die Bunker im südlichsten und am dichtesten bebauten Abschnitt der Festung. Hier findet man zuerst den grossen Leitstand für die Heeresküstenbatterie (R 636). In Houvig nahe Sondervig steht ebenso ein Regelbau. Dieser ist jedoch im letzten Jahr vorne eingebrochen. Der R 636 in Thyborøn ist gut erhalten. Er wurde vom „Schildkrötenspion“ mit Dachziegeln, Schornstein und aufgemalten Fenstern versehen und wirkt auf Luftbildern wie ein dänischer Dünenhof.

Regelbau R 636 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2014]


5.3 Schartenstände für Geschütze auf mittlerer Sockellafette 120° (R 671)

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Direkt daneben findet man vier Schartenstände für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume 120° (R 671). Ausgerüstet waren sie mit 10,5cm Kanonen. Sie wurden vom „Schildkrötenspion“ mit einer Satteldachatrappe und sogar einer „Veranda“ versehen. Mit Bemalung wirkten sie damals wie gewöhnliche Ferienhäuser. Ganz allmählich versinken sie im Sand. Gesäumt werden diese Bunker durch Flakbunker, Scheinwerferbunker, Pak-Bunker, Ringständen und Flankierungsbunker.

Regelbau R 671 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2014]


5.4 Gruppenunterstand für 20 Mann (R 622)

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Hinter der Batterie am Strand liegen zahlreiche Mannschaftsbunker, wie dem R 622, in denen man gelegentlich sogar noch Beschriftungen an den Wänden findet. Desweiteren steht hier ein grosser Scheinwerferbunker für einen 150cm Scheinwerfer (F 277). Den Scheinwerferbunker konnte ich aufgrund des schlechten Wetters nicht auf Foto bannen.

Regelbau F 277 auf fortiff.be
Regelbau R 622 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2014]


5.5 Regelbau L 487 Jägerführung zur Nachtflugüberwachung

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Geht man hinter den Dünen zurück Richtung Norden gelangt man an den (geheimen), über zwei Stockwerke gehende Regelbau L 487 zur Nachtflugüberwachung. Baugleich mit dem L 478 in Houvig, war in dem großen Loch im Boden einst ein großer Glastisch und in den PKW-breiten Durchgängen riesige Glasplatten montiert. Hier wurden die Informationen des “Würzburg-Riesen-” und des “Freya-Radars” zusammen mit einem sogenannten “Seeburg-(Glas)-Tisch” zur Leitung von Nachtjagdflugzeugen eingesetzt. Durch die Lage nah am Strand ist dieser Bunker nicht betretbar. Die Eingänge sind voll Sand und das untere Stockwerk steht unter Wasser. Eine dunkle Gruft, feucht mit gelben Wänden und gespenstisch wirkendem rotem Wasser und Tropfsteinen. Vom Betreten muss ich aus Sicherheitsgründen abraten!

Regelbau L 478 auf regelbau.dk

[Fotos aus dem Jahr 2014]


5.6 Gruppenunterstand für 10 Mann (R 621)

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Ein wenig weiter nördlich befindet sich der restaurierte Gruppenunterstand für 10 Mann (R 621), der nach den Ideen des „Schildkrötenspions“ als kleines Industriegebäude mit Fenstern und Laderampe getarnt wurde. Da es sich mittlerweile innerhalb des Küstencenters befindet zeige ich ihn nur von aussen.

Regelbau R 621 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2014]

Geht man durch den Ort Thyborøn stolpert man immer wieder auf Reste der Besatzer. Nach dem Krieg wuchs die Stadt über die Bunker in der Innenstadt hinaus. Gut zu erkennen sind einige Verladegleise.

[Fotos aus dem Jahr 2014]


5.7 Beobachtungsposten Hafeneinfahrt

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[Fotos aus dem Jahr 2014]

Direkt an der Hafeneinfahrt Thyborøns befindet sich noch ein kleiner Bunker. Er diente als Beobachtungsposten. Von hier aus konnte man die eine Minensperre, die den Hafen schützte zünden.



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Ein wenig südlich von Thyborøn findet man kaum noch Betonbauten. Der gesamte Abschnitt von Thyborøn bis Thorsminde war komplett mit zumindest der Standart-3er-Kombination aus zwei Flankieriungsbunkern und einem Ringstand versehen, von denen man am Strand quasi keine mehr finden kann. Im Laufe der Jahre sind sie im Sand versunken. Jedoch findet man im Hinterland noch einige wenige Bunker.

6.1 Schartenstand für 7,5 cm Pak 40 ohne Nebenräume (R 680)

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Im Bereich Harboøre befinden sich zwei Schartenstände für 7,5 cm Pak 40. Sie sollten die nahe Bahnstrecke schützen und wurden leicht getarnt. Der MG-Ausguck wurde nach oben verlängert. Zum einen um einen erhöhten Aussichtspunkt zu haben und zum anderen um dem Bau den Schein eines Wohnhauses mit Schornstein zu geben. Der hier gezeigte Bunker steht auf einer Pferdekoppel und konnte deswegen nur von weitem betrachtet werden. Der zweite Bunker steht in einem Waldstückchen welches sich auf Privatgelände befindet.

Regelbau R 680 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2015]



6.2 Gruppenunterstand für 10 Mann (R 621)

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Ein wenig südöstlich der Schartenstände findet man auf den ersten Blick zwei kleinere Gruppenunterstände für 10 Mann. Sie wurde aufwändiger getarnt. Wie auch schon in Thyborøn wurden diese Bunker nach den Vorlagen des „Schildkrötenspions“ mit einer betonierten Satteldachatrappe und Fenstern versehen. Die Fenster war sogar „dreidimensional“. Im Beton wurden beim Bau leichte Vertiefungen direkt mit eingebaut welche dann mit verschiedenfarbigen Brettern und Balken bestückt wurden um den Eindruck echter Fenster zu vermitteln. Im Inneren findet man die typische gelbe Wandfarbe. Auf den zweiten Blick fand ich zwei weitere seltsame Bunkerbauten. Sie sind nahezu unterirdisch, nur der rückwärtige Teil kommt an die Oberfläche. Sie besitzen auf der Rückseite zwei an Notausgänge erinnernde, gerade mal einen Meter hohe Eingänge. Betritt man diese Objekte von hinten so gelangt man nach einigen kleinen verwinkelten Räumen auf einen Raum der an eine Garage erinnert. Er ist an die zwei Meter hoch und wurde vorne mit einem Metalltor verschlossen. Reste dieses dünnen Tores sind noch vorhanden. Interessant ist, dass die Bauart bunkermässig wirkt, aber durch die dünne Decke kaum richtig bombensicher wäre. Ich finde auch keinen Regelbau der diesem Objekt nahe kommt. Eventuell handelt es sich um eine feldmässig verstärkte Garage oder einen Unterstand für einen kleinen Scheinwerfer. Eventuell wurden hier kleine Geschütze feldmässig aufgestellt.

Regelbau R 621 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2015]



6.3 Bunker am Strand

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Wie oben erwähnt findet man am Strand südlich von Harboøre kaum noch Betonbauten. Im Laufe der Jahre sind sie im Sand versunken.

[Fotos aus dem Jahr 2015]



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Wieder ein wenig mehr im Süden befindet sich der kleine malerische Leuchtturm „Bovbjerg Fyr“.

7.1 Funkmessortungsstelle Bovbjerg

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Direkt an der Steilküste befinden sich die Reste der Funkmessortungsstelle Bovbjerg. Als erstes sticht einem der Sockel des „BOCKSBERG“-Radars, des FuMO 214 „Würzburg Riese“ ins Auge. Er wurde vor Jahren blau gestrichen. Desweiteren befand sich hier „BOHNE“, die Funkmess-Beobachtung-Stellung FuMB 21, zwei kleine Gruppenunterstände (R 668) und einige Betonfundamente für radartechnische Anlagen. Auf dem kleinen Hügel direkt vor dem Leuchtturm befand sich ein FuMo 5 „Boulogne“-Radar.

Schematische Darstellung verschiedener FuMos auf www.gyges.dk

[Fotos aus dem Jahr 2015]

 


7.2 Informationsstützpunk Ferring

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Nebenan befand sich der Informationsstützpunkt Ferring. Er bestand hauptsächlich aus einem Doppelgruppenunterstand für 20 Mann (R 622), welcher mit Antennendurchführungsrohren und dem Antennenverschlußkopf 947S6 zur Funkstellung umgebaut wurde, einem Gefechtsstand für verstärkte Kompanie (R 610) und einiger Tobruks und R 666. Der Regelbau 610 scheint als Wasserspeicher umgenutzt worden zu sein und ist verschlossen. Der Regelbau 620 ist gerade noch so zu betreten. Ein wenig verwundet war ich schon, als ich die vorhandenen Originaltüren und einige Reste von Bettgestellen sah. Für gewöhnlich sieht man Metallteile in Dänischen Bunkern eher selten. Leider wurde auch hier viel Müll abgeladen.

Regelbau R 622 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2015]


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Nun machten wir uns auf den Weg ein paar Kilometer ins Landesinnere zu dem wirklich hübschen kleinen Fischerdorf Lemvig.

8.1 Divisionshauptquartier Lemvig

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Schon am Abend des 09. April 1940 hatten sich die Deutschen in Lemvig häuslich eingerichtet. Später wurde die Stadt das Hauptquartier der 166. Reserve-Infanteriedivision, die das Gebiet zwischen Hanstholm und dem Südende des Ringkøbing Fjords hesetzt hielt. Daneben standen hier auch Einheiten der Marine und der Luftwaffe; im Ganzen waren es ca. 20.000 deutsche Soldaten.

in Nr. Nissum wurde 1944 ein deutsches Strafbataillon einquartiert. Die Männer sollten bei der Hafenbahn in Lemvig unterirdische Stollen in den Abhang graben, in dem der Divisionsstab eine bombensichere Unterkunft beziehen sollte. Ausserdem wurde am Lemvig-See ein Munitionsdepot in den Abhang gegraben.

Diese Stollen waren einmalig in Dänemark, und soweit bekannt ist, gab es auch im Ausland nichts Vergleichbares. Die Gänge waren mit Holz ausgekleidet und ca. 2 m hoch und 1,5 m breit. Im Munitionsdepot gab es nur Gänge, aber keine grösseren Räume. Ganz anders im Divisionahauptquartier. Bei allen sechs Eingängen befand sich ein kleines WC, und ausser Munitionskammern gab es verschiedene grössere Räume für die verschiedensten Zwecke, z.b. Eine Telefonzentrale, einen Fernschreiberraum und sogar ein Gerichtssaal.

Die beiden sehr interessanten deutschen Anlagen wurden nach dem Krieg leergeräumt und mit Erde und Sand verfüllt. Zwei der kleinen WCs mit Splitterschutz an den Eingängen des Divisionshauptquartiers sind jedoch erhalten geblieben.

[Fotos aus dem Jahr 2015]



8.2 Heeresküstenbatterie Tørring

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Im Frühjahr 1944 begannen die Deutschen den Bau einer Batterie die den West-Eingang des Limfjords decken sollte. Als Geschütze wurden vier erbeutete russische 122 mm Kanonen in Schartenständen für Feldgeschütze ohne Nebenräume 60° (R 669) aufgestellt und zusätzlich drei kleine MG-Bunker gebaut. Einer der Schartenstände wurde so konzipiert, dass es möglich war, die Kanone rückwärts aus dem Bunker zu ziehen und feldmässig aufzustellen. Dies eröffnete ein 360-Grad-Schussfeld. Mit der effektiven Schußweite von 12 km konnte die Limfjordmündung gerade noch, dafür die Landzunge südlich Thyborön aber sehr gut unter Feuer genommen werden. Heute sind die Schartenstände überwachsen und stark verwittert. Im Inneren gammeln alte landwirtschaftliche Metallteile vor sich hin.

Regelbau R 669 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2015]



8.3 Unbekannte Heeresküstenbatterie

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Unweit westlich der Heeresküstenbatterie Tørring befand sich nach Aussagen einiger meine Quellen ebenfalls eine Heeresküstenbatterie. Zu sehen sind heute nur noch ein kleiner Beobachtungsposten und ein Doppelgruppenunterstand. Der Doppelgruppenunterstand befindet sich auf Privatgelände und ist bis an die Oberkante im Feld eingesunken. Der auf einem kleinen Hügel gelegene Beobachtungsposten scheint kein Regelbau zu sein. Man betritt quasi durchs Kellergeschoss einen einzelnen Raum in dem Steigeisen in die betonierte Beobachtungsglocke führen. Der Zugang ist vermauert worden. Die Geschütze wurden alle feldmässig aufgestellt. Eventuelle Betonplätze sind nicht mehr erkennbar.

[Fotos aus dem Jahr 2015]



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Wenige Tage nach der Besetzung Dänemarks im April 1940 teilten die deutschen Militärbehörden den örtlichen dänischen Behörden mit, dass auf einem etwa 60 ha großen Gelände südlich der Romer Kirche ein Flugplatz angelegt werden soll. Die Arbeit begannen bereits im gleichen Jahr. Es wurden eine Graslandungsbahn, Betonrollfelder, Feldhangar, Munitions- sowie Benzin-Depots sowie Flak-Stellungen errichtet. Der Flugplatz diente jedoch nur als Reserve-Flugplatz, nachdem im Jahre 1942 ein größerer Flugplatz bei Grove angelegt wurde, – heute bekannt unter dem Namen Flughafen Karup. Die 11 Betonbunker (R 622) des Platzes wurden erst in den Jahren 1943-44 erbaut, als der Flugplatz als Stützpunkt zur Rundumverteidigung ausgebaut wurde. Heute wird auf einem Teil der ehemaligen Anlage im Norden des Areals Sportfliegerei betrieben.

9.1 Reserveflugplatz Rom – Feldhangars & Schiessstand

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Neben den 11 großen Betonbunkern (R 622) und einem zweistöckigen Sanitätsbunker (heute: Museumsbunker; in diesem befindet sich eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Platzes), gab es außerdem 24 Feldhangars (Erdwälle mit Tarnetzen darüber), das ganze verbunden mit teils betonierten Rollwegen, die heute noch zur Hälfte der Ursprungsbreite vorhanden sind, daneben Schützengräben, Stacheldraht (265 km Länge) und sehr viele Minen (über 2000 Panzerminen und ca. 1500 Tretminen) drumherum. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen den gesamten Bereich einmal zu umlaufen und so starteten wir in der Nähe der Feldhangars. Leider ist der gesamte Bereich nicht gerade so erschlossen, dass man einen schönen Rundgang machen könnte. Nach anfänglicher Freude über den wunderbaren Wald der sich um die Feldhangars erstreckt ging die Stimmung bergab als wir feststellten, dass der gemeine Tourist wohl eher mit seinem Auto vor die Objekte fährt statt dorthin zu laufen. Der Sanitätsbunker befindet sich auf der anderen Seite einer stark befahrenen Landstrasse und die Wege der einen Seite führen sich auf der anderen Seite nicht fort. Zwar entdeckten wir beim herummirren durch den Wald noch den alten Wehrmachtsschiessstand, aber beim Sanitätsbunker hatten wir eigentlich die Faxen dicke. Wir wollten nur noch zurück zum Auto, da wir durch das lange Wegesuchen durch die Sonne schon ordentlich Farbe bekommen haben. Leider wurde auch durch den Segelflugplatz der direkte Weg zurück zum Auto abgeschnitten und wir mussten wieder aussen drumherum. Insgesamt ist es sehr schade, dass man dort die Bunker nicht im Zuge eines schönen Spazierganges anschauen kann.

[Fotos aus dem Jahr 2015]

[Fotos aus dem Jahr 2015]


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Nördlich von Thyborøn auf der Landzunge Agger befinden sich die Reste der Agger-Batterie

10.1 Agger Tange

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Hier war eine Radarstation mit dazugehörigen Mannschaftsbunkern angelegt. zur Verteidigung dienten Flak-Bunker und eine Sperrbatterie mit einem 12,7cm-Geschütz. Von dieser ist nichts mehr zu sehen, da sie in den Küstenschutz integriert wurden. Am Strand findet man den typischen R 622 für 20 Mann, Flankierungsbunker, den schiefstehenden Radarbunker mit Turm den man schon von weitem sehen kann. Der Stand für Funkmeß- und Ortungsgeräte mit Zerstörersäule (Regelbau V174) hatte auf dem Turm ein „Würzburg-Riese“-Radar installiert. Flankierend steht der Leitstand für leichte Seezielbatterie (M 162a). Die Metallstützen der Betondecke der Beobachtungsplattform haben mittlerweile den Kampf gegen die Witterung aufgegeben, so dass auch hier das Betreten nicht möglich ist.

Regelbau V 174 auf regelbau.dk
Regelbau M 162 auf fortiff.be

[Fotos aus dem Jahr 2014]



10.2 Infanteriestützpunkt Agger

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Im Dorf Agger findet man ebenfalls Reste von Bunkeranlagen, eines grossen Exerzierplatzes und Reste von Radarstationen. Auch hier wuchs das kleine Örtchen über die Bunker hinaus, so dass sie oft nicht mehr zu finden sind. Dieser größere Infanteriestützpunkt längs der dänischen Westküste war Eckpfeiler für die ‚1. Linie‘, die sich längs der Küste entlangzog und bildete quasi das Rückgrat der infanteristischen Verteidigung. Als Gefechtsstand dieser mit 80-300 Mann belegten Widerstandszentren diente oft ein R 610. Die Besatzung von Agger belief sich auf 252 Mann, zzgl. 8 Mann einer Flugwache (der Luftwaffe unterstellt) und im Januar 1945 noch 8 Mann einer zivilen Baufirma. Für die Feindbeobachtung wurden, wesentlich häufiger als in anderen Regionen des Atlantikwalls, die Typen R 665 oder R 666 verwendet. An Festungswaffen sind bei größeren Stützpunkten Maschinengranatwerfer M 19 mit dem Kaliber 5 cm in R 633 eingebaut, in diesem Fall ein Panzerturm der Kodierung 424 P01.

[Fotos aus dem Jahr 2014]


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Auf unserer Reise überspringen wir die kleinen Standorte Nørre Vorupør und Klitmöller. Da ein Besuch der Hanstholm-Anlagen geplant war blieb für die kleinen Stellungen keine Zeit.

11.1 Festung Hanstholm

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Der erste Anlaufpunkt in Hanstholm ist die südliche Batterie Hanstedt 1 mit vier Geschützschartenständen 150mm 120° (M 270) für 17cm-Kanonen. Umrandet ist die Geschützstellung, die wir „liebevoll“ das „Hobbitland“ nennen da die Geschützbunker in einer grasbewachsenen künstlichen Dünnengruppe stehen, von den üblichen Mannschafts-, Scheinwerfer- und Flakbunkern. Flankiert wird die Anlage vom „Pottwal“, dem Leitstand für leichte Seezielbatterie (M 162). Auch hier findet man seltene Wandbeschriftungen. Diese Batterie lässt minimal erahnen, was einen in der Batterie Hanstedt 2 erwartet. Zuvor suchte ich jedoch einige der Flakbatterien auf.

Regelbau M 270 auf fortiff.be
Regelbau M 162 auf fortiff.be
Batterie „Hanstholm 1“ auf hanstholmregistreringen.dk

[Fotos aus dem Jahr 2014]

 


11.2 Artillerie-Kommandobunker (Arko)

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Zuerst viel uns die erste Sonderkonstruktion, der Artillerie-Kommandobunker (Arko), auf. Dieser wird jedoch von der dänischen Marine genutzt, so dass uns das Innere verborgen bleibt. Dort machten wir eine interessante Entdeckung. Auf der betonierten Oberseite sind, bevor damals der Beton hart wurde, einige „Dinge“ hindurchgelaufen und haben Spuren hinterlassen.

„Arko“ auf hanstholmregistreringen.dk

[Fotos aus dem Jahr 2014]

 


11.3 10,5cm-Flakbatterie

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Ich wusste in etwa wo die 10,5cm-Flakbatterien zu finden wären, jedoch ahnte ich nicht, dass alle Standorte zugeschüttet wurde. Man sieht oft nur den kreisförmigen Betonring an der Oberfläche. Keiner der Bunker an den schweren Flakbatterien war betretbar. Gefunden haben wir Reste der Schweren Flakstellung (F 243) und dem dazugehörigen Leitstand (F 244).

Regelbau F 243 auf fortiff.be
Regelbau F 244 auf fortiff.be
2.Flak auf hanstholmregistreringen.dk
4.Flak auf hanstholmregistreringen.de

[Fotos aus dem Jahr 2014]

 


11.4 Batterie Hanstedt 2

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Begeben wir uns in den Wahnsinn in Beton, die Batterie Hanstedt 2 mit vier Bettungen mit Munitionsräumen, Bereitschafts- und Maschinenräumen für die C/34, die 38cm Schiffsgeschütze der Firma Rheinmetall. Die Bunkeranlage eines einzelnen Geschützes maß 3000 m². Zum Bau wurden 6560 m³ Stahlbeton verwendet. Jedes Geschütz konnte unabhängig von den anderen operieren. So war gewährleistet, dass bei einem Ausfall, zum Beispiel der Feuerleitung, die Batterie weiter agieren konnte, da jedes Geschütz seinen eigenen Leitstand besaß. Die Bunker verfügten über alles, was der normale Gefechtsbetrieb erforderte. Neben Wohnräumen, Sanitäranlagen und Depots auch über eine Feuerleitanlage, Munitionsbunker und Maschinenräume. Die Bunker waren sicher vor Angriffen mit chemischen Kampfmitteln und galten als bombensicher. Die Besatzungsstärke eines Bunkers betrug 62 Mann Geschützpersonal sowie 50 Mann Funktionspersonal, also Maschinenwarte, Köche und andere. Die Munition der Geschütze wurde hauptsächlich, vor allem aus Sicherheitsgründen, in einem separaten Bunker gelagert. Im eigentlichen Geschützbunker verblieben lediglich 65 Schuss sowie die dazugehörigen Treibladungen. Die Munition wurde, falls benötigt, mittels einer Schmalspurbahn vom Munitionsbunker zum Geschütz transportiert, ebenso die Treibladungen. Die größte Treibladung, die genutzt wurde, wog 172 kg. Kombiniert mit der 800 kg schweren Standardgranate konnte eine Reichweite von 43.000 m erzielt werden. Speziell für diese Geschütze wurde das sogenannte „Siegfried“-Geschoss entwickelt. Es war „nur“ 500 kg schwer, erreichte aber mit der entsprechenden Treibladung die beachtliche Reichweite von 55.000 m. Um das Geschütz zu laden, wurden die Granaten und Treibladungen aus dem Magazin mittels eines Aufzuges zum Geschützturm gebracht. Der verwendete Ladestock maß 15 m und wurde von zwölf Mann bedient. Zuerst wurde die Granate eingeführt, schließlich die Treibladung. Die kleinste Treibladung wog 92 kg, die größte 172 kg. Das Pulver der Treibladungen wurde in Leinensäcken transportiert. Diese kamen in Stahlkartuschen. Nach dem Abschuss verbrannte der Leinensack und die Stahlkartusche blieb als einziger „Abfall“ zurück. Es war auch möglich, mehrere Treibladungen zu kombinieren. Dadurch wurde das Rohr aber zu stark abgenutzt. Überschritt die Treibladung 180 kg Pulver, mussten die Züge des Geschützrohres erneuert werden.

Hanstholm auf petromax.nl

Vorab muss ich zur Anlage einiges sagen. Wir waren mittelmässig schockiert als das Museum gegen 10 Uhr in der Frühe aufmachte. Wir wissen von den Dänen, dass insbesondere die Geschehnisse der Besatzung im 2.Weltkrieg, der Bevölkerung immer noch sauer aufstossen. Wenn man als Deutscher erkannt wird begegnet man oft mit einer seichten Ablehnung. Das ist für uns als Deutsche nichts besonderes, vieler Länder Leute, die damals von den Deutschen „überfallen“ wurden, haben diese Art Ablehnungshaltung. Allerdings fanden wir in Anbetracht dieser Geisteshaltung, das aufgemachte Museum an der 38cm-Batterie und den Umgang mit den Relikten missglückt. Die Bunker und aufgestellten Kanonen im Aussenbereich des Museums sind zwar grob Beschriftet mit „Was ist das“, wirken aber eher wie Spiel- und Klettermöglichkeiten für die Kinder. Unserer Meinung nach müsste ein respektvollerer Umgang mit diesen Dingen angestrebt werden. Der blanke Irrsin und Horror dessen, was dort einst passierte wird nahezu weggelassen. Informiert man sich nicht abseits des Museums, wird man über die Zustände für deutsche Soldaten und dänische Zivilpersonen nichts erfahren. Auch am restaurierten Zustand einiger Objekte haben wir etwas auszusetzen. Besichtigt man die ruinösen 38cm-Bettungen fallen einem viele Details auf, die in den Museumsbunkern entfernt oder übermalt worden sind. Bei Hakenkreuzen kann man das noch verstehen, aber was dort alles entfernt wurde macht keinen Sinn mehr. Aus diesen Gründen werde ich das Museum hier NICHT zeigen.

[Fotos aus dem Jahr 2014]

 


11.5 Kraftwerksbunker (Sonderkonstruktion Maschinenzentrale)

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Als wir den Bereich des Museums verliessen stiessen wir zuerst auf einen der Kraftwerksbunker (Sonderkonstruktion Maschinenzentrale). Hier wurde die Energieversorgung sichergestellt. Im Inneren findet man aus Resten von Rohren und Maschinensockel nicht viel. Hier gibts ausnahmsweise einige Originaltüren. Dies ist in Dänemark eher selten.

Diverse Bunker auf hanstholmregistreingen.dk

[Fotos aus dem Jahr 2014]

 


11.6 38cm-Geschützbettungen (Sonderkonstruktion 75/80)

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Wir betraten die 38cm-Geschützbettungen, die aus zwei zusammengeführten Bauten (Sonderkonstruktion 75/80) bestehen, immer von der Munitionszugseite aus. Die Manschaftseingänge sind oft unsicher oder versperrt. Man gelangt als erstes in die Lagerräume für Geschosse und leere Kartuschen, wie die Bilder an den Wänden verraten. Eine Laufkatze durchzieht sämtliche Munitionsräume und auch der Ein- und Auslass der Munition ist, wenn auch stark verrostet, gut zu erkennen. Der Drehbereich des Geschützes ist im Grunde nur ein betonierter Kranz mit Sockel in der Mitte. Rückwärtig befinden sich die Mannschafts- und Maschinenräume. Diese sind oft ausgebrannt und stark verittert. Geht man durch so einen Monsterbunker, wird man sich allmählich des Material- und Menscheneinsatzes bewusst. Es muss selbst als deutscher Soldat eine furchtbare Erfahrung gewesen sein dort zu „leben und zu arbeiten“. Wir sind erleichtert nachdem wir wieder frische (bzw. fischige) Luft um die Nase hatten.

Sonderkonstruktion S 75/80 auf hanstholmregistreringen.dk
SK S 75/80 Bauphasen auf hanstholmregistreingen.dk
Risszeichnung der Kanone auf hanstholmregistreingen.dk

[Fotos aus dem Jahr 2014]

 


11.7 Sonderkonstruktion Leitstand für schwere Batterie (S 100)

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Beim Beenden des Rundganges stiessen wir, abgesehen von unzähligen Manschafts-, Maschinengewehr- und Mörserbunkern, noch auf die Sonderkonstruktion Leitstand für schwere Batterie (S 100). Der zweigeschossige Bunker ist dunkel und modrig. Hier waren diverese Messgeräte zur Geschosspeilung installiert.

Regelbau S 100 auf regelbau.dk
Leitstand auf hanstholmregistreingen.dk

[Fotos aus dem Jahr 2014]

 


11.8 Munitionsauffüllräume für 24-40,6cm-Batterie in Fels (zweistöckig) (Sonderkonstruktion 468)

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Als letztes fanden wir einen der enormen Munitionsauffüllräume für die 24-40,6cm-Batterie in Fels, die Sonderkonstruktion 468. Die Deckenstärke beträgt bei diesen Sonderkonstruktionen 3,5 Meter! Der Bunker ist zweigeschossig und fasste 232 Schuss. Im oberen Stockwerk wurden die Granaten verwahrt, im unteren die Kartuschen. Im unteren Stockwerk befand sich auch die Heiz- und Lüftungsanlage.

Regelbau S 468 auf regelbau.dk

[Fotos aus dem Jahr 2014]

 


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Nach all dem Wahnsinn in Form von Beton und Touristen beschlossen wir den Kopf freizumachen, uns die Seeluft um die Nase wehen zu lassen, dem Beklemmendem der 38cm-Batterie zu entfliehen und dem Horror des 2.Weltkrieges die Schwermut zu nehmen

12.1 Batterie Vigsø

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Wir fuhren zur Batterie Vigsø ein paar Kilometer östlich von Hanstholm. Diese Batterie entspricht dem südlichen Pendant (Batterie Hanstedt 2). Vier grosse Schartenstände für Geschütze auf mittlerer Sockellafette ohne Nebenräume 120° für 10.5cm Geschütze (R 671). Dazu ein ganzer Verbund an Mannschafts-, Flugabwehr- und Scheinwerferbunkern. Die ganze Batterie ist jedoch „ins Meer gerutscht“ und bietet dem Betrachter ein ganz besonderes Bild.

Batterie Vigsø auf hanstholmregistreingen.dk

[Fotos aus dem Jahr 2014]

Quellen:
BunkerSite.com
Fortiff.de
Bunkerinfo.nl
Wikipedia.com
Regelbau.dk
Hanstholmregristreringen.dk

8 Antworten auf Atlantikwall Dänemark

  1. Jasmin

    Sehr interessant ich bin auch schon seit dem ich klein bin immer auf der suche nach den Bunkern und ich kenn den katzenbunker aus Hovig noch als er heil war und mittlerweile kann man den Bunker auch wider betreten der sand ist wider weg 🙂

  2. Pingback: Das Beste aus 5 Jahren Auferstanden aus Ruinen | Auferstanden aus Ruinen

  3. Pingback: Neue Objekte: Atlantikwall Dänemark | Auferstanden aus Ruinen

  4. Danke für den ausführlichen Bericht!! Wirklich klasse! Sieht noch alles aus wie in meiner Kindheit 🙂 (bis auf ein paar Graffitis, leider) einfach toll. Ich muss auch mal wieder nach Dänemark, nun hab ich wieder richtig Lust drauf.

    • Hey Runner,

      das ist ja klasse! Dann haben wir als Kinder wahrscheinlich zwischen den Dünen und Bunkern im Sand gespielt ^^

      Am besten wartest du den kommenden Winter ab und fährst danach hoch.

      Im Moment ist 80% der Bunker am Strand vor der Ringelnatter unter dem Sand. Das sollte sich aber bald erledigt haben!

      gruss… Phil…

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