Atlantikwall Dänemark

p1130668

Die Heeresküstenbatterie Søndervig ist eine deutsche Festungsanlage, welche im Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Atlantikwalls in der Nähe der Kleinstadt Ringkøbing angelegt wurde. Die Anlage ist zweigeteilt. Zum einen wurden Bunker direkt bei Søndervig errichtet, zum anderen befindet sich der Großteil der Anlage 4 km weiter nördlich bei Kryle.

Ab 1941 wurden die ersten Küstenbatterien in Form von 4 erbeuteten französischen Haubitzen des Kalibers 10,5 cm in Søndervig in Stellung gebracht. Aus militärischer Sicht eignete sich das Gebiet um Søndervig für Landeoperationen, da man schnell weiter ins Landesinnere hätte vordringen können. An der übrigen Küste vom Nissumfjord bis Nymindergab wäre ein weiteres Vorrücken durch die Fjorde und Sümpfe erschwert worden. Auf Grund dieser Umstände wurden bei der Siedlung Kryle, über 50 Bunker in die Dünen gebaut. Zur Abwehr einer Invasion wurden vier 10,5-cm-Kanonen in Bunkern in Stellung gebracht und ein Feuerleitbunker am Strand erbaut. Der gesamte Bereich wurde mit Maschinengewehrbunkern, Minenfeldern und Stacheldraht befestigt. Im Norden der Anlage befindet sich die Radarstation Ringelnatter der Luftwaffe. Nördlich wurde ein Radarturm vom Typ Wassermann M errichtet, sowie im Zentrum der Anlage ein Radarkommandobunker gebaut. Der gesamte Bereich wurde durch Flakbatterien und die Bunker der Heeresküstenbatterie Søndervig gesichert. Die Flakbatterien bekämpften immer wieder feindliche Bomberströme, auf ihrem Ein- und Ausflug in das Deutsche Reich. Die Alliierten verzichteten auf eine Bombardierung der Anlage auf Grund dessen, dass sie die Radarstation als Peilstation zur Navigation benutzten.
Atlantikwall Dänemark

____________________________________________________________________________________________________________________

1. Stützpunktgruppe Nymindegab

2. Hvide Sande

3. Heeresküstenbatterie Søndervig

4. Radarstation Ringelnatter Kryle

____________________________________________________________________________________________________________________

Die Reise in die Vergangenheit beginnt am südlichen Rand des Ringkøbing-Fjords. Hier war die Stützpunktgruppe Nymindegab. Versteckt in den Heide-Hügeln befinden sich zwei kleine Mannschaftsbunker. Am Strand, bei Flut von der Brandung umspült, versinken langsam mehrere Verteidigungsbunker im Sand. Gerade einmal hüfthoch schauen die Eingänge aus dem Sand. Sie stehen so schief, dass einem im innen schwindelig wird.

____________________________________________________________________________________________________________________

1.1 Bunker in der Heide

Einige hundert Meter entfernt vom Strand befindet sich ein kleiner und ein großer Mannschaftsunterstand. Innen findet sich nichts außer ein paar Rohren und etwas Müll.

-

1.2 Bunker am Strand

Am Strand befinden sich einige wenige Verteidigungsbunker, die im Sand versinken.

____________________________________________________________________________________________________________________

In Hvide Sande sehen wir den Bunker meiner Kindheit. Ein Beobachtungsbunker auf dem Troldbjerg mit der schönen Regelbaunummer 666.

2.1 Regelbau 666 – Infanteriebeobachtungsstand mit Kleinstglocke

Dieser Bunker war meine ganze Kindheit lang verschlossen. Seit ein paar Jahren ist er jedoch geöffnet.

Es wurden 1900 Kubikmeter Erde ausgehoben, 630 Kubikmeter Beton und 28 Tonnen Rundstahl verbaut.
Der Regelbau 665 diente als Beobachtungsstand in den Schwerpunktabschnitten für Kompanie- und Bataillonsführer, die im Hauptkampffeld an Stellen beobachten sollten, die voraussichtlich unter stärkstem Feindfeuer liegen würden. Dieser Regelbau kam vor allem für solche Befehlsstellen in Frage, aus denen zugleich das Feuer der Inf.Gesch.Züge und der s.Gr.Werfergruppen geleitet werden mußte. Der Regelbau bot bis zu 6 Mann bettenmäßige Unterkunft.

Regelbau 666 auf fortiff.be

-

2.2 Regelbau 675 – Kleinunterstand für Wasserversorgung

Unterhalb von Regelbau 666 befindet sich ein kleiner Bunker für die Wasserversorgung.
In ihm befindet sich noch ein Teil der originalen Schutzlüftungsanlage.

Regelbau 675 auf fortiff.be

____________________________________________________________________________________________________________________

Am Strand in Søndervig häufen sich die Regelbauten aus dem Dritten Reich. Der Strandeingang wird von zwei mächtigen Bunkern flankiert auf denen einst 5 cm Kampfwagenkanonen montiert waren. Sie verbergen ihr Inneres.

3.1 Bunker Strand Søndervig

Am Strand befinden sich diverse kleine Beobachtungs- und Geschützbunker.
Sie sind nahezu zur Hälfte mit Sand bedeckt.

-

3.2 Regelbau 600 – Geschützstellung für 5cm Kwk (Variante)

Dies sind die beiden großen Geschützstellungen. In meiner Kindheit waren sie nur halb so frei von Sand wie heute.

Regelbau 600 (Variante) auf fortiff.be

-

Etwa 4 Kilometer nordwärts wird in der Ferne ein mächtiger Betonklotz sichtbar. Es ist das eigentliche Ziel unserer Bunkersuche. Regelbau 636 Leitstand für die Heeresküstenbatterie. Leider wurden im vergangenen Jahr Tonnen von Sand zur Dünensicherung an den Bunker gekippt. Eine kleine Enttäuschung. Der Eingang liegt Meter unter dem Sand und die Unterseite des Leitstandes ist unterspült worden und weggekrochen. Die zwei Etagen im Inneren verschwinden fürs erste im Sand der Zeit.

3.3 Bunker Strand Kryle

Der Radarstation “Ringelnatter” vorgelagert befinden sich an die 20 Bunker am Strand. Im Krieg war die Küstenlinie noch 70-80 Meter weiter im Meer. Das bedeutet, dass viele Bunker heute im Meer liegen. 2012 wurden die noch sichtbaren Strand-Bunker meterhoch mit Sand bedeckt um die Küstenlinie gegen Stürme zu sichern.

-

3.4 Regelbau 636 – Leitstand für Heeresküstenbatterie

Aus diesem Grund konnten wir den großen Leitstand nicht mehr betreten. Der Eingang liegt unter dem Sand und der Vorbau unter der Aussichtsscharte ist eingebrochen was ein betreten unmöglich macht.

Regelbau 636 auf fortiff.be

____________________________________________________________________________________________________________________

4.1 Diverse Regelbauten – Mannschafts-, Küchen-, Lager-, Beobachtungsbunker

Mit trüber Miene betraten wir den schmalen Landstrich hinter Regelbau 636 und wurden überrascht. Man “stolpert” nahezu über große Mannschaftsbunker. Mal lugt nur ein kleiner Betonstreifen aus der Düne, manchmal stehen jedoch zwei oder gar drei dicke Dinger mit offenen Türen nebeneinander. Leergeräumt sind sie alle und bis auf Müll gibt es oft nicht zu sehen. Die Geschichte jedoch kann man, geschwängert von salziger Luft und Wasser, in jedem Raum riechen. Wie die meisten Zeugen des Dritten Reichs kann man nur erahnen, was hier einst von statten ging. Die “Radarstation Ringelnatter” mit über 50 verschiedenen Regelbauten, darunter ein Krankenhaus, vielen Flak- und Beobachtungsbunkern, einer “Kirche” und einem Jägerleitstand liegt heute tatsächlich fast märchenhaft verträumt wie ein verlassenes, in Beton gegossenes Auenland in den mit Heide und Gras bewachsenen Dünen.

-

4.2 Regelbau L 487 – Leitstand mit Unterstand für Ortsfeste Funkmeßgeräte

Einzig der große, über zwei Stockwerke gehende Regelbau L 487 zur Nachtflugüberwachung vermittelt uns keine guten Schwingungen. Im modrigen Dunkel dieser Gruft fällt es schwer sich vorzustellen, dass in dem großen Loch im Boden einst ein großer Glastisch und in den Pkw-breiten Durchgängen riesige Glasplatten montiert waren. Hier wurden die Informationen des “Würzburg-Riesen-” und des “Freya-Radars” zusammen mit einem sogenannten “Seeburg-(Glas)-Tisch” zur Leitung von Nachtjagdflugzeugen eingesetzt. Wir sind irgendwie erleichtert als wir auf den Knien durch den Ausgang kriechen. Die Stille, die jeden Schritt durch die Gänge hallend verstärkte weicht dem Rauschen des Windes durch das Dünengras und erleichtert nehmen wir einen Zug salzige Nordseeluft.
Dieser zweigeschossige Bau hat eine Raumfläche von ca 400 m2. Die benötigten Baustoffmengen betrugen an Beton 2550 m3, an Zement 1020t, An Rundstahl 130t und an Formstahl 32t.

-

-

Nun zum eigentlichen Kerntechnik der Anlage. Die Radaranlagen.

4.3 Radar Freya

Das Funkmessgerät Freya war eine frühe Entwicklung der Radartechnik im Deutschen Reich. Der Deckname Freya stammt von der nordischen Göttin Freya. Dieser wird in Erzählungen die Fähigkeit zugesprochen, in der Nacht sehen zu können. Während des Zweiten Weltkrieges wurden über tausend Geräte installiert.
Erste Tests des später als Freya bezeichneten Frühwarnradars fanden in den ersten Monaten des Jahres 1937 statt. Die erste Lieferung einer funktionsfähigen Station an die Kriegsmarine erfolgte im Jahre 1938 durch die Firma GEMA (Gesellschaft für Elektroakustische und Mechanische Apparate). Es scheint, dass der Radarentwicklung im Deutschen Reich eine weitaus höhere Aufmerksamkeit zuteilwurde, als es später im Krieg in Großbritannien der Fall war. Das Radar Freya war technisch bereits weiter entwickelt als das britische Gegenstück Chain Home. Es wurde mit einer Wellenlänge von 1,2 m betrieben, das Chain Home dagegen mit 12 m. Das hat die Auflösung gegenüber Chain Home drastisch erhöht, wodurch sehr viel kleinere Objekte erkennbar waren.
Aufgrund der aufwändigen Konstruktion waren bei Kriegsbeginn allerdings nur acht Geräte im Einsatz, die die zu überwachenden Gebiete nur sehr lückenhaft abdecken konnten. Das britische Chain-Home-Radar war einfacher ausgelegt und fehleranfälliger als Freya, aber im Vergleich zu Freya konnte Chain Home bedeutend schneller installiert werden; das gesamte System Chain Home war zum Zeitpunkt der Luftschlacht um England („Battle of Britain“) vollständig einsatzbereit.

-

4.4 Radar Würzburg-Riese

Der Würzburg-Riese ist ein Radargerät von Telefunken und diente während des Luftkriegs im Zweiten Weltkrieg zur Ortung feindlicher Flugzeuge. Es handelte sich um eine vergrößerte Version des FuMG 62 Würzburg und verwendete wie dieses Frequenzen um 560 MHz (Dezimeterwellen). Die Mitte 1941 eingeführten ortsfesten „Riesen“ (Tarnbezeichnungen: Funk-Sende-Empfänger FuSE 65 bzw. Funkmessgerät – FuMG 65; Ausführung Kriegsmarine: Funkmess-Ortungsgerät FuMO 214) dienten zur Führung der Nachtjäger der Luftwaffe und wurden zur Feuerleitung auf den Leittürmen der großen Flaktürme installiert. Einige Würzburg-Riesen (FuSE 65 E) waren auf Eisenbahnwaggons montiert.

Der Luftwaffenexperte und General Josef Kammhuber, Kommandeur der Nachtjäger, plante und realisierte eine Verteidigungslinie aus sogenannten „Himmelbett“-Stellungen, die bei den Engländern unter dem Namen seines Organisators als „Kammhuber-Linie“ bekannt wurde. Die zuletzt über 1000 km lange „Kammhuber-Linie“ zog sich von Dänemark bis nach Nordfrankreich und war ein ausgeklügeltes System aus Funkmessstellungen, Nachtjägerflugplätzen, Flakbatterien und Flugwachen, die alle telefonisch mit Jägerleitständen verbunden waren. Die Radarstationen mit sich überschneidenden Erfassungsbereichen, Scheinwerferstellungen und startbereite Nachtjägereinheiten sollten die britischen und später auch amerikanischen Flieger vom deutschen Luftraum fernhalten. Ein zentrales Informationszentrum – von mehreren Gefechtsständen – der Kammhuberlinie befand sich in dem Gefechtsstand der 3. Jagddivision, einer Bunkeranlage im niederländischen Schaarsbergen bei Arnheim. Der Bunker der 3. Jagddivision ist erhalten und wird als „Hulpdepot van het Algemeen Rijksarchief“ genutzt; er findet sich neben der Zufahrt zum südlichen Eingangsbereich des Nationalparks Hoge Veluwe am Koningsweg.

Ab Juli 1943 störten die Alliierten die Wirksamkeit der Radaranlagen durch das Abwerfen von Stanniolstreifen (Düppel). Die vielen Radioechos irritierten zunächst die deutsche Luftabwehr. Bald gelang es aber, über den Dopplereffekt die Geschwindigkeit der georteten Objekte zu bestimmen und die langsam schwebenden Metallstreifen auszublenden. Diese Technik wurde auch bekannt als die „Würzburger Lösung“ oder kürzer als „Würzlaus“, bestehend aus Würz von Würzburg und Laus, der als Codename der einstigen geheimen Methode verwandt wurde. Dabei wird beim Empfänger mittels Filter exakt die eigene Sendefrequenz ausgeblendet. Nur die Frequenzen knapp oberhalb und unterhalb der eigenen Sendefrequenz wurden empfangen. Ein sich bewegendes Objekt bewirkt über den Dopplereffekt eine leichte Frequenzverschiebung. Da also nur die Frequenzen von sich bewegenden Objekten (hier: Bomber) erfasst wurden und die nicht veränderten Frequenzen der stehenden Objekte (hier: langsame Stanniolfolie der „Düppel“) ausgeblendet wurden, waren plötzlich die Bomber wieder klar auf dem Anzeigegerät. Dieses Verfahren ist heute als Moving Target Indication bei fast allen modernen Radargeräten Standard. Es können somit alle „Hintergrund“-Echos ausgeblendet werden.

-

4.5 Radar Wassermann

Das Radargerät (Funkmessgerät (FuMG)) mit dem Decknamen „Wassermann“ (FuMG.402) war eine Weiterentwicklung des FuMG.80 „Freya“ und wurde im Zweiten Weltkrieg zur sogenannten „Fernstsuche“ eingesetzt. Die Geräte für den ortsfesten Einsatz wurden ab 1942 bei der GEMA unter der Leitung von Theodor Schultes entwickelt. Ziel der Arbeiten war, durch eine Verbesserung der Antennenanlage ohne große Schaltungsänderungen am Sender und Empfänger des Freya-Gerätes dessen Reichweite und Peilgenauigkeit zu erhöhen.

Es wurden insgesamt sieben verschiedene Ausführungen entwickelt. Die beiden wichtigsten Varianten sind nachfolgend erläutert:
Das Funkmessgerät FuMG.41 „Wassermann L“ („leicht“) war die Zusammenschaltung von vier Freya-Antennenfeldern übereinander auf einem 40 Meter hohen drehbaren Stahlgittermast.
Eine weitere Ausführung war das FuMG.42 „Wassermann S“ („schwer“). Dafür wurden acht Freya-Antennenfelder auf einem 60 Meter hohen Rohrmast montiert, vier übereinander und zwei nebeneinander.
Die Zusammenschaltung der Antennenfelder ergab eine Bündelung des Strahlungdiagrammes. Es konnte so bei gleichbleibender Sendeleistung eine höhere effektive Strahlungsleistung (ERP) erzielt werden und damit verbunden auch eine höhere Reichweite. Dies wurde allerdings erkauft durch einen höheren Materialeinsatz. Die Zusammenschaltung von Antennen übereinander bei „Wassermann L“ ergab ein flacheres vertikales Strahlungsdiagramm und eine höhere Reichweite bei gleichbleibendem Öffnungswinkel, die Peilgenauigkeit blieb somit gleich. Durch eine Reihung nebeneinander beim „Wassermann S“ konnte auch die Peilgenauigkeit verbessert werden.

-

4.6 Regelbau 409a – Unterstand mit aufgesetztem Geschützstand für 2,0 – 3,7 cm Flak

Als letztes noch ein kleiner Bunker zur Abwehr von Tieffliegern.

Regelbau 409a auf fortiff.be

-

Wenn auch Zeuge einer schweren Zeit ist dies ein spezieller Ort der durch seine malerische Umgebung seinen ganz eigenen Reiz besitzt.

Quellen:
BunkerSite.com
Fortiff.de
Bunkerinfo.nl
Wikipedia.com

4 Antworten auf Atlantikwall Dänemark

  1. Pingback: Neues Objekt: Heersküstenbatterie Søndervig | Auferstanden aus Ruinen

  2. Pingback: Neues Objekt: Atlantikwall Dänemark | Auferstanden aus Ruinen

  3. Danke für den ausführlichen Bericht!! Wirklich klasse! Sieht noch alles aus wie in meiner Kindheit :) (bis auf ein paar Graffitis, leider) einfach toll. Ich muss auch mal wieder nach Dänemark, nun hab ich wieder richtig Lust drauf.

    • Hey Runner,

      das ist ja klasse! Dann haben wir als Kinder wahrscheinlich zwischen den Dünen und Bunkern im Sand gespielt ^^

      Am besten wartest du den kommenden Winter ab und fährst danach hoch.

      Im Moment ist 80% der Bunker am Strand vor der Ringelnatter unter dem Sand. Das sollte sich aber bald erledigt haben!

      gruss… Phil…

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>