DDR Beobachtungsturm BTv 4×4 „Führungsstelle“

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Die Führungsstelle wurde zur Koordination und Führung des jeweiligen Grenzabschnitts als Teil der Grenzsperranlagen der innerdeutschen Grenze errichtet. Der Turm wurde aus quadratischen Betonfertigteilen 4 x 4 m Grundriss gefertigt. Hier liefen die Alarme aus dem Grenzabschnitt auf und von hier aus wurde die Alarmgruppe zur weiteren Unterstützung der Grenzposten vor Ort in Marsch gesetzt. Durch den zuständigen Kommandeur der Grenzsicherung wurden von hier aus Massnahmen eingeleitet und koordiniert.

Die Metall-Tür war immer auf der der DDR zugewandten Seite und auf diese Weise vom Westen nicht einsehbar. Die Tür hatte einen Alarmkontakt wie an den anderen Beobachtungstürmen. Sie wurde mit einer einfachen elektromechanischen Sprech- und Schließanlage vom Kommandeur Grenzsicherung von innen geöffnet. Eine Türklinke war nur auf der Innenseite angebracht. Ein Notstromaggregat, welches täglich probeweise in Betrieb genommen werden musste und die Stromversorgung im Notfall sicherstellte, war im Kellergeschoss untergebracht. Im Erdgeschoss befanden sich die Technikräume für das Grenzmeldenetz sowie für den Grenzsignal- und Sperrzaun. Außerdem hatte das Erdgeschoss eine Toilette und den Aufgang zum Mittelgeschoss. Eiserne Treppenleitern waren die Verbindung zwischen den drei Zwischeneben. Dort gab es Betonfußböden. Die Leiter auf der nächsten Ebene war direkt über der darunterliegenden Leiter. Das Mittelgeschoss war in erster Linie der Ruheraum für die Alarmgruppe des Grenzabschnittes. In jeder Wand befanden sich zwei schießschartenähnliche Luken. Insgesamt 4 Betten (je zwei Doppelstockbetten), vier Hocker und ein 1x1m-Tisch vervollständigten die Ausstattung. Teilweise war ein Radio vorhanden, auf dem aber die DDR-Rundfunksender mit Klebeband gekennzeichnet sein mussten. Westliche Sender zu hören, war verboten und das wurde bei Kontrollen auch überprüft. Im obersten Geschoss befand sich die eigentliche Führungsstelle. In jeder Wand waren vier aneinandergereihte Fenster eingelassen, welche eine fast durchgehende Rundumsicht ermöglichten. Der Boden war mittels ca. 50 cm hohem Podest erhöht. In diesem Geschoss befanden sich unter anderem:

  • eine topographische Karte (Grundlage war die TK10 AS) des Grenzabschnitts (spätere Ausführung mit Leuchtdioden zur Anzeige von Abriegelungsstellen bei Auslösung von Grenzsignalzaunfeldern)
  • ein oder mehrere zum Teil erhöhte Hocker (zur Beobachtung der Umgebung durch den Posten des Kommandeurs Grenzsicherung)
  • ein Arbeitstisch mit zahlreichen technischen Geräten und Arbeitsbüchern
  • das eigentliche Gerät zur Anzeige der Grenzsignalzaunfelder, Grenzsignalzauntore oder anderer Sperrbauwerke (Zentrales Anzeigegerät ZA 41 mit den Varianten ZA 411, ZA 412, ZA 413), hiermit wurden Auslösungen der verschiedenen Sperranlagen quittiert und Tore zur Öffnung entriegelt
  • die Funktechnik (stationäres UKW-Funkgerät UFS 772, Bedienpult UBZ 75 sowie das zur mitgeführten Ausrüstung gehörende mobile UFT 771 des Postens)
  • die drahtgebundene Nachrichtentechnik (Sprechgerätesatz SGS 15 mit dem Speiseblock SPB 18 und der eigentlichen Hauptsprechstelle HSS 16 für die Kommunikation mit den Grenzposten über das Grenzmeldenetz, mit der Grenzkompanie, mit dem Bataillon, mit dem Regiment etc.)
  • die Wechselsprecheinrichtung mit dem Öffner für die Außentür der Führungsstelle
  • ein Heizgerät

Diese Etage der Führungsstelle war im Normalfall mit zwei Personen besetzt, dem Kommandeur Grenzsicherung und dessen Posten. Das Dach war begehbar und auf dem Dach war ein umlaufendes Geländer befestigt. Weiterhin waren diverse Antennen, ein Windmesser sowie ein Scheinwerfer (1000 W) montiert. Dieser wurde von innen über ein Hebelsystem mechanisch bedient. Der Aufstieg erfolgte mittels einer herunterklappbaren Metallleiter durch eine Dachluke, die mit einer relativ schweren Klappe gesichert war.
Quelle: www.neues-forum.info

Einst ragte eine Antenne über die Wipfel hinaus. Sie stand auf dem Dach der „Führungsstelle“. Die Antenne stammt jedoch nicht aus der damaligen Zeit. Mitglieder des Deutschen Amateur-Radio-Clubs haben sie in den 90er-Jahren angebracht. Schöne Stunden verbrachten sie im Turm. An die Außenwand nagelten sie ein Schild mit der Aufschrift „Amateurfunkzentrum Drei Birken“. Doch das Glück währte nur kurze Zeit. Immer wieder brachen Diebe und Randalier ein. Schließlich gaben die Funker auf. Über den Turm verfügungsberechtigt sei der Ortsverband bis heute.
Quelle: https://www.selmsdorf-live.de/

[Fotos aus dem Jahr 2018]

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