Ziegelei „H“

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Hier stand bis Ende der 50er Jahre die ehemalige Ziegelei „H“ mit ihrer Tonkuhle.
Die Tonkuhle wurde mittlerweile verfüllt. Auch ein kleiner Bunker befand sich auf dem Gelände. Auch dieser ist bei Strassenerweiterungsmassnahmen verschwunden. Danach wurden auf dem Gelände Sportanlagen für die britischen Streitkräfte eingerichtet, die dann Ende der 90er Jahre von Arminia übernommen und nach umfassenden Untersuchungen zurzeit als Trainingsgelände umgebaut werden. Man findet nur noch einige Mauerreste, Betonpfeiler der Umfriedung und massenweise Ziegel.

Auf diesem Bild von 1947 sieht man die Ziegelei „H“ in der eine Trümmerverwertungsanlage errichtet wurde. Hier wurden brauchbare Baustoffe von Schutt getrennt und zum nahen Schuttberg gebracht.

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1. Ziegelei „H“

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[Fotos aus dem Jahr 2012]

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Update No1: Bunker

Noch vor 2 Jahren befand sich auf dem Gelände der Ziegelei ein Bunker. Zum Schutz der Bevölkerung sowie der Werksangehörigen der Ziegelei „H“ vor Bombenangriffen wurde in der zum Werk gehörenden Tongrube ein Stollen angelegt. Dieser verlief von West nach Ost in einer Länge von etwa 120 Metern. Zwei gepanzerte Eingangstüren sollten den Druck detonierender Bomben auffangen, aber auch als  Splitterschutz dienen. Die Schutzanlage war vergleichbar mit einem Stollengang in einer Kohlenzeche und befand sich in acht bis zehn Metern unter der Erdoberfläche. In der Mitte des Ganges befanden sich Laufstege aus Holz, zum Teil von Grund- und Tropfwasser in Pfützen liegend. Mächtige Stützpfeiler aus Baumstämmen sollten für zusätzliche Sicherheit sorgen.

Ein Zeitzeuge erinnert sich:

„Es war immer wieder ein gespenstischer Anblick, wenn man aus dem Tageslicht kam und den nur mit Notlicht beleuchteten Stollen betrat Für die älteren Menschen war es nur ein Tasten an den nassen Tonwänden, um auf den engen Laufstegen das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Anfangs standen sich die Schutzsuchenden an der rechten und linken Stollenwand gegenüber. Später konnten kleine sogenannte Klapphocker gekauft werden, welche im Stollen verblieben. Zunächst hielt sich die Zahl der schutzsuchenden Personen noch in Grenzen, stieg aber bei den zunehmenden Angriffen auf das nahgelegene Panzerwerk erheblich an. Um eine gewisse Übersicht zu behalten, mußten sogenannte Stollenkarten im Sekretariat der Ziegelei „H“ beantragt werden, wo sie auch ausgehändigt wurden. Die Berechtigungskarten wurden vorrangig an die heimische Einwohnerschaft verteilt. Nach angekündigtem Voralarm machten sich schon viele Leute auf den Weg zum Stollen. Oft erfolgte kurze Zeit später Vollalarm, so daß in Hast und schlimmer Erwartung Wegabkürzungen genommen wurden. Die gingen dann über Äcker und Wiesen. Diese Abkürzungen entwickelten sich von Tag zu Tag mehr zu regelrechten festgelaufenen „Pattwegen“. Im Stollen selbst saßen die Menschen wohl meistens mit ängstlichen Gedanken und in der Hoffnung, daß es nicht zu einem Angriff kommen würde. Die zwei gepanzerten Türen standen, um die Luft so lange sauerstoffreich wie eben möglich zu halten, während des Vor- und Vollalarms, offen. Erst wenn die schrille Dampfpfeife der Ziegelei, die sonst für die Arbeitszeit und die Pausenregelung im Einsatz war, akute Luftgefahr gab, wurden die Türen schnellstens geschlossen. Ein Angriff stand dann fast immer kurz bevor. Wenn die ersten Bomben fielen, rückte man sitzend unwillkürlich zusammen. Oft mit geneigtem Haupt. Zwischen den Detonationen konnte man immer wieder betende Menschen hören. Für die Angreifer war das Panzerwerk sicherlich ein harter Brocken,war dieses doch überwiegend aus Stahlbeton gefertigt. Aus diesem Grund setzten die Alliierten mehrere aneinandergekoppelte Bomben, sogenannte Kettenbomben ein. Dadurch konnte ihr Zerstörungsgrad nochmals erhöht werden. Das sollten für die Schutzsuchenden die schlimmsten Momente werden. Die Erschütterungen, wie auch die Druckwellen dieser Kettenbomben waren so stark, daß die Stützen im Stollen schwankten, Schiefer und Tongestein sich lösten und herunterfielen. Es war schon ein bedauerlicher Zustand, wenn bei überfüllten Stollen Fremdarbeiter bzw. Gefangene, die in der Ziegelei arbeiteten und zum Teil am Panzerwerk untergebracht waren, den Stollen nicht betreten durften oder ihn sogar verlassen mußten. Diese gequälten Menschen waren dann total den Bomben im Freien ausgesetzt. Sie hatten kaum eine Chance zum Überleben. Somit ist es schon eher zu erklären, daß sich unter den Bombenopfern so viele Fremdarbeiter befanden. Nach dem Entwarnungssignal war ein erlösendes Aufatmen zu hören. In der Hoffnung, daß Haus und Heim heilgeblieben waren, trat man bedenklich den Heimweg an. Die letzten Zweifel aber waren erst beseitigt, wenn das heil gebliebene Haus mit eigenen Augen gesichtet wurde.“

Der Stollen an der Ziegelei „H“ in der tiefen Böschung der Tonkuhle unsichtbar, blieb aber vermutlich unversehrt erhalten, denn die Kuhle ist längst ebenerdig zugeschüttet worden. Hier auf engem Raum, wo sich auf der Stollenoberfläche noch ein Bombentrichter zeigt, wird man ganz intensiv und nachhaltig an eine schlimme Zeit erinnert. Der kleine Bunker wurde vor zwei Jahren dem Erdboden gleichgemacht.

Für die Fotos möchte ich „Markus L“ recht herzlich danken.

[Fotos aus dem Jahr 2009]

5 Antworten auf Ziegelei „H“

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  3. Hey Gerd,

    den Bunker habe ich dort verzweifelt gesucht aber nicht gefunden!

  4. Gerd Wolf

    Hallo, Phil,

    der Bunker auf dem Gelände der Ziegelei „H“, war ein Luftschutzbunker.
    In unmittelbarer Nähe der Ziegelei, befand sich das HeeresNebenzeugAmt
    und später ein Panzerreparaturwerk. Nach dem Krieg unterhielt die BAOR
    dort einen Instandsetzungsbetrieb; heute ist auf dem Gelände das THW und ein Sauerstoffwerk.

    In dem Bunker haben wir noch in den siebziger Jahren „Krieg“ gespielt…

    Gruß
    Gerd

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