Verladebunker

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Als in der Nachkriegszeit gegen Ende der 40er Jahre in einem der lanschaftlich ansprechenden und schönsten Gebiete des Süntels mit erheblichen finanziellen Mitteln ein vorhandener Steinbruch industriell erschlossen und genutzt werde sollte, schien für den Betreiber ein goldenes Zeitalter angebrochen zu sein. Es gab allerdings auch Skeptiker unter den Waldgenossen. Zumindest durfte man aber hoffen, daß mit den eingehenden Pachtgeldern aus dem Steinbruchunternehmen die schweren Schäden schneller überwunden werden konnten, die durch den am Süntel betriebenen Raubbau der Besatzungsmächte in den Holzbeständen verursachte worden waren.

In Erwartung einer guten Verzinsung durch erhöhten Steuereingang baute die Kreisverwaltung 1953 die Straße vom nahen Ort bis zum Steinbruch mit der Tragfähigkeit für Schwertransporte aus. Es wurde eine regelrechte Panzerstraße. Einige Dutzend Lastzüge rollten tagtäglich im Pendeverkehr viele hundert Tonnen Steine zur Schiffverladestelle. Im Bereich des Steinbruchs wuchs ein Bauwerk nach dem anderen auf steinigem Grund und mit erheblichem Aufwand wurden selbst unterirdische Transportanlagen zu den riesigen Bunkern gebaut. Fast zwei Millionen Mark an Geldern aus dem Marshall-Plan flossen in dieses Projekt.

Der Unternehmer selbst ersetzte das ihm fehlende Kapital mir seinem unverwüstlichen Optimismus und mit goldigen Versprechungen. Einige Jahre hindurch erfüllten sich auch alle Erwartungen, aber als dann Ender der 50er Jahre die erste Stahlkrise einsetzte und weniger Steine für die Verhüttung gebraucht wurden, breitete bald der Pleitegeier über dem Süntelwald seine tödlichen Schwingen aus und brachte den Steinbruch zum Erliegen. Von den investierten Millionen blieben nur die fast über Nacht wertlos gewordenen Gebäude übrig.

Die Rheinischen Kalksteinwerke wollten dem Steinbruch noch einmal zu neuer Blüte verhelfen, aber die bereits abgeschlossenen Verträge, die u.a. den Bau einer Drahtseilbahn oder sogar einer Hochstraße vom Süntel zur Weser vorsahen, kamen wegen der neuen Stahlkrise nicht mehr zum Tragen. Durch die vereinsamtem Hallen der einstigen Trutzburg aus Beton und Stahl aber heulte klagend der Wind, 30 Jahre lang, ehe die Kalksteinwerke diesen riesigen Komplex, der immerhin 4 ha umfaßte und keinen Pflanzenwuchs hochkommen ließ, an die Genossenschaften zurückgaben. Diese Kraterlandschaft war zu einem Tummelplatz für Außenseiter unserer Gesellschaft geworden. Große Altöllachen, ausgelaufenes Dieselöl und offene Dieselölfässer mit Inhalt gehörten zur Tagesordnung.

Dieser Platz lag mitten im Wasserschutz- und -gewinnungsgebiet – so konnte es nicht weitergehen. Was war zu tun? Die britische Pioniereinheit hatte ein Einsehen, es kam zu Verhandlungen und Angeboten. Im Rahme einer groß angelegten Übung sollten Sprengung und Einebnung das Gelände zur Rekultivierung vorbereiten. Die Behörden gaben ihre Zustimmung zu dem Vorhaben. Zunächst wurden mit Baggern und Raupen die kleinen Gebäude im Steinbruch dem Erdboden gleichgemacht. Der große Verladebunker konnte nicht gesprengt werden, da durch die Erschütterung wahrscheinlich Risse im Felsgestein des Falltals, Veränderungen des Grundwasserstandes eine Gefahr für die zentrale Wasserbeschaffungsanlage gebracht hätten, deren drei Brunnen und Pumpwerke in unmittelbarer Nähe liegen. So wurde der Hydra nur der Kopf abgeschlagen, d. h. die Aufbauten der Bunkeranlage, die Maschinenhallen und Kippvorrichtungen für die gewaltigen Steinbrecher sind verschwunden. Die Nebengebäude waren problemlos. Die Briten leisteten ganze Arbeit, die Trümmer wurden mit Erdreich vermischt und hangabwärts geschoben.

Da inzwischen die Genossenschaft den ganzen Komplex wieder zu eigen hatte, war nunmehr die Möglichkeit für Kulturmaßnahmen und einer späteren Bepflanzung des ehemaligen ‚Schandfleckens‚ gegeben. Der Genehmigungsantrag, durch Aufbringung von Bodenaushub die Fläche wieder kulturfähig zu machen, wurde vom Amt für Wasserwirtschaft und Abfall des Landkreises Hameln-Pyrmont abgelehnt. Warum eigentlich? Sinnlos und unbegreiflich. So lag das Plateau noch acht Jahre lang brach. Der Abteilung 502 im zuständigen Landesministerium in Hannover ist es zu danken, daß hier Abhilfe geschaffen wurde. Gut zwei Meter hohe Anfüllungen mit Wirtschaftsboden machten das Gelände bis zum Ende des Jahres 1994 wieder kulturfähig und forstlich nutzbar.
Quelle: www.hoefingen.net

Und genauso liegt das Fundament des enormen Verladebunkers heute noch da. Es erinnert durch den rohen Beton und die Kalksinterablagerungen durchaus an einen Luftschutzbau. An der Front gibt es jedoch einen Anbau, ich nehme an dass dort eine kleine Überwachungsstation installiert war, und viele Schütten, die jedoch komplett mit dem Bauschutt des Steinbruchs zugeschoben worden sind. An der Oberfläche erinnert nur noch ein rostiges Geländer an den Verladebunker. Eindrucksvoll ist das Fundament jedoch allemal!

[Fotos aus dem Jahr 2015]

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