Stückgut-Speicher des Reichsnährstandes Herford (abgerissen 2015)

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Bei diesem grossen Gebäude handelt es sich um einen im gesamten ehemaligen Reichsgebiet verbreiteten Reichsnährstandssilos.

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1. Reichsnährstandssilo

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Gebaut wurden dieses Speichergebäude 1939 vom Reichsnährstand (RNST). Dieser war eine ständische Organisation der Agrarwirtschaft und Agrarpolitik im Deutschen Reich in den Jahren 1933 bis 1945, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts (Selbstverwaltungskörperschaft) mit eigener Satzung sowie eigenem Haushalts-, Beitrags- und Beamtenrecht eingerichtet war. Das Reichserntedankfest, wurde als zentrale Veranstaltung, zwischen 1933 und 1937, auf dem Bückeberg in der Nähe Hamelns gefeiert. Die Arbeit des RNST konzentrierte sich vor allem auf die Lenkung der Produktion, des Vertriebs und der Preise von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Zudem gehörten die sozialen und kulturellen Belange seiner Mitglieder zu seinen Aufgaben.

Diese Silos waren Einheitsbauten, die meist für die Einlagerung von Grundnahrungsmitteln wie Getreide und Mehl als Sackware gedacht waren. Es gab aber auch landwirtschaftliche Siloageanlagen für Raufutter, Kraft- und Mischfutter.

Bestand hatten sie an Verkehrsknotenpunkten wie Eisenbahnen und Flussanbindungen. Aber nicht alle neuen Bodenspeicher lagen an beschiffbaren Flüssen, dieser wurde eher wegen der Bahngleise dort gebaut. Der ehemalige Bahnanschluss zur Entladung liegt hinter dem Haus. Die Wassertiefe sowie die Staustufe knapp 1,9 km tiefer hätte auch keine Schiffsentladung ortsnah zugelassen. Gedacht war er für die Umgebungsverteilung und die nahe Versorgung der Panzerabwehrkaserne sowie anderen Einheiten im Vierjahresplan von Hitlers Vorbereitung zum Krieg

Der Baubeginn war angeplant für 1936/37, eigentlicher Baubeginn erst um 1939, fertiggestellt aber erst 1941. Man erkennt es am Bautyp 2 /Silobunker mit dem Dachaufbau für den Motor. (Bautyp 1 war der Bodenspeicher für Sackware.)

Typische Gebäudemerkmale des Gebäudes war der knapp 34.5m x 18m Außen-Grundriss. Die Bauweise war so angelegt, das die West-Ostwinde durch das Gebäude streichen konnten. Erkennbar an den oberen Lüftungsgittern im Zwischenstock. Dort wurden die Lamellen per Zugvorrichtung geöffnet um das Getreide zu lüften. Die Tonnage mit 5.000 t war die Maximal-befüllung, die bei diesen Speichertypen aber nie genutzt wurde, Standart war eher eine  3/4 Befüllung, da sonst kein Platz für Umlagerungen vorhanden gewesen wäre.

Die Biberschwanzdachziegel-Bedeckung war bei allen Siloanlagen einheitlich. Das Gebäude selber war aber schon für die Anforderungen des Brand- und Luftschutzes ausgelegt, deshalb auch der Betonkern mit den dicken Gasschutztüren mit Sichtloch. Besonderheiten waren deshalb die vorgeschriebene Notleiter in allen Einheitsspeichern, die durch alle Stockwerke führte und in jeder Etage mit einer Sicherheitsklappe verschlossen wurde.

Diese Silos stehen immer an Wasserwegen. So gibt es 2500 t Silos und 5000 t Silos als kombinierte Trocknungs und Lagergebäude. Das Gebäude hat sieben Etagen Schüttböden auf der rechten Seite und Silozellen, aufgebaut wie ein Wabenstock auf der linken Seite. Die Gebäudehülle ist bis unters Dach aus Beton gegossen und ortsüblich gestaltet. Dennoch ist der das Speichergebäude nicht bombensicher wohl aber Splittersicher. Interresant wird es beim Dach: Die immer vorhandene Ziegeleindeckung ist nur eine Atrappe, darunter ist nicht nur ein Dachstuhl aus Beton, sondern die gesamte Dachhaut ist eine geschlossene Platte. Die Zellen sind gasdicht von Innen nach Aussen. Zur Schädlingsbekämpfung wurde Gas in die Lagerräume geleitet um Schädlinge zu bekämpfen. Detia Gas-Ex-B zeigt das Kornmotten-Bekämpfungsmittel welches mit den zusätzlichen Aktivatoren (Salze) in das Getreide eingebracht wurden. Dieses wurde in den Säckchen auf das Korn gelegt bzw. mit Lanzen eingedrückt und entwickelte dann Phosphorwasserstoff. In diesem feuchtigkeits- und gasdurchlässigen Spezialpapier befindet sich Aluminiumphosphid. Es wirkte gegen Kornkäfer, Getreideplattkäfer und die Mehlmotte.

Eines haben diese Speicher-Gebäude alle gemeinsam: Sie werden weniger. Die Leistungsfähigkeit entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Deshalb weichen sie moderneren Anlagen, oder werden gar nicht mehr genutzt, und verfallen. Speziell bei diesem Silo ist fraglich, ob man es umnutzen könnte.

Ich möchte dem Besitzer der ansässigen Firma herzlich für die Möglichkeit dieser Besichtigung danken.

[Fotos aus dem Jahr 2012]

Update No1: Abriss

Anfang Februar 2015 begann für mich recht überraschend der Abriss. Die Denkmalschutzbehörde hat dem Gebäude den Denkmalstatus versagt. Stück für Stück muss das 25 Meter hohe und 32 Meter breite Gebäude abgetragen werden. Das soll etwa vier bis fünf Wochen dauern. Ich stattete dem Klotz noch einen letzten Besuch ab. Ausserdem ist mit der Herforder Firma EventVoiceMedia GmbH ein interessantes Dronenvideo entstanden.

[Fotos aus dem Jahr 2015]

Update No2: Abriss Woche 3

Mitten im Abriss ergab sich noch eine nette Gelegenheit den Speicher aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu betrachten. Ein Bekannter ermöglichte mir den Blick von seinem Betriebsgelände aus. So konnte ich, obwohl der Speicher schon zur Hälfte verschwunden ist die Rückseite auf Foto bannen. Ich möchte der Firma H.+P. Hirschhorn GmbH & Co.KG für diese Gelegenheit sehr herzlich danken.

[Fotos aus dem Jahr 2015]

Update No3: Abriss In Aktion

Da ich leider immer arbeiten muss konnte ich den Abriss nicht in Aktion erleben. Desshalb möchte ich Bitter für die Bilder vom Bagger im Einsatz herzlich danken. Die Fotos stammen aus der zweiten Abrisswoche. Mittlerweile ist der Klotz komplett verschwunden.

[Fotos aus dem Jahr 2015]

2 Antworten auf Stückgut-Speicher des Reichsnährstandes Herford (abgerissen 2015)

  1. Eine klasse Dokumentation. Durch das Bild des Baus und der Dokumentation des Abrisses, könnte die Sache ja kaum runder sein.

  2. Pingback: Neues Objekt: Reichsnährstand-Sili | Auferstanden aus Ruinen

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