Schlachthof Bielefeld (umgenutzt 2007)

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Die Einrichtung von veterinärmedizinisch kontrollierten zentralen Schlachthöfen gehörte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zum Kernprogramm städtischer Hygienepolitik. Angesichts der zunehmenden Wasserverschmutzung durch Abfallstoffe aller Art gerieten insbesondere solche Betriebe in die öffentliche medizinalpolizeiliche Kritik, die mit organischen Stoffen arbeiteten. Kadaverreste in Rinnsteinen, ablaufendes Blut in offenen Kanälen oder gar auf der Straße gehörten noch in den 1860er und 1870er Jahren zum städtischen Leben. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte und wachsender Aufmerksamkeit für die Hygienische Frage wurden diese Verschmutzungen immer mehr als nicht zu tolerierendes Gesundheitsrisiko wahrgenommen. In Bielefeld gründeten 1876 26 Fleischermeister eine Fleischerinnung zu Bielefeld mit dem Ziel, einen in Eigenregie geführten Schlachthof zu betreiben. Die Stadt, die ursprünglich einen kommunalen Schlachthof gründen wollte, schloss mit der Fleischerinnung einen Vertrag ab, welcher der Innung die Errichtung des am 16.12.1884 eröffneten neuen Schlachthofs übertrug. Als einzige Innung im Deutschen Reich betrieb sie den öffentlichen Schlachthof in Eigenregie. Die eigentlichen Schlachthallen wurden in den 1960er Jahren intensiv umgebaut. Vom ursprünglichen Gebäudekomplex existiert noch der 1883/84 errichtete Verwaltungsbau und die 1896 eröffnete Gaststätte. Beide Häuser stehen heute als Zeugen für die einzigartige Geschichte der Fleischerinnung, der Architektur und der Veterinärmedizin unter Denkmalschutz. Die zweigeschossige Schlachthofgaststätte verfügt über eine reich gegliederte Fassade mit Rundbogen in den oberen Fenstern. Das historische Lokal ist völlig renoviert worden. Dazu gehören der im ursprünglichen Zustand erhaltene holzgetäfelte Schankraum, das Meisterzimmer, das Jägerzimmer und ein Saalanbau von 1938. Die Stadt Bielefeld hat mit privaten Investoren mit der Neubebauung des seit 1997 nicht mehr genutzten weitläufigen Schlachthofgeländes als Wohngebiet begonnen.

Seit 1997 wurden bis auf die Gaststätte die Gebäude nicht mehr genutzt und vervielen zusehends. Etwa zehn Jahre späte wurde die vorhandene Bausubstanz in ein Wohngebiet mit Kindertagesstätte umfunktioniert.

Für die Bilder möchte mich bei Raoul A. aus Frankfurt am Main bedanken. Ohne ihn wäre das Objekt undokumentiert von der Bildfläche verschwunden. Sein eigenes Forum findet ihr unter den Links.

[Fotos aus dem Jahr 2006]

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