Möbelhaus „Fillies“ (abgerissen 2018)

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Erneut ein lokales „Wahrzeichen“ das verschwindet.

Anfang der 1950er Jahre entstand hier die Firma Möbel-Fillies, die mit einem kleinen Turm geradezu ein Wahrzeichen für Bechterdissen schuf. Ende der 70iger Jahre musste Fillies aus feuerpolizeilichen Gründen einige Umbaumaßnahmen in Kauf nehmen. So wurde an der Rückseite des Turms die außenliegende Wendeltreppe angebracht, als zweiter Fluchtweg. In diesem Zusammenhang wurden auch die Schaufenster im Treppenaufgang zur Turm-Klause, die während der Geschäftszeiten des Möbelhauses weit geöffnet waren, zugemauert. Parallel dazu musste innerhalb des Hauses ein zweiter Treppenaufgang, der vom Erdgeschoß neben dem Empfang, durch die Ausstellungen bis ins Dachgeschoß führte, in dem auch die ausgebaute Pächterwohnung lag, gebaut werden. Die Ausstellungshalle wurde erst später in vollem Umfang als Ausstellungfläche genutzt. Ein großer Teil dieser Halle war Lager und Tischlerei, die zu der Zeit noch reichlich Aufträge hatte. An der Längsseite zur Heeper Straße hatte die Halle zahlreiche Fenster. Diese wurden zugemauert und die ganze Front, sowie die Rückseite, wurde mit der bekannten orangenfarbigen Verkleidung ausgestattet. Bis dahin sah die Halle genauso aus, wie das Hauptgebäude – weiß verputzt. Oben auf der Flachdachfront der Halle stand das gleiche Fillies-Logo wie am Turm, nur drei Nummern kleiner.  Fillies hatte damals das Vorhaben, auf dem Acker gegenüber des Turms zu kaufen und zu bebauen, man wollte expandieren. Dieser Plan wurde jedoch nicht umgesetzt, weil man vom Hauptgebäude aus keinen internen Zugang schaffen konnte. Ein Brückenübergang über die Heeper Straße war ebenfalls so unmöglich, wie ein unterirdischer Zugang durch die Heeper Straße. Somit baute man den Rest der Halle als Ausstellungsfläche weiter aus. Die Tischlerei schrumpfte. In diesem Zusammenhang wurden auch das Hauptgebäude und die Ausstellungshalle per ebenerdigem Durchgang miteinander verbunden. Vorher verlief die Verbindung der beiden Objekte unterirdisch. Im Hauptgebäude neben dem Empfang führte eine Treppe unter die Hofdurchfahrt, die auf der anderen Seite, in der Ausstellungshalle wieder nach oben führte.  Der ganze Komplex war mit Treppen und Stufen verbunden. Immer wieder wurde intern um- und ausgebaut.
Quelle: privat

Die Firma hatte um die 15 Mitarbeiter und 8000 qm Verkaufsfläche. Nachdem das Möbelhaus 2003 nach 90 Betriebsjahren geschlossen wurde, beherbergte der Turm damals eine Kneipe, die „Turmklause“, dann eine Pizzeria die bis 2010 geführt wurde und später eine Kunstschule. Die orangefarbene Halle wurde in den letzten Jahren als Lagerraum genutzt.  Kurz darauf machte sich hier eine Bielefelder „Künstlerin“ breit, die für eine Besichtigung doch glatt harte Euros wollte. „Vielen dank für gar nichts Frau K.“ kann ich da nur sagen.

Auf diesen fünf Fotos die ich freundlichwerweise zur Verfügung gestellt bekommen habe erkennt man gut das überwachsene, leerstehende Möbelhaus, das damals noch frei Vandalismus war. Vielen Dank für die Fotos, die ich selbst versäumt habe aufzunehmen.

[Fotos aus dem Jahr 2010]


Update: Abriss

Ein seit 2013 rechtsgültiger Bebauungsplan sieht sechs Stadtvillen und vier Reihenhäuser mit insgesamt 48 Wohnungen vor. Einige male wurde eine Tafel mit den neuen Wohnungen aufgestellt und später wieder weggestellt. Doch nun sind seit Anfang 2018 die Abrissbagger da und die Ruine schwindet sehr schnell.

Bei einem aktuellen Besuch konnte ich wenigstens die Dimensionen der Ausstellungshalle wahrnehmen auch wenn ich es mit einer Träne im Auge gesehen habe. Seit einigen Jahren habe ich mich bemüht dort einen Besichtigungstermin zu bekommen; leider ohne Erfolg. Gestern konnte ich sehen, dass einiges der Firma wohl undokumentiert zerstört wurde, denn sämtliche Kabel, Teppiche, Türen, Lampen, Lichtschalter und das angrenzende, bemooste Wohnhaus waren bereits entfernt und anhand der vielen alten Computerröhrenmonitore kann man ahnen, dass es vor einigen Wochen sicher sehr sehenswert gewesen ist.

Dennoch hatte es etwas spannendes. Die feuchte Luft, die in der grossen Halle hängt riecht moosig und immer mal wieder hört man ein blechernes Knallen, als wäre noch wer anders hier. Doch es ist nur ein Spiel zwischen Wind und Metall. Der Verkaufsraum mit dem grossen Schaufenster und der dazugehörige Bau samt Turm sind entkernt, zwestört, schimmelig weiss und nicht sehenswert. Der Kessel verbarg sich hinter einer verschlossenen Tür, doch der Notausgang durch den Kellerbunker war noch frei. Hier unten war es stockfinster und in einer Ecke hörte man Mäuse. Mir persönlich gefiel nur der Raum in dem die Decke undicht war, denn nur hier kam die Natur herein.

Ich werde sicher noch ein paar Besuche machen, aber die Ruine gibt einfach nicht viel fotografisches her. Ich war hier schon sehr oft und wundere mich selbst, dass ich kaum Fotos gemacht habe. Vielleicht finde ich irgendwo noch alte.

[Fotos aus dem Jahr 2018]


Update: Abriss Woche 3

Ich dachte zuerst es ginge alles ganz schnell, aber wie sich herausstellt, wurde das Gebäude in erster Linie entkernt, bzw. es wurde alles herausgerissen was im getrennten Müll landen muss. Heutzutage ist ein Abriss eine enorme Sortiererei. Jedoch kann man immer mehr das oroginale Gebäude sehen. Die orange Metallverkleidung ist ab und man erkennt die alte Fassade. Die Sonne stand tief und so gab es doch einige schöne Aufnahmen.

Zwei interessante Beobachtungen konnte ich machen. Dafür, dass dort der Platzhirsch Hagedorn den Abriss leitet war am gestrigen Tage kein einziger Mensch mit Hagedorn Arbeitskleidung vorort. Über die gesamte Baustelle schallte osteuropäisches Gebrüll. Als eine Frau samt Kinderwagen und einem weinenden Baby an der Baustelle vorbei ging, wurde sie von den Arbeitern auf polnisch oder einer ähnlichen Sprache angeschrien. Eine seltsam agressive Stimmung entstand.

Einige Minuten später traf ich einen Herren mit Enkelkind, der mich auf die Fotos ansprach. Er erzählte von Abenden in der Pizzeria und Besuche des Möbelhauses. Als ich erwähnte, dass das Innere recht interessant gewesen zu sein scheint, stapfte er mit den Worten „da schau ich doch mal“ direkt über die Baustelle an den Bauarbeitern vorbei in die Ruine. Ich hoffe er hat sich keinen Ärger eingehandelt. Dreist kommt weiter…

[Fotos aus dem Jahr 2018]


Update: Abriss Woche 5

Auf einmal läuft der Abriss schleppender als erwartet. Die grossen Hallen sind beinahe weggerissen, doch nun erkennt man grosse Kellerräume. Auch ein grosser Tank wurde bereits ausgegraben. Man erkennt nun Dachstrukturen und Gebäudeträger. Leider war die Ruine auf einmal eine Art kleines Fort Knox, so dass nur Fotos von aussen möglich waren.

[Fotos aus dem Jahr 2018]


Update: Abriss Woche 6

Ein paar Tage später fressen sich die Bagger weiterhin langsam durch die alte Ruine.

[Fotos aus dem Jahr 2018]


Update: Abriss Woche 8

Es ist soweit. Die Hallen sind nahezu komplett entfernt worden und der Abriss des Hauptgebäudes hat begonnen. Ein grosser Bagger knabbert das Hauptgebäude vom Turm langsam weg bis nur noch der entkernte, traurig wirkende Turm vorhanden ist.

[Fotos aus dem Jahr 2018]


Update: Das Ende

Der letzte Rest des einst so beliebten Möbelhauses wird nun verschwinden.
Es ist jetzt schon ein seltsamer Anblick ohne die bekannte Ruine.

[Fotos aus dem Jahr 2018]

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