Bahnhof „V“

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Der Bau dieses Bahnhofs fand in den Jahren 1874/75 statt.
Es wurde zunächst ein kleineres Empfangsgebäude errichtet. Die 1. Gebäudeerweiterung (Seitenflügel rechts) könnte Ende der 1890er Jahre stattgefunden haben. Die letzte Erweiterung (Seitenflügel links, weiterer Anbau rechts) erfolgte in den Jahren 1908/1909. Ein Umbau der Empfangshalle erfolgte noch in den 1950er Jahren.

Das 1988 denkmalgeschützte ehemalige Empfangsgebäude verkaufte die Deutsche Bundesbahn 1992 an einen Privatmann. Dieser ließ das Gebäude leer stehen, weil seiner Meinung nach ein Nachnutzungskonzept nicht umgesetzt wurde. 2007 kaufte die Stadt das mittlerweile immer baufälliger gewordene Gebäude von der Erbengemeinschaft des ersten Käufers zurück. Das Bahnhofsgebäude stand immer noch leer und war nur notdürftig gesichert weiter dem Verfall preisgegeben. In der Stadtverwaltung gab es Überlegungen, das Gebäude aus der Denkmalliste zu entfernen und abzureißen.

Bereits im Juli 2010 ging eine Initiative an die Öffentlichkeit. Sie forderte einen denkmalgerechten Sanierungsbeschluss und ein tragfähiges Nutzungskonzept. Dieser Antrag wurde auf der folgenden Ratssitzung nicht behandelt, sondern verschoben, da laut Bürgermeister der Stadt „ein ernsthafter Interessent zur Verfügung steht, der einen Großteil des Gebäudes selbst nutzen, einen anderen Teil vermieten will.“ Diese Verhandlungen sollten zunächst abgewartet werden, danach könnte der Bürgermeister bei einem negativen Ergebnis auch „einen finalen Beschluss vorschlage[n]“. Noch im August 2011 rechnete man mit einem Investor für den Bahnhof.

Im März 2012 stellte die SPD-Ratsfraktion nach dem Rückzug eines möglichen Investors einen Antrag: bis zum Mai 2012 sollte letztmals nach Nutzungsmöglichkeiten für das Bahnhofsgebäude gesucht werden, danach der Abriss erfolgen. Die FDP teilte daraufhin mit, „vier Ratsfraktionen“ (gemeint sind CDU, SPD, Grüne Liste, Linke) hätten „die Bürger so lange hinters Licht geführt“. Bereits im Jahr 2008 habe die FDP einen Antrag auf Abriss gestellt, dieser sei von den übrigen Fraktionen abgelehnt worden. Ein durch ein FDP-Mitglied ermöglichtes Geschäft, bei dem ein zum Bahnhof benachbartes Grundstück durch den Besitzer freigegeben worden wäre, wenn gleichzeitig die Erlaubnis zum Bau einer Spielhalle erteilt worden wäre, sei im Stadtrat durch „selbst ernannte Sittenwächter“ abgelehnt worden.

Im Mai 2012 wurde im Stadtrat die Forderung nach Herausnahme aus dem Denkmalschutz fast einstimmig beschlossen. „Der Schandfleck muss verschwinden“ meinte der Fraktionsvorsitzende der CDU, „das Ding ist durch“ der Fraktionsvorsitzende der FDP. Im Juli 2012 berichtete der Bürgermeister über „intensive Gespräche“ mit einem möglichen Investor, die Abrisspläne wären damit vom Tisch. Im November 2012 wurde bekannt, dass das Denkmalamt den Abriss des Gebäudes untersagt habe. Auf Nachfrage teilte der Bürgermeister zum wiederholten Mal mit, es gebe einen ernsthaften Interessenten, der am Bahnhof investieren könnte. Zeitgleich wurde durch den Stadtrat beschlossen, Gelder für einen Gebäudeabriss im folgenden Jahr bereitzustellen.

Am 25. April 2013 ging aus einer Bürgerinitiative der Verein „Bürgerbahnhof e.V.“ hervor. Dieser kämpft seitdem dafür, den Abrissbeschluss aufzuheben und den Bahnhof mittels einer Genossenschaft zu sanieren und mit Leben zu füllen. Am 3. Juli 2014 wurde in einer Ratssitzung der Abrissbeschluss vorerst aufgehoben.

Dennoch ist es weiterhin ungenutzt, was eine freundliche Umschreibung für die Tatsache ist, dass der Bahnhof dem Verfall preisgegeben ist. Geändert hat sich bis heute absolut gar nichts.

Anfang 2017 gab es nun die Nachricht, dass der marode Bahnhof in eine Tierklinik umgebaut werden soll. Eine Investorengruppe will drei Millionen Euro für die Sanierung ausgeben.  Die Bauarbeiten sollen im Herbst starten. Die Eröffnung der Tierklinik ist bereits für Sommer 2018 geplant. Das denkmalgeschützte Gebäude soll in Abstimmung mit den Denkmalbehörden kernsaniert werden.  Mit der geplanten Tierklinik/Kleintierpraxis solle die Grundversorgung in der Region gestärkt werden.

Ob dieses überhaupt verwirklicht wird ist fraglich und auch die Stadt scheint ähnlich zu denken, denn für den Fall, dass der Bahnhof nicht innerhalb der nächsten drei Jahre der neuen Nutzung zugeführt wird, lässt sich die Stadt vertraglich eine Rückübertragung zusichern. Eine Nutzung als Bordell oder als Spielhalle wird ausdrücklich ausgeschlossen.

Quelle: wikipedia.de, westfalen-blatt.de

Für die Fotos möchte ich meiner Frau ganz herzlich danken.

[Fotos aus dem Jahr 2010/12]

2 Antworten auf Bahnhof „V“

  1. Chris

    Oberhalb des Bahnhofs, am Hang, ist eine alte Villa. Beide zusammen gehörtem einst einem Industriellen der sie für seinen Lebensabend herrichten wollte. Leider wurde dieses Vorhaben durch dumme Kiddies vereitelt und der Herr verstarb dann auch noch. So fiel biedes dem Verfall zum Opfer, da die Erben sich nicht einigen konnten.

    Die Villa ist, wenn ich mich recht erinner, Anfang des Jahres vollständig ausgebrannt. Davor war sie noch „in voller Pracht“ zu bestaunen.
    Auch zu der Zeit war sie bereits auf´s schlimmste heimgesucht, jedoch noch von der Substanz her komplett.
    Nun stehen nurnoch die Mauern, alles brennbare, und das war fast alles, fiel den Flammen zum Opfer.

    Ich habe noch einige Bilder im Archiv.

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