Römisch-Katholische Kirche

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Im Mai 1949 kaufte die katholische Gemeinde ein Gasthaus mit angeschlossenem Saal und baute diese Anlage zu einer Notkirche um. Der Umbau zu einer „Notkirche“ kostete 17.347,00 DM. Dazu kamen die von der Gemeinde selbst zu tragenden Kosten und die Eigenleistung, für die Inneneinrichtung (4.000,00 DM). Ein Brand beschädigte 1987 das Gebäude schwer, so dass eine völlige Wiederherstellung nicht mehr möglichwar . Es wurde eine notdürftige Instandsetzung vorgenommen, die für einen überschaubaren Zeitraum gedacht war. Für den Neubau einer Kirche kaufte die Kirchengemeinde einen Bauplatz. Den daraufhin durchgeführten Architektenwettbewerb gewann ein Architekt aus Münster. Nach langwierigen Diskussionen erfolgte am 1. März 2000 der erste Spatenstich. Die Konsekration wurde am 30. Juni 2002 vorgenommen.

Sie erhebt sich auf einem leicht nach Norden abfallenden Gelände und besteht aus drei Baukörpern – Turm, Kirche, Pfarrheim – im Rahmen enger Baugrenzen um einen zur Straße hin ausgerichteten Kirchplatz angeordnet. Eine kleine Mauer trennt den Kirchenvorplatz von der Straße. Der aufragende, im Grundriss quadratische Kirchturm steht im Blickpunkt der Straße und der Querachse der Kirche.  Der Kirchenraum wird von zwei geschwungenen Wandschalen gebildet, die sich im Westen und Osten nicht miteinander verbinden. Zwei gläserne Windfänge schließen den Raum und öffnen ihn gleichermaßen. Das Hauptlicht fällt durch einen Glasstreifen von oben in den Raum direkt auf den Altar. Zwei zueinander im Winkel stehende Baukörper enthalten die Sakristei, einen Raum für seelsorgliche Gespräche und die Räume der Gemeinde. Alle Gebäude haben Außenwände aus weiß gestrichenem Beton. Obwohl alle drei Baukörper durch gläserne Verbindungsgänge aneinander gereiht sind, behält doch jedes der Gebäude seinen eigenen Charakter und seine Körperlichkeit. Der Bauform der Kirche liegen einige sinnbildliche Baugedanken zugrunde.

Ein erstes Bild ist das des „Schiffes“ oder der „Arche“. Dieses Bild erwächst aus der Vorstellung, dass wir als Glaubende immer unterwegs sind auf dem Weg oder der Fahrt zu einem Ziel, das Gott für uns vorgesehen hat. Ein weiteres Bild ist das des Kelches. Wie zwei offene Hände, die sich zu einer Trinkschale formen oder einen wertvollen Gegenstand schützend aufnehmen, so sind die Wandschalen um die Gemeinde gelegt – äußerster Ausdruck von Geborgenheit. Dann ist da noch die Bildvorstellung des Leibes oder der Frucht. Altar und Ambo sind wie Samen, die Mauern wie Schalen und die Gemeinde ist wie eine Frucht. Die Menschen versammeln sich im Halbkreis um die liturgischen Orte. Diese gemeinsame Ausrichtung zur Mitte, zum Altar, mündet in eine Ausrichtung von unten nach oben.  Die Schwere der konkaven Außenwand und die diese Schwere überwindende Leichtig­keit des zur Mitte aufsteigenden konvexen Daches bilden in Verbindung mit der Absenkung des Bodens die geheimnisvolle Spannung des „dichten“ Raumes.  Auf einem zur Altarinsel leicht abfallenden Fußboden aus juragrauem Naturstein stehen vier Reihen Kirchenbänke aus Buchenholz in vier Blöcken gegliedert. Ihre halbkreisförmige Anordnung entspricht der um eine Stufe angehobenen Altarinsel. Die liturgischen Orte -Taufe, Altar, Ambo, Priestersitz befinden sich auf diesem erhöhten Bezirk. Der Bildhauer Johannes Niemeier hat sie, nach einem Wettbewerbserfolg, in Jura Marmor „rahmweiß“ geschaffen.  Ebenfalls eine Arbeit von Johannes Niemeier ist der Tabernakel mit einer Tür in Bronzeguss, vergoldet und gestaltet mit dem Symbol des „Brennenden Dornbusches“. Als Wandtresor ist er in die Wand hinter dem Altarbereich angebracht, auf der auch das Kreuz aus Gemeindebesitz der Bedeutung entsprechend seinen Platz hat.  Die Weihekreuze sind auf Steine geritzt, die aus Orten aller fünf Erdteile der Welt gesammelt wurden. Sie symbolisieren den Auftrag Christi, die frohe Botschaft vom Auferstandenen bis an die Grenzen der Erde zu verkünden und, Spolien vergleichbar, sind sie in die Wand eingelassen. Bei den meisten Steinen besteht auch in irgend einer Form eine Beziehung zur Gemeinde. Über diesen Steinen sind die zwölf Apostelleuchter (helle Bronze) angebracht. In der Achse gegenüber dem Altar liegt der Beichtraum im Turm. Die Figur „Der verlorene Sohn“  aus Gemeindebesitz weist beziehungsreich auf den Beichtort hin.  Die Skulptur des „Vorläufers“ Johannes der Täufer wurde auf dem Kirchplatz aufgestellt. Seit 1989 hatte die Figur des Kirchenpatrons ihren Platz neben dem Tabernakel in der „alten Kirche“.

Der einst strahlend weiße Bau wirkt mittlerweile schmuddelig. Immer mehr dunkle Flecken in grau-grün-roter Färbung zeigen sich an den Wänden. Die Bausünde ist ein falsch konstruiertes oder falsch gebautes Kaltdach. Eigentlich sind Kaltdächer eine feine Sache. Der Bau unter der wasserdichten Oberfläche muss nicht hermetisch gegen Feuchtigkeit von innen abgedichtet werden. Die soll durch die Konstruktion aus Holz, Dämmstoffen und einer Dampfbremse in einen Zwischenraum diffundieren und und von dort ins Freie wegströmen. Kann die Luft nicht, nicht ausreichend oder nicht mehr im Raum zwischen der äußeren Dachhülle und der Dämmkonstruktion zirkulieren, lagert sich in den Dämmstoffen Feuchtigkeit an. Das Holz fängt rasch an zu faulen und verliert seine Tragfähigkeit. Das Dach des Gotteshauses ist inzwischen so geschädigt, dass es baufällig ist. Gottesdienste können in der Kirche schon lange nicht mehr stattfinden, die Kirche ist seit Oktober 2014 geschlossen. Dennoch will die katholische Kirchengemeinde das Gebäude nicht aufgeben.  Ein bauphysikalisches Gutachten soll nun klären, wie es mit der erst gut zehn Jahre alten Kirche weitergehen kann und was die Ursache für die Schäden ist. Die Kosten sollten sich im sechsstelligen Bereich bewegen. Nun ist aus der Renovierung offenbar eine Sanierung geworden. Geplant waren seinerzeit eine Fassadensanierung und die Erneuerung der Oberlichter. Baubeginn sollte im vergangenen Jahr sein, die Kosten sollten bei 100.000 Euro liegen. Sicher scheint, dass weder von den damaligen Handwerken noch vom Planer Geld zu holen ist. Die Gewährleistungsfristen waren schon im Jahr 2013 abgelaufen. Die Sanierung der Bauschäden an der Kirche kostet wahrscheinlich mehr als 100.000 Euro. Davon geht die katholische Kirchengemeinde aus.

Das Ende zeichnete sich ab: Die Kirche ist im katholischen Sinne keine Kirche mehr. Der Erzbischof von Paderborn hat sie profaniert. Die vor 15 Jahren gebaute Kirche darf damit verkauft oder abgerissen werden. Am Freitag habe ein Pfarrer im Gottesdienst im Pfarrheim St. Johannes das Schreiben des Erzbistums verlesen, mit dem die Kirche entwidmet wird. Die im Altar abgelegten Reliquien der Päpste Leo III., Gregor VII. und Pius V. seien nach Paderborn gebracht worden. „Damit ist die Kirche kein geweihter Ort mehr“. Der Bau werde nun an einen Makler gegeben, der die Kirche verkaufen soll. Interessenten gebe es noch nicht. Es werde angesichts der Bauschäden schwer werden, die Kirche zu veräußern. Die Kirchengemeinde erwäge deswegen auch einen Abriss.

Die Kirche galt seit ihrer Fertigstellung als architektonisches Schmuckstück. Schon bald nach Ablauf der Gewährleistungsfristen zeigten sich aber Bauschäden. In einer Zwischendecke über dem Kirchraum hatte sich Schimmel ausgebreitet. Ein Gutachter stellte haarsträubende Versäumnisse der Planer und Handwerker fest. Das Dach und die Mauerabdeckungen waren falsch konstruiert und unzureichend ausgeführt. In den Raum zwischen Dach und abgehängter Decke konnte kalte Luft ungehindert einströmen. Die Feuchtigkeit in der aus dem Kirchenschiff aufsteigenden warmen Luft schlug sich nieder und führte zum Schimmelbefall, der letztlich die Schließung der Kirche zur Folge hatte. Für dieses Jahr rechneten Gutachter Schäden von rund 500.000 Euro aus, für deren Beseitigung die Kirchengemeinde aufkommen müsste.
Quellen: www.st-michael-owl.de + nw-news.de

[Fotos aus dem Jahr 2015]


Update 2017

Im Sommer 2017 steht die Kirche immer noch. Jedoch ist das Gebäude nicht zu retten. In den knappen zwei Jahren Leerstand hat sich das Wasser durch die fehlerhaften Wände und Decken in das Gebäude vorgearbeitet. An den Fenstern breitet sich grünes Moos und schwarzer Schimmel aus. Die ehemals strahlend weisse Fassade ist überzogen mit schwarzem Schimmel und Rotalgen. Das Gebäude leidet sichtlich und der Abriss ist nahezu in trockenen Tüchern.

Bei diesem Besuch ist mir jedoch aufgefallen, wie fotogen dieses doch seltsam modern anmutende Gebäude ist. Durch die versetzt gewinkelten Gebäudeteile und den rundlichen Mittelteil ergeben sich aus vielen Blickwinkeln interessante Kompositionen. Die schnöde weisse Fassade wird unterbrochen von schiessschartenähnlichen Fenstern. Der schimmelige Zustand gibt den Fotos am Ende noch das gewisse Extra. Leider ist das Wetter immer trübe wenn ich vor Ort bin. In der Sonne ist es sicherlich noch ansehnlicher für meine Augen. Leider haben auch hier ein paar wenige talentfreie Farbdosenschwinger haben einige Schmierereien hinterlassen.

[Fotos aus dem Jahr 2017]

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