Grab des Georg Ernst Hinzpeter

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Georg Ernst Hinzpeter kam 1827 als Sohn eines Bielefelder Gymnasiallehrers in Horst/ Emscher (heute Gelsenkirchen-Horst) zur Welt. Nach der schulischen Ausbildung studierte er von 1847 bis 1850 in Halle und Berlin Philosophie und klassische Philologie. Hinzpeter schloss das Studium mit Promotion in beiden Fächern ab. Nachdem er zunächst Hauslehrer der Prinzen Wittgenstein und dann der gräflichen Familie Görtz geworden war, unterrichtete er einige Jahre am Bielefelder Ratsgymnasium.

Im Oktober 1866 fällten Victoria und Friedrich Wilhelm eine unheilvolle Entscheidung: Sie bestimmten Hinzpeter, den freudlosen Asketen, zum Erzieher ihres Sohnes Wilhelm. Hinzpeter führte seinen Zögling mit großer Strenge, tadelte ihn oft und belobigte ihn nie. Bereits im Kindesalter des Prinzen bahnte sich so allmählich eine Entwicklung an, die schließlich fatale Folgen zeitigen sollte: Die Enttäuschung der Eltern, insbesondere der Mutter, über die allgemeine Entwicklung ihres Kindes entfremdete Wilhelm den Eltern.  Der Heranwachsende fühlte sich vor allem von seiner Mutter missachtet.  Hinzpeter überforderte den Jungen permanent und zwang ihm ein tristes Leben auf. Wilhelm reagierte mit Ablehnung, schließlich gar mit Hass. Eine besondere Tortur war für den behinderten Knaben Wilhelm der Reitunterricht. Sein linker Arm war verkrüppelt, und Hinzpeter hob den „unaufhörlich herabstürzenden Reiter“ immer wieder aufs Pferd. Wilhelm weinte bitterlich. Noch Jahrzehnte später erinnerte sich der Kaiser, dass ihm das Reiten „trotz tränenreichen Widerwillens“ von Hinzpeter mit „besonderer Entschiedenheit aufgezwungen“ worden war.

Diese Stellung behielt er bis zur Volljährigkeit des Prinzen. Er verdrängte erstmals den traditionell üblichen militärischen Erzieher für einen preußischen Prinzen. Dies hatte die Mutter von Wilhelm II., Kronprinzessin Victoria, durchgesetzt. Sie schätzte die rigiden Erziehungsmethoden von Hinzpeter als Ausgleich für die von ihr als Defizit wahrgenommene körperliche Behinderung Wilhelms II. Hinzpeters – aus heutiger Sicht – recht drastische Erziehungsmethoden. Seine calvinistisch geprägte, spartanische, auf Selbstkasteiung zielende lustfeindliche Erziehung könnte zu der unausgeglichenen Psyche des späteren Kaisers beigetragen haben.

Nach dem Regierungsantritt Wilhelms II. 1888 wurde Hinzpeter Berater des Kaisers und zum Geheimen Oberregierungsrat ernannt. Ab 1904 war Hinzpeter Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Am 28. Dezember 1907 war Georg Ernst Hinzpeter im Alter von 80 Jahren gestorben. Er war seit 1866 der Erzieher und Hauslehrer des späteren Kaisers Wilhelm II. Zu seiner Beerdigung am 2. Januar 1908, erschienen der Kaiser und sein Bruder Prinz Heinrich höchstselbst und folgten trotz schneidender Kälte in der Nähe des Oberntorwalls seinem Sarg. Nach der kurzen Trauerfeier auf dem Johannisfriedhof verließ der Sonderzeug um 15:15 Uhr mit Kaiser und Prinz den Bielefelder Hauptbahnhof und fuhr zurück nach Berlin. Sämtliche früheren Zöglinge des Pädagogen stifteten im drauffolgenden Jahr eine Marmorgruft mit der Büste von Hinzpeter für den Johannisfriedhof.
Quelle: nw.de, wikipedia.de, zeit.de

[Fotos aus dem Jahr 2011]

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