Ehrenfriedhof für die Toten der Cap Arcona- und Thielbek-Katastrophe

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Eine der größten und dabei kaum bekannten Schiffskatastrophen der Geschichte ereignet sich in den allerletzten Kriegstagen in der Lübecker Bucht. Mehr als 7.000 Menschen kommen am 3. Mai 1945 ums Leben. Sie sind Opfer eines tragischen Irrtums: Britische Bomber versenken das deutsche Passagierschiff „Cap Arcona“ und den Frachter „Thielbek“ vor Neustadt in Holstein. Die drei Kilometer vor der Küste liegenden Schiffe geraten zufällig ins Fadenkreuz. An Bord sind allerdings keine deutschen Truppenverbände, sondern hauptsächlich evakuierte Häftlinge aus dem Hamburger KZ Neuengamme.

Frühling 1945: Kein KZ-Häftling dürfe den Alliierten in die Hände fallen, hat SS-Chef Heinrich Himmler befohlen. Die Briten rücken bereits auf Hamburg vor. Um die Verbrechen des Nazi-Regimes zu vertuschen, beginnen am 19. April im KZ Neuengamme hastige Räumungsarbeiten. Die alliierten Verbände sollen das Lager spurlos leergefegt vorfinden. Gemeinsam beschließen der Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann – zugleich Reichskommissar für Seeschifffahrt – und Hamburgs SS-Führer Graf Bassewitz-Beer, die KZ-Häftlinge auf zwei in der Lübecker Bucht ankernde Schiffe zu bringen. Dass die Schiffe von der britischen Luftwaffe möglicherweise für Truppentransporter gehalten werden, gehört zum perfiden Kalkül.

„Schwimmende KZs“

Zu Fuß und in Güterzügen werden rund 10.000 Häftlinge in den letzten Apriltagen nach Lübeck getrieben. Dort müssen sie im Vorwerker Industriehafen auf die „Athen“ und andere beschlagnahmte Zubringerschiffe umsteigen, die sie zur „Cap Arcona“ transportieren.

Der 330 Meter lange Luxusliner, 1927 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut, liegt seit dem 14. April mit einem Maschinenschaden manövrierunfähig vor Neustadt. Bevor er Ende August 1939 der Kriegsmarine unterstellt wird, war er eines der mondänsten Passagierschiffe seiner Zeit. Noch 1942 drehte die UFA an Bord den Film „Der Untergang der Titanic“. Im Krieg diente die „Cap Arcona“ lange Zeit als schwimmende Kaserne, lag gemeinsam mit der „Wilhelm Gustloff“ in Gotenhafen vor Anker und evakuierte zuletzt Zivilisten und Soldaten aus Ostpreußen. Nach dem Turbinenschaden wird sie von der Marine an die Reederei Hamburg-Süd zurückgegeben. Damit gelangt sie in den Machtbereich Karl Kaufmanns.

Mit dem Beginn der KZ-Räumung informiert die SS die Kapitäne der „Cap Arcona“ und des Frachters „Thielbek“, Bertram und Jacobsen, dass ihre Schiffe für eine Sonderoperation benötigt werden. Beide weigern sich entschieden, ihre Schiffe als schwimmende KZs zur Verfügung zu stellen, beugen sich aber schließlich dem Druck und Gewaltandrohungen.

Das Schiff wird präpariert

Während die ersten Häftlinge auf der „Cap Arcona“ ankommen, deinstalliert die SS alle Fluchtmöglichkeiten und blockiert die Rettungsboote. Dies deutet zusammen mit den weiteren Maßnahmen darauf hin, dass geplant war, die „Cap Arcona“ durch Sprengung zu versenken: Die automatischen Schotten werden zerstört und das Schiff mit einer geringen Treibstoffmenge betankt, die als Brandbeschleuniger ausreicht.

Am 3. Mai 1945 dümpeln die „Thielbek“ und die „Cap Arcona“ mit insgesamt rund 7.500 Häftlingen an Bord in der Lübecker Bucht. Zu diesem Zeitpunkt wissen die Alliierten um die Vorgänge in der Ostsee: Das Schweizer Rote Kreuz hat die britischen Bodentruppen in Lübeck über die Schiffe informiert. Doch die Information gelangt nicht zu den Piloten der Royal Air Force, und bei den Aufklärungsflügen an diesem Morgen werden die winkenden Häftlinge nicht erkannt. So lautet denn der schicksalsträchtige Einsatzbefehl No. 73 am 3. Mai 1945: „Zerstörung der feindlichen Schiffsansammlung in der Lübecker Bucht westlich der Insel Poel und nach Norden hin zur Grenze der Sicherheitszone“.

Tausende Tote

Am frühen Nachmittag beginnen die britischen Bomber der 2. Taktischen Luftflotte ihren letzten Großangriff über der Ostsee. Typhoon-Kampfflugzeuge des 198. Geschwaders nehmen zuerst das deutsche Passagierschiff „Cap Arcona“ und eine Stunde später den Frachter „Thielbek“ unter Beschuss. Die „Cap Arcona“ wird von 64 Raketen getroffen und steht im Handumdrehen vom Bug bis zum Heck in Flammen. Die SS versucht die Häftlinge unter Deck zu halten, während die wenigen funktionstüchtigen Rettungsboote zu Wasser gelassen werden. Von den 4.500 KZ-Häftlingen an Bord überleben 350 durch Zufall, nicht durch deutschen oder alliierten Rettungsbeistand. Von der Besatzung – Wachen, SS-Personal und Crew – können sich etwa 80 Prozent in Sicherheit bringen, darunter auch Kapitän Bertram.

Die „Thielbek“ sinkt innerhalb von 20 Minuten nach dem Luftangriff. Britische Kampfflieger beschießen selbst die Rettungsboote auf ihrem Weg ans Neustädter Ufer. Von den 2.800 Häftlingen erreichen lediglich 50 lebend das Land. Auch Kapitän Jacobsen und die meisten Seeleute sind unter den Toten. Die „Athen“ liegt zur Zeit des Angriffs im Neustädter Hafen; allein diese Tatsache rettet den knapp 2.000 Häftlingen an Bord das Leben.

Opfer in Massengräbern

In den Tagen nach der Bombardierung vom 3. Mai 1945 trieben die Leichen an den Stränden der Lübecker Bucht von Grube bis zur Insel Poel an, darunter auch in Sierksdorf, Haffkrug und Scharbeutz, und wurden an mehreren Orten beigesetzt.

Viele Opfer werden in Massengräbern entlang der Küste zwischen Neustadt und Pelzerhaken verscharrt. Heute reiht sich dort ein Campingplatz an den anderen. Doch zeugen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern noch rund ein Dutzend Friedhöfe von der „Cap Arcona“-Katastrophe. Die bedeutendsten Gedenkplätze liegen in Gronenburg-Neukoppel und in Neustadt/Holstein selbst. Unter den Toten, die dort geehrt werden, sind auch etwa 200 Häftlinge des KZ Stutthof, die über die Ostsee nach Neustadt kamen und dort am Morgen des 3. Mai 1945 von SS-Leuten – unterstützt von Marinesoldaten – erschossen wurden.

Quelle: www.ndr.de


Der Ehrenfriedhof für die Toten der Cap Arcona– und Thielbek-Katastrophe bei Haffkrug-Gronenberg-Neukoppel (Gemeinde Scharbeutz im Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein) ist ein Ehrenfriedhof, auf dem 1.128 Opfer des Untergangs der Cap Arcona und Thielbek am 3. Mai 1945 bestattet sind.

Der Friedhof liegt versteckt, von außen kaum erkennbar, in einem kleinen Waldstück bei der Abfahrt 15 (Eutin) der A 1 von Lübeck Richtung Neustadt in Holstein. Ausgehend von der Seebrücke Haffkrug über die Bahnhofstraße, den Bahnhof Haffkrug liegt der Parkplatz des Friedhofs unmittelbar nach der Autobahnauffahrt 15 (Eutin). Vom Parkplatz aus führen zwei seitliche Eingänge auf den Friedhof. Die auf leicht ansteigendem Gelände befindliche Anlage ist in West-Ost-Richtung angelegt und läuft in Dreiecksform terrassenförmig auf ein Hochkreuz zu.

Der Friedhof wurde 1950 als Sammelfriedhof für die Toten der Cap Arcona Katastrophe im Bereich der Lübecker Bucht angelegt. Er liegt in einem Buchenwald mit freiem Blick auf den Ort der Bombardierung der Schiffe. Der Ehrenfriedhof von Scharbeutz (auch Ehrenfriedhof Haffkrug-Neukoppel) ist mit 1.128 von etwa 8.000 Opfern der größte der Cap-Arcona-Friedhöfe. Der Friedhof wurde durch Verkehrsführungen um ihn herum zur Enklave. Anfang der 1960er-Jahre wurde tangierend die Autobahn A 1 gebaut. Später die Zu- und Abfahrten der Anschlussstelle Eutin zur Bundesstraße B 76. Es ist noch ungewiss, ob die Verkehrsführung der Güterbahn zur Fehmarnbelt-Querung zu weiterer Isolierung des Friedhofsgeländes führt.

Der Eingang im Norden führt auf den am östlichen Rand gelegenen Hauptweg. In der Mitte der Anlage erinnert ein Gedenkstein am Rande des Weges an die Geschehnisse des Unterganges der Cap Arcona und Thielbek. Vom Hauptweg führen zwei Wege durch die Reihen der Gräber (fünf Reihen im Süden, vier Reihen in der Mitte, drei Reihen im Norden) zu dem im Westen der Anlage stehenden hohen, schlichten Kreuz aus Holzbalken. Das Kreuz steht am westlichen Ende der Anlage am Rande der Rasenfläche, in der sich der zentrale Gedenkstein für die Opfer befindet.

Im Jahr 1954 wurden einige 100 Opfer vom Friedhof Sierksdorf für die Opfer der Cap-Arcona-Katastrophe, der neben dem Hotel Seehof lag, nach Haffkrug umgebettet.

Im Süden der Anlage befindet sich am Ende des Hauptweges ein Mahnmal mit einer Inschrift in polnischer Sprache zur Erinnerung an polnische Zwangsarbeiter. Es befand sich ursprünglich auf dem Parkfriedhof Eichhof in Kronshagen und wurde in den 1960er-Jahren im Zusammenhang mit einer dort durchgeführten Exhumierung eines Massengrabs auf den Ehrenfriedhof überführt.

Quelle: wikipedia

[Fotos aus dem Jahr 2018]


Weiter südlich sind im Waldfriedhof der Gemeinde Timmendorfer Strand 810 Häftlinge beerdigt worden.

Der Waldfriedhof liegt an der B76 zwischen Timmendorfer Strand und Ostseetherme Scharbeutz. Innerhalb des Friedhofs gegenüber der Alten Friedhofskapelle befindet sich ein anonymes Massengrab, das mit grünem Rasen bedeckt ist. Innerhalb der Rasenfläche sind 16 runde Flächen mit Rosenstöcken eingefügt, die an die 16 Nationen, aus denen die Cap Arcona-Opfer stammen, erinnern. Am Kopfende des Gräberfeldes befindet sich eine Gedenkmauer mit Hochkreuz und Gedenktafel. Am Jahrestag der Bombardierung, dem 3. Mai, werden zum Gedenken Kränze des Landes Schleswig-Holstein, des Kreises Ostholstein und der Gemeinde Timmendorfer Strand niedergelegt. In der alten Friedhofskapelle erinnern Infotafeln an das Geschehen. In einer Vitrine sind Bücher und Fundstücke von Tauchern, ein Häftlingsschuh und eine Kohlenschaufel, ausgestellt.

Quelle: wikipedia

[Fotos aus dem Jahr 2018]

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