Waldbad

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Mitten in einem kleinen Wäldchen liegt dieses kleine Waldbad. Es besteht aus einem grossen und einem kleinen Becken welche von einem nahen Flusslauf gespeist wurden. Der Fluss fliesst durch einen 1885 erbauten kleinen Tunnel.

Vor dem Bau des Freibades stand hier eine alte Wassermühle mit einem dazugehörigen Teich. Da es in der Umgebung keine Bäder gab, entschloss sich der ansässige Sportverein, das Gelände zu pachten. Arbeitslose machten sich dann in den Jahren 1931 und 1932 daran, für 5 DM in der Woche Erde auszuheben und mit Loren wegzuschaffen. Später brachten Landwirte Sand in das Gebiet um eine Grundlage für das Becken zu schaffen. In die Platten rund um das Becken wurden die Namen der Mitarbeiter eingeritzt, die am Bau beteiligt waren.

An einem Sommertag des Jahres 1933 sollte dann das Freibad eingeweiht werden. Ein grosses Zelt war aufgebaut worden. Gerade wollte man mit der Zeremonie anfangen, als Angehörige der SA mit Schultergürteln und Knüppeln die anwesenden Gäste in die Flucht schlugen. Ein damals am Bau beteiligter Anwohner berichtete: „Ich war damals an der Kasse beschäftig und nach dem Überfall war das ganze Geld weg. Erst hatte man mich verdächtigt, aber Gott sei dank konnte ich sie vom Gegenteil überzeugen. Die Nationalsozialisten hatten das gesamte Geld mitgenommen und noch am selben Abend versoffen.“ Eine Woche nach diesem üblen Gewaltakt wurde das Freibad noch einmal eingeweiht. Diesmal aber von den Nazis mit Unterstützung einer nationalsozialistischen Kapelle. Trotzdem wurde das Freibad viel besucht, da ja in den umliegenden Orten keine Bäder waren.

Wo heute meterhohe Bäume hochragen, war damals eine Liegewiese. Lediglich das Wasser war kühl, denn das Becken lag im Schatten. Jedoch wird berichtet, dass das Wasser sauber und frisch war. Das Bad entsprach in jeder Beziehung den damaligen Ansprüchen. Auch fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. Schwimmwettkämpfe waren nicht selten, einmal hat sogar eine Sportgruppe vorgeführt, wie man auf Brettern, die auf dem Wasser lagen, Fahrrad fahren kann. Auch ein Zeltfest fand statt. „Schwimmabzeichen konnten errungen werden und so mancher aus der Umgebung hat hier seinen Freischwimmer gemacht“, erzählte ein Zeitzeuge, der auch noch viele andere Einzelheiten zu berichten wusste.

Nach dem Kriege schlief der Badebetrieb ein, man hatte andere Sorgen. Das Holz der Umkleidekabinen wurde in den Notzeiten als Brennholz verfeuert. Langsam verfiel das Bad, denn nun wurden auch in den umliegenden Orten Freibäder errichtet. Lange Zeit lag das Gelände brach, der dazugehörige Kotten wurde nicht mehr benutzt und verfiel ebenfalls.

Dann wurde das Gelände verkauft und eine Zeit lang waren dann Fische im alten Becken. Bedauerlicherweise seien dort oft Fische gestohlen worden und das Wasser wurde schliesslich herausgepumpt. Zahlreiche erfolglose Verkaufsverhandlungen, Pläne und Idee später geriet das Bad bis heute in Vergessenheit.

Für die Recherche und historischen Bilder möchte ich meinem Kollegen Buddy Breiter ganz herzlich danken!

[Fotos aus dem Jahr 2011]

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