Hotel und Gaststätte „Siekmann“ (umgenutzt 2018)

http://www.auferstandenausruinen.de/wp/wp-content/gallery/hotelrestaurant/IMG_8304.JPGDas Hotel und Gaststätte „Siekmann“ war ein traditionsreiches Wirtshaus und eins der ältesten Gebäude der Gegend. Es wurde 1828 als verputzter Steinbau errichtet, Fenster und Eingangstür sind mit Sandstein eingefasst. Die Türeinfassung ist links und rechts mit stilisierten Lilienornamenten verziert, über dem Eingang ist die Jahreszahl 1828 eingemeißelt. Desweiteren ist es ein Ensemble aus alt und neu. Der Hotelanbau wurde im zuge der 80er Jahre erneuert. Im Gartenbereich gab es früher einen grossen Brunnen aus dem eine Quelle sprudelte, die laut Volksmund heilende Kräfte hatte.

Auf den folgenden Fotos aus diversen Jahrzehnten erkennt man einiges Interessantes. Zu erwähnen ist die „heilende Quelle“, man erkennt den Steinbrunnen und in der Vogelflugaufnahme das grosse Bauernhaus direkt hinter dem Hotel, welches heute nicht mehr vorhanden ist.

[Fotos aus dem Jahr 2008]


Update No1: Vandalismus

Ich gebe es zu… 8 Jahre sind eine lange Zeit. 8 Jahre war ich nicht mehr an diesem Gasthaus. Aber dennoch staunte ich gestern nicht schlecht. 2008 waren Hotel und Gaststube noch sauber. Alle Fenster waren heile, es gab keine Grafitti, kein Vandalismus. Nun ist der Eindruck ein anderer. Alle Fenster, und wenn ich schreibe alle dann meine ich alle, des Hotels wurden zerstört. Müll wurde dort abgeladen. Einrichtung liegt vor dem Haus. Im Inneren erkennt man herausgetretene Türen. Die Fenster der Gaststube sind heile wenn auch teilweise beschmiert, doch auch hier erkennt man, dass im Inneren gewütet wurde. Der Besitzer hat alle Fenster, auch die mit heilen Scheiben von Innen mit Metallgittern gesichert und die Türen mit Spanplatten verschraubt. Alles in allem ein trauriger Anblick.

B[Fotos aus dem Jahr 2016]


Update No2: Historische Reste

Durch einige Nachforschungen an anderen Bauernhäusern und Restaurationen habe ich einiges über diese alten Gebäude gelernt. Man erkennt oft noch historische Teile dieser Gebäude, die in späteren Jahren nicht mehr genutzt wurden. Wie zb. Toreinfahrten für Fremdfuhrwerke. An dem Bruchstein-Teil des Gasthofes erkennt man diese Einfahrt noch sehr gut, da sie nur mit roten Ziegeln zugemauert wurde.

[Fotos aus dem Jahr 2017]


Update No3: Innenansichten

Auch für dieses historische Gebäude ist die Zeit gekommen. Das Gasthaus wird zu einer Senioren-Begegnungsstätte umgebaut werden. Für Bielefelder Verhältnisse ist es jedoch eine Seltenheit, denn dem Haus wurde ausnahmsweise der Denkmalstatus nicht aberkannt. Somit ist das historische Gasthaus in seinen Grundfesten gesichert. Der hässliche Hotelanbau darf abgerissen werden.

Im Zuge der Umbau- und Abrissmassnahmen wurden bereits alle Büsche und Bäume entfernt und nun steht das Gebäude offen da. Natürlich läd das viele Menschen mit zum Teil fragwürdigen Intentionen ein. Besonders interessant finde ich, mit wieviel krimineller Energie manche sich Zugang verschaffen. Bei meinem ersten Besuch vor vielen Jahren konnte man nicht in das Gebäude gelangen. Die Fenster waren noch intakt, die Einrichtung unangetastet. Doch dann begann das grosse Zerstören. Ich hatte nun die Gelegenheit, das Gebäude von innen in Augenschein zu nehmen.

Auch wenn ich schnell gegen jugendliche Farbschmierer und Ubrexer wettere muss ich diesesmal unverblümt sagen, dass diese Gruppen nur einen kleinen Teil zur Verwüstung beigetragen haben. Man erkennt deutlich, dass das Gebäude von kriminellen Schrottverwertern aufgesucht wurde. Ich habe jedenfalls noch keinen Fotografen oder Jugendlichen gesehen, der mit viel Gewalt und offensichtlich dem richtigen Werkzeug ganze Badewannen aus den Zimmern gerissen haben nur um an die Kupferrohre zu kommen.

Aber ich will mich nicht mit Negativen aufhalten, denn die Ruine bot immer noch einen Einblick in vergangene Epochen. Als erstes könnt ihr ein Video sehen, welches die Quelle neben dem Gebäude zeigt. Man erkennt gut die ganzen kleinen Blasen und den Wasserdampf der mystisch aufsteigt. Dieser Quelle wurden damals wie sooft heilende Kräfte angedichtet.

Im Inneren kann man, wenn man ein Auge dafür hat vieles entdecken.
Zum einen gibt es im Gaststättenbereich einige alte Holzbögen mit diversen Inschriften.

JÜMMER WACKER LUIKE UIT FROU TEO JEUDER STUNNE,
SUIHT ET AUK MOL DUISTER UIT, MORGEN SCHINT DE SUNNE
H.u.P BÖHMER JUNI 1978

IM JAHR 1844 HABEN DIESE BEIDEN EHELEUTE ALS JOHANN
FRIDRICH WILHELM SIEKMANN AUS OLDENTRUP UND AN
NA FRIEDERICKA WILEMINA BUDROWENN AUS OLDENTRUP
DIESES HAUS RICHTEN LASSEN DEN G.S.T.B.B.M.F.W.S.B.

Ein kluger Zecher steckt sich fein
Den Hausschlüssel schon Morgens ein

Man kann sagen, dass der alte Keller am originalsten daherkommt. Hier sind noch die hundert Jahre alten Holzgeländer vorhanden. Im Kellerbereich unterhalb des Gastraumes dringt das Quellwasser durch den Fussboden. Am interessantest jedoch ist der grosse Saal im rückwärtigen Bereich. Man kann dort an den Aussenwänden noch die Öffnungen erahnen durch die Pferdegespanne einfahren konnten. im Inneren sind noch die originalen Holzsäulen vorhanden. Man kann sich gut vorstellen wie hier Pferdewagen abgestellt und die Tiere versorgt wurden. In neueren Zeiten war dies ein Tanzsaal mit einer Bühne für Musiker. Ich bin froh über den Denkmalschutz dieses Gebäudeteiles. Die Oberen Stockwerke sind Wohnraum und dementsprechend weder alt noch schön. Hier haben die Kabelratten am schlimmsten gewütet.

Ich habe mir erlaubt einmal durch das Untergeschoss zu laufen und dabei ein Video zu drehen.

[Fotos aus dem Jahr 2018]

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  5. Das Gasthaus soll laut NW Bericht zum Seniorenheim umgebaut werden:

    Gaststätte wird Seniorenheim

    Änderung des Bebauungsplanes ist Thema in der Sitzung der BZV

    Mit den Umbauplänen für die Gaststätte S. befasst sich die Bezirksvertretung auf ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag, 11. Juni, um 17 Uhr in der Gesamtschule. Dabei geht es um die 4. Änderung des Bebauungsplanes Nr. III/Hi 6 „Gaststätte S.

    Wie berichtet, will der Käufer, die Immobiliengesellschaft, das denkmalgeschützte Gasthaus aus dem Jahr 1828 mit Saal sanieren. Das Hotel dagegen soll abgerissen werden. Auf den Flächen sollen verschiedene Wohn-, Service- und Pflegeangebote für ältere Menschen entstehen. Außerdem soll eine Begegnungsstätte gebaut werden sowie mehrere Verwaltungs- und Büroräume.

    Zu den Baukosten ist noch nichts bekannt. Der Bebauungsplan muss jetzt in drei Etappen geändert werden: Aufstellungsbeschluss, Entwurfsbeschluss und Satzungsbeschluss. Bis eine Baugenehmigung erteilt wird, kann nach Meinung aus der Verwaltung noch mindestens ein Jahr vergehen.

    Das alte Gasthaus hatte sogar Gerichte beschäftigt, denn nachdem die Denkmalbehörde die Gaststätte mit Saal und Verandabau auf die Denkmalliste gesetzt hatte, wehrte sich Alt-Eigentümer Dietmar K. mit einer Klage dagegen und verlor 2011 vor dem Verwaltungsgericht.

    Parallel zum Denkmalschutz änderte die Stadt ihren Bebauungsplan, der den Abriss des Gebäudes und den Neubau eines Supermarktes verhindern sollte. Für diesen Plan hatte K. damals Investoren gewinnen können. Die Bezirksvertretung stimmte allerdings dem Alternativplan zu, der den Supermarkt verhinderte.

    Längst aufgegeben hatte er zu dem Zeitpunkt den Plan, die einst von seiner Großmutter bewirtschaftete Gaststätte S. im Besitz der Familie zu halten. „Wo der Eigentümer nicht mehr selbst hinter dem Tresen steht, funktioniert der Betrieb nicht mehr“, beklagte er mit Hinweis auf ehemalige Traditionslokale in der Nachbarschaft.

    Das frühere Gasthaus Eichenstöcken hat eine Fastfood-Kette übernommen, der Schinkenkrug wurde abgerissen. Das Hotel aus den 50er Jahren, habe den Ansprüchen der Gäste nicht mehr genügt. Er habe den Gebäudekomplex mit dem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück zu einem Schleuderpreis abgegeben. Der Käufer hat ein Rücktrittsrecht bis Ende 2015.

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