Gasthof „B“

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Erneut ein Spontanfund auf dem Heimweg. 1803 wurde das Haus gebaut, damit dort Mitarbeiter der Stadt „Chausseegeld“ erheben konnten. Um den Unterhalt der Straße zu finanzieren, war am Haus vor einem Schlagbaum eine Abgabe fällig. Die Kasse ist in dem Gebäude erhalten geblieben.

Verschiedene Pächter lebten mit ihren Familien in dem Haus. Um die Stadt zu entlasten, sollten sie neben dem Eintreiben des Chausseegeldes noch ein Einkommen haben. Der steile Berg erwies sich als Geldquelle, da viele Gespanne nicht stark genug waren, die Kutschen und Fuhrwerke bis nach oben zu ziehen. Ein Pferdestall wurde an das Haus angebaut, und der Pächter bot Vorspanndienste an. Mit den zusätzlichen Pferden wurden die Wagen bergauf geschafft.

Geld eintreiben, Pferde vorspannen – das dauerte. Eine neue Einkommensquelle tat sich auf. Schon der erste Pächter hatte die Idee, die Wartenden zu bewirten. Das trug ihm Ärger ein, denn er schenkte ohne Erlaubnis Branntwein aus. Sein Nachfolger bemühte sich um die Konzession, erst 1820 wurde ihm der Betrieb einer Gastwirtschaft gestattet. Die Grundlage für das Gasthaus „B“ war gelegt, 1887 wird der Name erstmals genannt.

Das Gasthaus blieb bestehen, auch nachdem 1897 die Maut aufgehoben wurde. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite war früher der Biergarten der Gaststätte. Sie war zu einem beliebten Ausflugsziel geworden, die Leute genossen ihren Kaffee im Garten. Selbst eine Kegelbahn war auf dem Gelände angelegt, die Kegelhütte ist von der Straße aus in dem verwilderten Garten noch zu sehen. Heute ist es kaum vorstellbar, dass die Bedienung Kaffee und Kuchen über die Straße trug.

Die letzte Wirtin im Gasthof „B“ führte es bis Mitte der 90er-Jahre. Aus dieser Zeit kennen einige Keute den Landgasthof noch. Das ist lange her, das denkmalgeschützte Chausseehaus steht seit 1998 leer. Das Haus selbst habe wirtschaftlich kaum noch einen Wert, obwohl die Bausubstanz noch in Ordnung sei. „Es hat aber einen ideellen Wert.“ Außerdem sichere es den Wert des Grundstücks, das im Außenbereich heute nicht mehr neu bebaut werden dürfte.
Quelle: Verein Alt-*, lz.de

[Fotos aus dem Jahr 2016]


Update: Innenansichten 2013

Nachdem ich damals den Gasthof aufgrund von anwesenden Menschen nur von aussen betrachtet hatte, habe ich ihn eigentlich fast vergessen, bis ich erfuhr, dass es dort im Jahre 2017 brannte. Damit ging selbstverständlich nicht nur ein grosser Brandschaden einher, natürlich wurde durch die Berichterstattung eines lokalen Käseblattes auch der Standort an die Öffentlichkeit, und somit hielt dort der Diebstahl und Vandalismus einzug. Also sah ich davon ab ihn erneut zu besuchen. Durch einen glücklichen Zufall erhielt ich nun viele Fotos aus dem Jahre 2013 die ich hier präsentieren darf.

Der eigentliche Thekenraum ist vor Jahrzehnten komplett geplündert worden und die Diebe haben die Edelstahl-Spülbecken und die Leitungen und Zapfhähne mitgenommen. Im Haupthaus sind unten links und rechts „Gastzimmer“, in denen Ausschank stattfand. Hinter der Eingangstür auf der rechten Seite liegt der alte Zahlschalter für das Wegegeld, dahinter geht es unter der Treppe durch zu den Toiletten und zur Deele und nach links durch einen Flur in die Küche. Über die Treppe hinter dem Zahlschalter kommt man nach oben in die Schlafräume und den „Saal“. Bei Bedarf konnte im Treppenhaus eine Tür geschlossen werden, damit die Gäste nicht in den Privatbereich reinstolperten. Die rechte, öffentliche Obergeschoßseite besteht aus dem eigentlichen Saal und einem kleinen abgetrennten „Bühnenraum“, wo früher auch das Klavier stand, was sich nun auf dem Flur wiederfindet.
Quelle: Wacholder

[Fotos aus dem Jahr 2013]


Update: Innenansichten 2018

Aufgrund der Fotos aus dem Jahre 2013 habe ich den aktuellen Zustand der Ruine im Bilde festgehalten. Im Grund hat sich nicht viel verändert. Der historische Schuppen hinter der Gaststätte ist komplett durch das Feuer zerstört worden. Im Inneren des Haupthauses scheint die Ubrex-Tine aktiv zu sein. Das alte Klavier steht mittlerweile inklusive Tischen und Stühlen wieder in einem der Festräume. Man findet hier sehr viele Hinterlassenschaften der Vorbesitzer. Dennoch habe ich insbesondere von der zugestellten unteren Etage kaum Fotos gemacht, da die Fenster mit Platten versiegelt sind und kein Sonnenstrahl zum fotografieren den Weg ins Innere findet. Einen Eindruck der unteren Etage seht ihr in diesem Video.

[Fotos aus dem Jahr 2018]

7 Antworten auf Gasthof „B“

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  3. Peter H. Wendt

    Hi !

    Die Gaststätte kenne ich noch aus belebter Zeit, als ich als Vierjähriger „groß genug“ war, um mit meinem Vater und den Nachbarmännern Sonntags zum Frühschoppen durch die Felder hinzuwandern. Später, als es schon leerstand, bin ich ein paar mal drin gewesen und habe noch Bilder aus dem Innenraum. Und von dem Waschhaus dahinter, bevor es mal „warm saniert“ worden ist. Die Lokation ist immer noch mein Liebling.

    Inzwischen haben sie hinten die Vegetation etwas gekappt und einen improvisierten Bretterzaun gezogen. Man sieht da auch das Polizeiauto besser, wenn sie ihren Radarkasten in der 50-Zone davor geparkt haben.

    Peter aus dem Lipperland

    • Hallo Peter,

      es muss ziemlich spannend sein, diese Gaststätte im Betrieb und jetzt als Ruine zu kennen.
      Ich wollte dort schon immer mal wieder hin und schauen ob ich hineinkomme.
      Würdest du deine Fotos aus dem Inneren meiner Website beisteuern?
      Du wirst natürlich als Urheber genannt. Falls du das wünschst.

      Gruss… Phil…

  4. tilli

    bin vor Jahren mal in dem Gebäude gewesen, weil die Haustür offen war. Leider keine Bilder gemacht.

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