Über "AaR"

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„Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen.“

… schrieb schon Friedrich Schiller in „Wilhelm Tell“ um 1804.
Das Zitat ist ähnlich wie die Objekte, die ich hier präsentiere, ein Relikt aus vergangenen Zeiten, die so manches Mal ihre wahre Bestimmung verbergen. Oft ist der ursprüngliche Sinn und Zweck verlassener Orte gar nicht oder nur schwer zu erkennen. Doch gerade diese oft im Nebel verborgene Geschichte verleiht vielen alten Häusern einen geheimnissvollen Charakter. Aber auch die Natur, die kraftvoll wie ein Bulldozer und doch so langsam, dass das menschliche Auge es nicht erfassen kann, alles künstlich Erschaffene zurückerobert, schafft einen besonderen Reiz, der insbesondere Fotografiebegeisterte magisch anzieht.

Meine kleine Passion begann im Jahre 2001, als ich aufgrund des drohenden Abrisses des Münsteraner Hawerkamp-Geländes, mit einer analogen Kamera zu meiner alten Partystätte fuhr, um die historischen Betonwerksgebäude auf Film zu sichern. Meine Begeisterung für diese historischen Stätten verstärkte sich 2005, als ich in Ägypten die Tempel von Karnak und das Tal der Könige besuchte. Ich bekam ein nie dagewesenes Gefühl, als ich zwischen den Ruinen einer der ältesten Kulturen der Welt stand und tausende Jahre auf mich hinabsahen. Als ich durch einen Zufall eine alte Industrieruine in meiner Heimatstadt fand, packte mich erneut das Foto-Fieber und mit der Zeit entwickelte ich einen Blick dafür, nicht nur das Altbekannte zu sehen, sondern auch Dinge im Hintergrund wahrzunehmen, an denen man schon 100 mal vorbeigefahren ist, ohne sie sich genauer anzuschauen. Ein wenig später bemerkte ich im Internet, dass ich damit keineswegs auf einer einsamen Strasse fuhr, sondern dass es schon eine Szene und ein schickes Modewort zu meinem neuen Hobby gab. Da ich kein Freund von Pseudoanglizimen bin, nenne ich mich selbst nicht „Urban Explorer“ und besuche keine „Lost Places“.

Ich und meine Frau, die einen besonderen Blick für Details hat, besuchen leerstehende Objekte und dokumentieren sie fotografisch, denn gerade den ästhetischen Wert der Natur, die in Ruinen neu aufersteht (daher auch der Name) schätzen wir sehr. Das ist auch der Grund dafür, dass ich meine Fotos von Leerständen nicht in schwarzweiss oder HDR präsentiere, da man den Kontrast zwischen Dingen die von Menschenhand geschaffen sind und der Natur in schwarzweiss und HDR nicht realistisch wahrnehmen kann. Ich versuche aber auch etwas von deren Geschichte zu erfahren, indem ich mit Besitzern oder anderen Quellen Kontakt aufnehme. Oft ist diese kleine Dokumentation der verschiedenen Objekte die einzige Möglichkeit sie für die Nachwelt zu erhalten, da gerade die Kleineren oft nicht die breite Masse ansprechen.

Wichtig für mich ist alles so zu erhalten wie es ist. Das bedeutet im Klartext Vandalismus, gewaltsames Betreten oder Diebstahl sind absolut tabu. Ich freue mich immer über neue (alte) Dinge und seien sie auch noch so klein und hoffe auf einen regen Austausch mit allen, die meine Einstellung teilen!

„Bring nothing but silence, Show nothing but grace, Seek nothing but shelter, From the great human race,
Take nothing but pictures, Kill nothing but time, Leave nothing but footprints, To show you came by“
John Kay & Company „Nothing But“ –

Es war einmal vor langer Zeit… als ich Gefallen an der Flucht aus dem Sumpf Bielefeld fand. In vielen überwucherten Ecken gab es verfallene Bauernhäuser, historische Industrieruinen, überwucherte Bunker und majestätische Villen, die mir ebendies ermöglichten. Eine kurze Zeit war es möglich in einen fremden Mikrokosmos einzutauchen, die Ruhe und die Abwesenheit von Menschen, die einem Urlaub gleichkommt, einzuatmen und den Kopf vom Wahnsinn des Alltags zu befreien. An viele dieser Erlebnisse denke ich ein wenig wehmütig zurück. Die Spannung „ungesehen“ zu bleiben, keinen Laut von sich zugeben, an Stellen zu sein, wo seit Ewigkeiten keine Menschenseele war, zu sehen was sich hinter dem Bekannten verbarg, war mein Antrieb.

Doch diese Rückzugsorte in meiner Heimatstadt fallen wie die Fliegen. Die Reste der Bielefelder Industrie sind weggeschmolzen, überbaut und von Bielefeld assimiliert worden. Freizeitgewerbe, als „Schandflecke“ gebranntmarkt, werden unter Zwang entfernt oder fangen „spontan“ an zu brennen. Sogar zuvor genutzte historische Stätten stehen dem städtischen Geltungsbedürfnis im Wege und müssen durch „attraktive“ Wohnblocks oder Aldi-Filialen ersetzt werden. Industriezeugnisse verwandeln sich in „Begegnungszentren“ in denen einem mit Ablehnung begegnet wird. Anderen Zeitzeugen aus Beton wird die historische Wichtigkeit verwehrt, da die „Opferrolle der damaligen Nutzer“ als unklar dargestellt wird. Sie werden nahezu verdammt und der gemeine Anwohner begrüsst den Umbau oder Abriss. Die sichtbare Geschichte Bielefelds schmilzt dahin. Sogar im Kleinen ist der Schwund sichtbar. Historische Laternen, Brücken, Mühlen, Bäder sind unwiederbringlich verloren.

Der Stadt entgleitet die historische Ruhe, wird vollgestopft mit Modernität, getarnt als „Restaurierung“. Das Wahrzeichen der Stadt, einst einer der wenigen offiziellen Plätze um die Hektik der Stadt abzulegen, wirkt sauber, modern, touristisch. Lange war ich nichtmehr dort. Für mich verliert sich die Stadt.

Spürbar…

Doch gerade jetzt braucht meine Heimat die verlorene Ruhe. Mehr als noch vor einigen Jahren. Das Verschwinden der Entspannung begünstigt den Verfall. Die Menschen werden schneller, lauter, eigensinniger. Die Ignoranz, das Miteinander nicht mit Respekt, Fairness und echter Toleranz zu garnieren, wächst spürbar. Man gerät in Situationen, die nicht klärbar zu sein scheinen und will man sich ausserhalb der eigenen Festung zurückziehen, fehlen die Orte. Dort klaffen Baugruben oder stehen stacheldrahtbewehrte Zäune. Anwohner tolerieren mich als Besucher nicht. Es wird die Exekutive gerufen, denn wer will schon, dass möglicherweise ein junger Mensch in der Ruine nebenan sein Leben verliert. Denn selbst im am wenigsten bekannten Leerstand der Stadt ist am Wochenende reger Durchgangsverkehr.

Wo finde ich meine Ruhe?

Ich will geniessen, auftanken, die Natur spüren oder einfach nur alleine durch den Wald streifen. Doch auch dort dreht sich der Wind, angefahren von Radfahrern oder beschimpft von Förstern, trifft man Geocacher, Sondengänger, Müllablader, wird verfolgt von Schrottdieben; es gibt keine Tiere zu entdecken wenn Horden von Joggern, Walkern, Kindergartengruppen durchs Unterholz marodieren. Ein Helfer ist nur das Wetter. Regnet es bleibt das hippe Bielefeld zu hause. Genau wie meine Kamera. Doch das Foto ist nicht meine treibende Kraft. Es war mein Werkzeug um andere teilhaben zu lassen. Das Werkzeug mutiert zum Fluch. Ich möchte informieren und lasse Fotos und Informationen Hand in Hand gehen. Doch fördere ich den Ruinentourismus mit jeder Information zu viel. Nach den letzten Veröffentlichungen tauchten diese Objekte in facebook-Galerien auf. Der Niedergang stieg daraufhin expotentiell an. Müll, Diebstahl, Vandalismus… als hätten zwielichtige Gestalten nur darauf gewartet dort einzudringen. Erschreckt musste ich meine Ziele überdenken, die Leichtigkeit und der Spass an der Sache bekam einen schalen Beigeschmack, die Kamera blieb zu hause. Doch der Blick durch den Sucher fehlte mir. Auch die fotografische Herausforderung abseits der Zivilisation verschaffte mir Entspannung. Es schärft den Blick, läd zum umschauen ein.

Ich musste erst in den dänischen Norden fahren um „es wieder zu fühlen“, um „runterzukommen“. Dort verdeutlichten sich allerdings auch die daheimgebliebenen Misstände erneut und frustriert betrat ich Wochen später wieder deutschen Boden. Empfangen wurde ich vom allbekannten, von einem Zustand den ich weiterhin als unbefriedigend empfinde.

Doch es gibt einen Silberstreif am Horizont…

Es gibt einen Menschen der mir Ruhe verschafft, mich unterstützt und leitet, drei Fellviecher die jeden Spaziergang besonders machen. Zusammen lassen wir uns durch den urbanen Wahnsinn treiben, umspült vom Neid des Ottonormalmenschen… habe ich meinen Ruhepol immer bei mir und das macht mir das Leben lebenswert.

Ohne dich wär ich nich’… ich liebe dich.

Phil…

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